Kirchenwache in der Alten Pfarrkirche

Viele Gemeindemitglieder unserer drei Kirchen beteiligen sich ehrenamtlich an der Kirchenwache in der Alten Pfarrkirche. Sie machen es möglich, die Alte Pfarrkirche für die Zeit der IGA offen zu halten. Täglich kommen mehrere Besucher und auch Gruppen in die Kirche und bedanken sich dafür, dass die Kirche geöffnet ist. Aber es gibt auch Stunden, in denen niemand kommt. Verlorene Zeit sind diese Stunden der Einsamkeit dennoch nicht: Gedanken zum Tag der Offenen Kirche Kirchenhüter in der Alten Pfarrkirche zu sein, ist neu für mich und spannend. Für die  Beleuchtung sorgen, die Kronleuchter anschalten, Kerzen anzünden und anderes mehr. Dann warten. Ich habe mich auf den Besuch vieler Gäste aus nah und fern vorbereitet. Wie viele werden kommen? Ein Reisebus mit 30 Touristen? Eine Gruppe mit Fahrrädern? Spaziergänger auf dem Weg zum Mahlsdorfer Gutshaus? In den nahe gelegenen Gärten der Welt findet die Internationale Gartenausstellung statt. Am Wochenende waren viele Besucher dort, auf dem Kienberg und in der neuen Gondelanlage. Wer wird  hierher kommen und mich nach der Geschichte der Alten Pfarrkirche befragen? Ich habe mich vorbereitet, aber ein Profi bin ich nicht. Die Geschichte der Alten Pfarrkirche ist beeindruckend. Bereits eintausend vor Christus gab es Zeichen der Besiedlung, ein bronzezeitliches Urnenfeld wurde in der Nähe gefunden. Im Jahr 1250 wurde die Alte Pfarrkirche erbaut. Auf einem freien Feld wurde das Fundament mit Feldsteinen errichtet. Alles von Hand, kein Strom, keine Maschinen. Ein Haus aus Feldsteinen nur mit Kerzen beleuchtet und doch ein Treffpunkt der Gemeinde. Um1250 gab es keine Gesangsbücher, keine Orgel, keine Heizung. Ich genieße die Ruhe der Kirche, anfangs ist nur das Ticken der Turmuhr zu hören. Es ist Mai, die Vögel zwitschern. Vorn an der Hönower Straße tobt der Straßenverkehr. Man hört das Hupen der LKWs, hört die Feuerwehr, der Presslufthammer rammt sich in die Erde, die Straßenbahn quietscht, immer wieder Lärm. Dann läutet zweimal die Glocke. Es ist die Marienglocke, wie ich gelernt habe. Im Rücken sind wieder die Vögel zu hören, ein Eichelhäher. Es knackt im Bereich der alten Tür. Kommt jemand und möchte sich die Kirche ansehen? Ich warte und schaue, nein es war vielleicht die Heizung. Ich habe Zeit zu meditieren, mit Gott zu reden, zu beten. Meine Lebensuhr wird irgendwann abgelaufen sein. Die Hetzjagd des Alltags da draußen außerhalb der Kirche habe ich genügend erlebt. Man müsste sich an die Straße stellen mit einem Megaphon und rufen: „Haltet inne, gebt Ruhe liebe Leute, bedenkt euer Leben!“ Aber sie würden mich für geisteskrank halten und lachen. Irgendwie krass die Situation, wie man heute sagt:
Hinter mir die letzte Ruhestätte vieler Menschen, in der Mitte sitze ich in der Kirche als Kirchenhüter für zwei Stunden, in der 767 Jahre alten aus Feldsteinen errichteten Pfarrkirche. Auf der Straße, steht Auto an Auto, es zieht ein Strom von Menschen in Verkehrsmitteln vorbei, sie hetzen, keiner hat Zeit. Was ist wichtig? Konsum? Spaß? Auto? Arbeit? Reisen?  In der Bibel steht: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Die Kirche steht vielleicht noch in hundert Jahren, eingebaut von hohen Betonbauten, aber wir werden dann Vergangenheit sein. Wieder höre ich ein Knacken an der Tür der Kirche und schaue nach, ob Besucher kommen. Nein, die zwei Stunden sind vorbei. Keiner hat sich für eine Besichtigung der Kirche Zeit genommen. Ich bin nicht traurig darüber. Ich hatte Gelegenheit nachzudenken, zu hören und zu beten. Meine Ablösung kommt. (Dr. Regina Wiedenhaupt)

Anmerkung des Webmaster: Jedes Gemeindeglied aus den 3 Pfarrbezirken kann hier gerne mitmachen. Je mehr sich beteiligen, desto geringer ist die Belastung für jeden Einzelnen. Das könnte doch auch eine Dauereinrichtung werden. Meldung dazu bitte im Kirchenbüro. (Webmaster)