Andacht zum Monatsspruch September 2017

Liebe Gemeinde, an der Kreuzung gibt es zwei Spuren. Die Ampel wird grün. Auf jeder Spur wird gestartet – Vollgas. Wenige Meter weiter werden die Spuren gewechselt hin und her am LKW vorbei. Jeder will der Erste sein. An der nächsten roten Ampel sehen wir uns alle wieder, das Rennen beginnt von neuem. Wozu? Manchmal mag man auch angeben wollen. Doch auch dann steht die Frage, wozu und wozu auf der Straße mit Geschwindigkeit? Im Mahlsdorfer Wohngebiet oder auf der Hönower gibt es nur eine Spur pro Fahrtrichtung. Wie viele schaffen es einfach nicht 30 zu fahren. Die Geschwindigkeit bringt uns voran in die Zukunft. Zukunft will jeder haben und zwar eine gute. Besser, man kommt als Erster an. Das Rennen beginnt auf der Straße – wer ist der Schnellste, am Arbeitsplatz – wer verdient am meisten, unter Schülern – wer ist die Beste, in der Familie – wer bekommt die Aufmerksamkeit.

Jesus wurde nach der Zukunft gefragt, nach der Zukunft im Reich Gottes. Er antwortet: Es hat keinen Sinn zu drängeln, zu hetzen, andere hinter sich zu lassen. Wer hinten ist und ganz gelassen lebt, wer anderen den Vortritt lässt und statt nach Aufmerksamkeit zu jagen, sie verschenkt gerade an die Letzten ganz unten. Sie und er werden die Ersten sein in der Zukunft in Gottes Haus, an Gottes Tisch, im Reich Christi. Christi Reich will schon hier unter denen, die zum ihm gehören beginnen – mit mehr Gelassenheit, Aufmerksamkeit und Rücksicht. Das können wir sogar an der Kreuzung üben, vorzugsweise auf der rechten der beiden Spuren oder am Arbeitsplatz unter Kollegen oder als Schülerin im neuen Schuljahr oder in der Familie und in unserer Gemeinde sowieso. Bloß gut, dass im August noch Urlaub ist. Da übt es sich leichter. Viel Spaß dabei wünscht Ihnen Pfarrer Jabs.

Author: 
Thomas Jabs
Datum: 
Samstag, 12. August 2017