Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 14. Juni 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Gordon Young (1919-1998)
Promenade

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 34

Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht:
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!  Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.

Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Gott des Lebens, du bist wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter. Wir hören diese Andacht, weil wir dir nahe sein wollen. Wir versuchen, deine Gegenwart zu erspüren, um etwas davon mitzunehmen in unseren Alltag.
Jesus Christus, du bist unser Bruder geworden. Von dir möchten wir etwas erfahren, was unser Leben bereichert und unseren Horizont weitet, um dir nachzufolgen.
Heiliger Geist, du bist die verbindende Kraft. Deshalb öffne unsere Ohren und unsere Herzen, damit du uns begegnest und wir Gott nahe sein können.
Amen.

Predigttext

Der Predigttext des 1. Sonntags nach Trinitatis steht in der Apostelgeschichte des Lukas im 4. Kapitel:

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.  Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte  und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Musik

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
„Schmücke dich, o liebe Seele“ BWV 654

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Manchmal trifft man einen Menschen, mit dem man sich hundertprozentig versteht.
Er interessiert sich für dieselben Dinge und teilt die eigene Meinung. Er kann über dieselben Dinge lachen und weinen.
Wenn man mit ihm etwas unternimmt oder zusammenarbeitet, dann braucht man nicht viel zu erklären, denn er kapiert sofort, worum es geht. Von ihnen sagt man: sie wären „ein Herz und eine Seele“
Es soll auch ganze Familien geben, ja sogar ganze Kirchengemeinden, die „ein Herz und eine Seele“ sind.
Diese Redensart geht auf Martin Luther zurück - genauer: auf seine Übersetzung des Neuen Testaments.
Da heißt es am Anfang unseres Predigttextes von der Jerusalemer Urgemeinde: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“
Diese Gemeinde ist damit offensichtlich zu einem Vorbild für alle christlichen Gemeinden geworden.
Entsprechend enttäuscht sind viele, wenn sie es in ihrer Gemeinde etwas anderes erleben:
Da ist es manchmal mühsam, auf einen Nenner zu kommen, und manchmal streitet man sich auch – wie es übrigens auch in den besten Familien vorkommt.
Aber zurück zur vorbildlichen Jerusalemer Gemeinde! War sie denn wirklich „ein Herz und eine Seele“?
Zwar steht es so in unserem Predigttext, aber wenn wir in der Apostelgeschichte weiterlesen dann bricht diese schöne Vorstellung wie ein Kartenhaus zusammen.
Bereits zwei Kapitel weiter hören wir zum Bei-spiel von einem handfesten Streit über die inner-gemeindliche Witwen-Versorgung.
Menschlich ist das sehr verständlich: Die Jerusalemer Urgemeinde war bunt zusammengewürfelt.
Die Gemeindeglieder stammten aus allen Ecken des römischen Reichs und aus allen sozialen Schichten – kein Wunder, dass es da nicht immer harmonisch zuging.
Diese Erkenntnis kann uns trösten – auch da-mals wurde nur mit Wasser gekocht.
Zugleich aber kann sie uns auch irritieren:
Wieso hat denn Lukas in der Apostelgeschichte geschrieben, dass sie „ein Herz und eine Seele“ waren? Hat er da nicht übertrieben?
Nein, das hat er nicht.
Das Problem liegt woanders:
Wir verstehen die Redewendung „ein Herz und eine Seele“ heute nicht so, wie sie ursprünglich gemeint war.
Nach Luthers Bibelübersetzung hat sie sich verselbständigt und von ihrem ursprünglichen Sinn entfernt.
Wir verbinden mit dieser Redensart heute eine Ideal-vorstellung von Gemeinschaft, die unerreichbar ist.
Die ursprüngliche Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang des Textes.
Zwei Dinge werden da von der Jerusalemer Urgemeinde gesagt:
Erstens betrachteten die Gemeindeglieder ihr Privat-eigentum als gemeinsames Eigentum, und zweitens bezeugten die Apostel Jesu Auferstehung „mit großer Kraft“ und große Gnade war bei ihnen allen.
Auf den ersten Blick scheint beides nicht viel miteinander zu tun zu haben.
Wir hören die Sache mit dem gemeinsamen Eigentum besonders aufmerksam, weil das so bemerkenswert und ungewöhnlich ist.
Die Sache mit dem Zeugnis von der Auferstehung überhören wir schnell, weil uns das als selbstverständlich vorkommt.
Doch eigentlich wissen wir doch ebenso wie die Jerusalemer Urgemeindedamals:
Das Evangelium vom Sieg Christi über den Tod ist viel wichtiger als unser vergänglicher Besitz.
Diese Überzeugung ist es, die alle Christen eint.
Und genau diesen gemeinsamen Glauben meint hier der Begriff „ein Herz und eine Seele“ – trotz aller Unterschiede und Reibereien, die in einer Gemeinde auftreten können.
Christen sind nicht unbedingt immer „ein Herz und eine Seele“ aber sie stimmen darin überein, dass Gott und sein Evangelium am Wichtigsten ist;
Geld und Gut dagegen sind weniger wichtig.
Schauen wir uns dieses Wichtigste jetzt an:
Da heißt es: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.“
„Dynamis“ steht da im Urtext für diese große Kraft. Diese Kraft hat ihren Ursprung im Tod und in der Auferstehung von Jesus Christus.
Damals wie heute sind der Tod und die Auferstehung Jesu das Zentrum aller christlichen Verkündigung.
In dieser Hinsicht sind Christen „ein Herz und eine Seele“.
Diese frohe Botschaft ist das Herzstück des einen Glaubens, den wir Sonntag für Sonntag bekennen.
Soweit das Wichtigste, das Evangelium.
Das weniger Wichtige wollen wir nun aber nicht unter den Teppich kehren.
Geld und Gut sind zwar nicht so wichtig in der christlichen Gemeinde, aber sie sind auch nicht ganz unwichtig.
Das können wir schon daran erkennen, dass unser Predigttext auch darüber ausführlich Auskunft gibt.
Da heißt es von den ersten Jerusalemer Christen: „Auch nicht einer von ihnen sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, es war ihnen alles gemeinsam.“ Manche wollen hier die Wurzel des Kommunismus erkennen, aber davon steht gar nichts da.
Die ersten Christen in Jerusalem besaßen weiterhin Privateigentum, aber sie sagten nicht egoistisch:  „Das ist meins!“
Vielmehr stellten sie es den Aposteln und der ganzen Gemeinde zur Verfügung, damit es für diejenigen von Nutzen war, die es gerade am nötigsten hatten.
Sie taten das aus ihrer Nächstenliebe heraus.
Für sie hatte das Geld keinen Selbstwert.  Es war einfach nur ein Mittel zum Zweck, um Gutes zu tun.
Wenn wir diese Einstellung bei uns weiterentwickeln wollen, dann finden wir mit dem Beispiel der Jerusalemer Christen einen guten Rat:
Sie taten einfach so, als wäre ihr Eigentum gar nicht ihr Eigentum, sondern als wäre es ihnen von Gott nur leihweise zur Verfügung gestellt, um damit Gutes zu tun.
Die letzten beiden Verse des Predigttextes machen es uns anschaulich, wie sich solche Ein-stellung zu Geld und Gut damals praktisch auswirkte.

Am Ende erfahren wir beispielhaft den Namen eines Mannes, der seinen Acker zugunsten der Jerusalemer Gemeinde verkaufte: Josef genannt Barnabas.
Er wird nicht deshalb besonders erwähnt, weil sein Grundstück so wertvoll war, sondern des-halb, weil er im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte besonders in Erscheinung tritt. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinde in Antiochien, und holte später den Apostel Paulus dorthin.
Er war es auch, der Paulus auf seiner ersten Missionsreise in Kleinasien begleitete.
Die beiden sind sich einmal furchtbar in die Haare geraten, aber letztlich waren sie doch „ein Herz und eine Seele“ – im ursprünglichen biblischen Sinn. Denn beiden lag es am Herzen, dass das Evangelium vom Tod und von der Auferstehung Jesu verkündigt wird.
Und das ist das Wichtigste; alles andere ist nicht so wichtig.
Amen.

Fürbittengebet

Lasset und beten:

Herr Jesus Christus, wir tragen deinen Namen! 
Doch woran erkennt man uns?
Wir möchten mehr in Liebe miteinander umgehen
Wir möchten dich wiederfinden im leidenden Mitmenschen;
Wir möchten uns gegenseitig annehmen können;
Wir möchten Vergebung üben können –
Ja, wir möchten deinem Namen – unserem Namen – Ehre machen.
Aber wir entdecken immer wieder unser Unvermögen; wir verschließen uns vor unserm Nächsten, der Liebe erwartet; wir sind gefangen in unsern Vorurteilen.
Deshalb sind wir dir so dankbar, dass du uns ohne Vorbehalte gelten lässt und annimmst.
Gib uns mehr Mut, uns deiner Liebe auszuliefern.
Gib uns Mut, in unsern Erfolgen und Plänen, in unsern Konflikten und Enttäuschungen von dir her zu denken.
Mit deiner Hilfe lass es uns gelingen, dass Liebe nicht nur ein hohles Wort bleibt.
Durch uns möchte deine Liebe erfahrbar werden für alle, die misstrauisch und entmutigt sind; die Entbehrungen und Leiden ertragen; die Frieden und Klarheit suchen.
Herr, wir bitten dich für alle Menschen, denen ihre Hoffnungen jäh zerstört und ihre Wünsche durchkreuzt sind.
Bewahre sie vor Verzweiflung und zeige ihnen den Weg, den sie gehen können.
Sei den Kranken, Trauernden und Sterbenden nah und gib, dass sie sich in deinem Frieden geborgen wissen. Zeige uns, wo wir beistehen können.
In der Stille nennen wir dir die Namen der Menschen, die uns am Herzen liegen.

-Stille –

Und nun wollen wir getrost in die neue Woche gehen.
Hilf, dass wir, wenn die Dinge schwierig werden, getrost sagen können: „Herr, dies ist dein Tag – wir gehören zu dir!“
Herr des Lebens, hilf uns zu leben.
Lasst uns gemeinsam beten wie Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.  Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Léon Boëllmann (1862-1897)
Carillon


Kollekte

14. Juni 2020 – 1. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pf. Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 14. Juni 2020