Andacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis am 23. August 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: M. Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfn. i.R. Rotraut Seimert
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge in e-Moll, BWV 555

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,  der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm

 

Tagesgebet

 

Predigttext

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Musik

Denis Bedard (*1950)
Communion sur „Lauda Sion“

Predigt

„Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“

Liebe Gemeinde,

Sie wundern sich vielleicht, dass ich heute auf die Kanzel gestiegen bin, was ich ansonsten nur Heiligabend oder an Sonntagen, wo die Kirche voll ist, tue. Von oben herab etwas sagen, ist ein wenig wie abkanzeln, Srafpredigt halten, aber das soll keineswegs geschehen.
Ich will mich auch nicht selbst erhöhen,denn ich habe das Evangelium im Ohr:“Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.“
Das Wort „Kanzel“ kommt aus dem Lateinischen: cancer und bedeutet Gitter oder Schranke.
Eine Distanz zwischen Geistlichkeit und Gemeinde sollte  angezeigt werden. Heute ist das anders, aber oftmals fragen Besucher oder Kinder :Darf ich denn mal auf die Kanzel? Und manche finden das auch heute noch nicht gut, wenn „Unbefugte“ auf die Kanzel gehen.
Es ist auch noch nicht lange her, dass das Kanzelrecht  in der lutherischen und unierten Kirche den reformierten Kirchen erlaubt wurde und umgekehrt, festgelegt in der Leuenberger Konkordie von 1973.
Die Kanzel als Lehrstuhl gab es bestimmt schon vor der Reformation, aber mit der Reformation und  dem evangelischen Kirchenbau (zuerst in Torgau) erhielt die Kanzel neben Altar und Taufstein einen zentralen Platz. Das Wort, die Predigt, wurde Mittelpunkt des Gottesdienstes.
Unser Mahlsdorf hatte mit Lampert und Chrstian Distelmeyer evangelische Patronatsherren. Aber in dieser Zeit gab es wahrschrinlich noch keine Kanzel.Diese wurde von einem Enkel Lampert Distelmeyers, nämlich von Johann Kötteritz d.J. in Auftrag gegeben. Leider starb er schon 1619, so dass er die Einweihung 1620 nicht mehr erlebte. Also, es ist 400 Jahre her, dass diese Kanzel fertig gestellt wurde und der Grund, warum ich heute auf dieser Kanzel stehe. Zwar ist es nicht genau der heutige Tag, an dem die Kanzel in Dienst genommen wurde von Pfarrer Simon Jahne, wahrscheinlich in Anwesenheit von Mitgliedern der Familie Kötteritz und des Patronatsherren Jakob von Pfuel d.J., der seit 1619 Mahlsdorf besaß.
Am 12.Juli 1620. also ziemlich zeitnah vor 400 Jahren, erfolgte die erste Predigt von dieser Kanzel.
Ich könnte mir vorstellen, dass Pfarrer Simon Jahne die Symbolik der Kanzel erklärt hat. Darauf möchte auch ich heute hinweisen.
Am Kanzelkorb erkennen wir 4 Personen, und da ihre Namen darunter stehen, wissen wie also, um wen es sich handelt. Es sind die 4 Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Weniger erkennbar sind vielleicht die geflügelten Symbole, die ihnen beigefügt sind. Diese Symbolik finden wir bei allen Evangelistendarstellungen. Sie geht zurück auf den Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert, der die Symbole aus Ezechiel (Hesekiel) 1 und der Offenbarung abgeleitet hat.
Es gab mehrere Deutungen, aber die von Hieronymus hat sich durchgesetzt. Sie bezieht sich jeweils  auf den Anfang des Evangeliums. Das Symbol für Matthäus ist ein geflügelter Mensch,  kein Engel.
Hieronymus sagt: Matthäus ist ein Mensch, der wie über einen Menschen zu schreiben beginnt. Das Matthäusevangelium beginnt mit dem Stammbaum Jesu.
Markus hat den Löwen als Attribut. Nach Hieronymus der brüllende Löwe, der in der Wüste zu hören ist: „Bereitet dem Herrn den Weg.“ Lukas hat den Stier als Zeichen. Hieronymus nimmt Bezug auf den Priester Zacharias, den das Los traf, ein Räucheropfer darzubringen – oftmals ein Stier. Bei Johannes ist es der Adler. Die Schwingen des Adlers steigen in die Höhe. Das Wort kann im höheren Sinne erörtert werden.
Die 4 Evangelisten sind aber auch in die Symbolik der Zahl 4 einzuordnen – 4 als Zahl der Welt.
So ist die Universalität der Christusbotschaft gemeint, von der die Evangelisten berichten.
Ursprünglich stand unsere Kanzel nicht an dieser Stelle und hatte noch eine 5.Person, die auf dem Kanzelkorb dargestellt war, nämlich Mose. Sein Bild ist dem Kohleofen zum Opfer gefallen. Heute ist eine Inschrift angebracht, die darauf hinweist. Ganz sicher war Mose mit den Gebotstafeln dargestellt. Sie sind ebenfalls ein Hinweis auf das Wort Gottes, auf das wir hören sollen.
Die Kanzel ist nicht nur ein Verkündigungsort, sondern mit ihren Darstellungen selbst Verkündigung. Das zeigt weiterhin das Spruchband am unteren Rand des Kanzel – oder Schalldeckels: „ Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ Dieses Wort ist der Offenbarung entnommen. In Kapitel 2 und 3 finden wir sieben Sendschreiben an Gemeinden in Kleinasien: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea. Und jeder Gemeinde wird am Schluss des Schreibens gesagt: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Wer auch immer das Konzept für diese unsere Kanzel entworfen hat, dem war die Botschaft auch für die Mahlsdorfer Gemeinde wichtig: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ Und die Botschaft hat sich nicht verändert, sondern gilt auch heute ganz genauso.
Die Gemeinde schließt PfarrerInnen mit ein.So verstehe ich das Wort auch an die VerkündigerInnen. Das verkündigte Wort soll vom Geist Gottes durchdrungen sein, die Person ist nicht wichtig, aber sie soll glaubwürdig und aus dem eigenen Glauben heraus die Botschaft weitergeben. Für VerkündigerInnen und Gemeinde gilt: zu hören bereit sein, aufnahmebereit für das Wort der Schrift und für seine Auslegung. - 
Ohren sind den meisten Menschen gegeben. Ein Teil der Menschheit ist taub, kann Worte nicht hören. Und doch können sie Ohren haben, die hören. Was gemeint ist, ist doch dieses: Es kommt nicht auf akustische Signale an, die ich wahrnehme. Vor denen kann ich meine Ohren verschließen oder verstopfen. Es kommt auf meine innere Bereitschaft an, Gottes Wort aufzunehmen.
Nicht umsonst wird in einigen Gesangbuchliedern die Bite ausgesprochen:“Öffne mir Herz und Ohr.“
Zum Verkündigungskonzept unserer Kanzel gehört noch ein weiteres Symbol. Den krönenden Abschluss des Kanzel – oder Schalldeckels bildet ein Pelikan mit 3 Jungen. Vielleicht ist es das wichtigste Verkündigungssymbol unserer Kanzel. Der Pelikan steht für Jesus Christus und seinem Opfertod und für das Abendmahl. Jesus Christus verkörpert die Liebe Gottes und in dieser Liebe sind wir besonders miteinamder verbunden, wenn wie Abendmahl feiern.
Aber warum der Pelikan? Es gibt eine frühchristliche Naturlehre des 2. - 4. Jahrhundert, Physiologus genannt. Darin werden u.a. Tiere erklärt, auf die Bibel bezogen und allegorisch ausgelegt. So zitiere ich den Physiologus über den Pelikan;“Der heilige Prophet David singt: Ich gleiche einem Pelikan in der Wüste. Der Physiologus erzählte vom Pelikan, dass er seine Kinder sehr liebt. Wenn er seine Jungen gebiert, schlagen sie, sobald sie ein wenig herangewachsen sind ihren Eltern ins Gesicht. Die Eltern aber schlagen sie wieder und töten sie. Später jedoch erbarmen sich die Eltern , und nachdem sie drei Tage lang die Kinder, welche sie getötet, betrauert haben, so kommt nach dem dritten Tage die Mutter und öffnet ihre Seite und träufelt ihr Blut auf die toten Leiber der Jungen und erweckt sie.
So spricht unser Herr auch bei dem Propheten Jesaias: Ich habe Söhne erzeugt und erhöhet, sie aber sind von mir abgefallen. - Der Schöpfer hat uns erzeugt und wir haben ihn geschlagen, wir haben dem Geschöpfe gedient gegen den Schöpfer. Er kam nun zu der Höhe des Kreuzes, öffnete seine Seite und träufelte Blut und Wasser zur Erlösung und zum ewigen Leben, das Blut darum, weil er sprach: Er nahm den Kelch und dankte, das Wasser aber wegen der Taufe der Buße.“
Vielleicht hat man die Deutung aus der Naturbeobachtung abgeleitet, denn bei Kehlkopfpelikanen wird das Gefieder in der Brutzeit im Kehlkopfbereich rot.
Heute ist mir die Kanzel vielleicht mehr zum Lehrstuhl geworden, aber dafür war uns die Kanzel selbst ein Stück Verkündigung.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.
Amen.

Fürbittengebet

Lasset und beten:
 

Gemeinsam wollen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Denis Bedard (*1950)
Dialogue sur „Te Deum“


Kollekte

23. August 2020 – 11. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfn. i.R. Rotraut Seimert

Datum: 
Sonntag, 23. August 2020