Abschiedsandacht Prediger 3,1-15

1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
2 geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
13 Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
14 Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
15 Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.

Liebe Leser*innen!
Alles hat seine Zeit. Für mich ist es Zeit, zu gehen. Bis Ende September werde ich noch Pfarrer in Mahlsdorf sein. Danach arbeite ich in einer anderen Gemeinde. Es ist jetzt Zeit für einen kurzen Rückblick...
Alles hat seine Zeit, schreibt der Prediger und schlussfolgert: 9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Das ist eine weise Schlussfolgerung. Im Deutschen bedeutet das Wort Gewinn schon immer sowohl Nutzen als auch Steigerung, Zunahme, Anstieg. Darum hat Luther schon im 16. Jahrhundert dies geschlussfolgert:
Es gibt keinen Anstieg, keine Steigerung des Lebens, es gibt nur das Leben selbst, das Gott geschaffen hat, gut und vollkommen mit allen seinen Zeiten uns zum Nutzen.
Sie haben mit mir als Pfarrer gelebt seit 2002. Es mag Steigerung gegeben haben und einiges neu hinzugekommen sein – der Kindergarten zum Beispiel, die neuen Räume im Theodor-Fliedner-Heim, die Orgel und die Glocken, die Junge Gemeinde in Mitte von 2002 bis 2013. Einiges hat aufgehört. Doch das Leben selbst braucht nicht gesteigert zu werden. Das wichtigste war: Ich durfte Menschen begleiten. Einige sind gestorben in den letzten Jahren, einige geboren. Einige weggeblieben, einige hinzugekommen. Manche sind mir ans Herz gewachsen und manche haben mir das Herz schwer gemacht. Das alles ist das Leben. Der Prediger wusste zu schreiben: Das Leben ist schön!
11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. 12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. 13 Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Ich war oft fröhlich bei allen Mühen und oft waren die Mühen, war die Arbeit selbst fröhlich. Viele haben mitgetan. Dafür sage ich herzlich Dank! So nehme ich die 19 Jahre in Mahlsdorf als Gabe Gottes und die neue Aufgabe ebenso. Ich hoffe sehr, dass auch Sie unsere gemeinsame Zeit als Gabe Gottes erinnern können und meine/n Nachfolger*in ebenso als Gabe Gottes empfangen werden. Den letzten Gottesdienst in Mahlsdorf feiern Sie mit mir am 26.09.21 um 18 Uhr im Theodor-Fliedner-Heim.
Es grüßt herzlich Pfarrer Jabs