Monatsspruch April 2018

Jesus ist am Kreuz gestorben. Jesus ist tot. Die Jünger sitzen verlassen beieinander. Ihre Mitte - Jesus ist nicht mehr. Die Lücke, die die Jünger schmerzlich erfahren, die Lücke, die Jesu Fehlen bedeutet zu aller Zeit, lässt sich nicht füllen – durch nichts und niemanden, außer durch Jesus selbst! Und das geschieht. Jesus füllt die Lücke mit sich selbst: Er tritt in die leere Mitte, die er hinterlassen hat, und füllt sie mit seinem Frieden und seinen Wunden. Er tritt in die leere Mitte und füllt sie mit seinem Atem, füllt sie mit seinem Geist.

Jesus lebt!, bedeutet uns Johannes in seiner „Pfingstgeschichte“. Gott hat ihn aus dem Tod errettet. Er ist da: Auferstehung. – Aber dieser auferstandene Jesus geistert nicht als Untoter durch die Gegend. Er kehrt nicht einfach wieder in sein früheres Leben zurück, um von Neuem mit den Seinen auf den Straßen Galiläas und Judäas unterwegs zu sein. Er ist da als der, der zu Gott hin auferstanden ist: Himmelfahrt. Lebendig und nahe ist er nicht länger nur für wenige. Vielmehr ist er für die Menschen aller Orten und Zeiten. Doch wie ist denn der, der nicht da ist, jetzt da in seiner Gemeinde? Indem dasselbe, was ihn, Jesus, erfüllt hat im Leben und im Sterben, was sein Atem, sein Hauch, sein Leben ist, nun auch in uns ist: „Heiliger Geist“: Dasselbe in ihm und in uns – und zwar in uns allen, in einer jeden und einem jeden von uns. Was ihn erfüllt, erfüllt auch uns. Was ihn treibt, treibt auch uns. Was ihn bevollmächtigt, bevollmächtigt auch uns, und zwar alle – und füllt so die Lücke. Und er sendet seine Jünger. Er sendet uns. Sein Auftrag: Fülle nicht die Lücke. Versuche nicht, die vielen Lücken zu füllen, die die Menschen, denen du begegnest, im Innersten bewegt. Denn es gibt einen Mangel oder eine Leere, die kostbar ist im Dasein der Einzelnen
und der Gemeinschaften. Diese leere Mitte zu hüten und sich selbst davor zu hüten, sie zu füllen, das mag als etwas bloß Defensives erscheinen. Nichtsdestoweniger ist es der Kern aller Seelsorge und Verkündigung, denn es geht dabei um jene Lücke, die die Offenheit von Menschen verwahrt für Gott und das Wirken seines Geistes in Jesus Christus. Schweige mit den Suchenden. Verstopfe diese Lücke nicht mit dir selbst, sondern halte diese Mitte frei, bis ER eintritt. Dies zu erleben wünscht Ihnen  
Ihr Pfarrer Thomas Jabs.

Author: 

Thomas Jabs

Datum: 
Freitag, 23. März 2018