Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis am 30. August 2020

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Diese Andacht ist vorerst die letzte Internet-Andacht unserer Kirchengemeinde. Die Kirchen sind wieder regelmäßig sonntags geöffnet, wobei weiter die Beschränkungen wegen Corona gelten. 

 

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

 

Glockengeläut

Orgelvorspiel

L.J.A. Lefébure-Wély (1817-1869)
Marche in F-Dur

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 147

Lobet den HERRN!
Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.
Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unermesslich ist seine Weisheit.
Der HERR richtet die Elenden auf
und stößt die Frevler zu Boden.
Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Herr, unser Gott, du rufst uns in deine Gemeinde: Du willst in unsere Mitte kommen. Du willst uns in Bewegung bringen.
Wir bitten dich: Gib, dass wir offen werden für deine frohe Botschaft, dass wir uns ansprechen lassen von deinem Wort, dass wir uns neu machen lassen durch deine Vergebung, dass wir uns ermutigen lassen durch deinen Geist; der mit dir und deinem Sohn, unserem Herrn und Bruder, Jesus Christus, lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen..

Predigttext

Der Predigttext des 12. Sonntags nach Trinitatis steht im 1. Korintherbrief im 3. Kapitel (V.9—15):

Der Apostel Paulus schreibt:

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf.
Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden.
Der Tag des Gerichts wird's klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren.
Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
 

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott  den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Musik

J.G. Walther(1684-1748)
„Herzlich tut mich verlangen“

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!
Korinth im Jahre 54. Die Gemeinde ist zerstritten.
Die Gemeindeglieder plagt die Frage:
Zu wem soll ich mich halten?
Zu Paulus oder Apollos oder zu Kephas.
Sie beginnen ihnen nachzurennen: dem hochbegabten Appollos, dem menschlich so nahen Petrus, dem unbedingten, klaren Paulus.
Doch wo die Konkurrenz beginnt ist der Konkurs nicht weit.
Wo einst die Einmütigkeit herrschte hat nun die Spaltung begonnen.
Die einen grenzen sich gegenüber den anderen ab.
Eine lebendige Gemeinde wird dadurch gelähmt.
Das beunruhigt Paulus zutiefst.
Deshalb schreibt er diese Zeilen an die Gemeinde, die er selbst gegründet hat. Und er fragt die aufgebrachten Menschen: Wer ist Apollos? Wer ist Paulus? DIENER sind sie. Gottes Mitarbeiter.
Und er ruft den Gemeindegliedern zu:
Ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
Ihr gehört nicht zu Menschen, die ihr für begabt oder überdurchschnittlich haltet -  ihr gehört zu Gott!
Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Hausbau
Da wird ein Haus zunächst auf einem festen Fundament aufgerichtet. Die Mauern können aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt sein.
Dieses Bild überträgt Paulus auf die Gemeinde.
Er spricht nicht von einem x—beliebigen Bauwerk, sondern von dem Gemeindebau und davon, was man tun kann, damit viele dazukommen, mitmachen und auch dabei bleiben. Das Stichwort dafür, was Paulus meint,  heißt heute „Gemeindeaufbau“.
Und wenn wir ehrlich sind, ähneln sich die Probleme von damals und heute.
Aber kann uns Paulus bei unseren heutigen Anstrengungen für den Gemeindeaufbau – oder eben auch bei Konflikten - helfen?
Im Gemeindekirchenrat und auch in sonstigen Zusammenkünften werden immer wieder neue Pläne entwickelt – sehr unterschiedliche.
Die einen ganz konkret zu Aufgaben und Veranstaltungen.
Andere mehr als Ideenkonferenz.
Da wird etwas straff durchorganisiert – dort geht es eher lockerer und familiärer zu.
Dort bauen sogenannte Profis am Haus, am anderen baut eine bunte Familie mit der ganzen Verwandtschaft je nach Lust und Begabung am Eigenheim Gemeinde mit.
Es gibt also die unterschiedlichsten Möglichkeiten, eine Gemeinde gemeinsam zu „erbauen“.
Aber was wollen wir eigentlich damit bezwecken? Aus welchen Gründen entwickeln wir solche Strategien?
Geht es nur um die fehlenden Besucher oder das fehlende Geld? 
Oder geht es – wenn wir ehrlich sind - nicht auch manchmal um die Selbstdarstellung von Menschen statt um die Verherrlichung unseres Herrn?
Nicht ich - Paulus fragt uns so! Er macht auf eine traurige Entwicklung in Korinth aufmerksam.
Gegen diese Entwicklung ruft er die Gemeinde zur Besinnung auf: Vergesst das wesentliche nicht!
Ich glaube, wir müssen nicht verständnislos den Kopf schütteln.
Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! Sind wir wirklich so weit von den damaligen Verhältnissen entfernt?
Auch wenn sich das – hoffentlich – nicht an Personen festmacht, so gibt es doch sehr unterschiedliche Meinungen darüber, was jetzt in der Gemeinde wichtig ist.  Was soll unter uns gelten?
Warum gibt es uns als Gemeinde an dieses Ort?
Auch unser Leitbild der Gemeinde, ein Haus der lebendigen Steine -  ist unklar!
Deshalb ist es gut, dass wir uns immer wieder austauschen über unsere Vorstellungen von Gemeinde.
Aber sollte unsere unterschiedliche Sicht der Dinge uns spalten? Das können wir uns gar nicht leisten! Denn dann würde es traurig in unserer Gemeinde aussehen.
Dann wäre es kein Wunder wenn Außenstehende über unser innerkirchliches Gezänk nur verständnislos den Kopf schütteln oder sich enttäuscht von der Gemeinde abwenden.
Paulus macht auf diese Gefahren aufmerksam.
Er sagt ganz eindeutig: Durch solche Streitereien oder Richtungskämpfe droht uns der Grund verloren zu gehen, auf dem wir stehen.
Wir verlieren das Fundament Jesus Christus.
Und er weist uns auch einen Weg:
Die Probleme kennen wir;
Lasst uns doch danach fragen, worin wir uns einig sind! Ich weiß, die Antwort wird schwer fallen.
Aber eines müsste doch unter uns als Christen feststehen: “Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus!“
Sind wir darin einig? Oder doch nicht?
Verstehen wir alle womöglich sehr Unterschiedliches wenn wir uns auf Jesus Christus berufen?
Wenn wir uns aber darin  einig sind, dann können wir uns auch gemeinsam auf den Weg machen und einen zweiten Schritt gehen.
Wenn das Fundament steht, können wir Ausschau halten nach den Baumaterialien.
Vielleicht vergessen wir das heute zu sehr.
Wir sehen gebannt auf die kleiner werdende Zahl von hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeitern, ohne auf die Gaben zu sehen, die in einer Gemeinde schlummern.
Und jetzt könnten Sie alle eigentlich einen Zettel nehmen — oder wenigstens überlegen, was sie selbst für Fähigkeiten haben.
Keine Angst, sie müssen dabei nicht angeben.
Vielleicht macht der eine die Erfahrung, kaum etwas Glänzenden wie Gold nennen zu können, anderen fällt eine Menge dazu ein. 
Wichtig ist: Jeder kann mittun!
Niemand ist zu gering oder muss von sich behaupten, er hätte keine Fähigkeiten.
Er könnte nichts Derartiges einsetzen.
Paulus macht uns Mut, mit den uns gegebenen unterschiedlichen Gaben an dem Haus Gemeinde mitzubauen, denn dieses Bauwerk ist nie zu Ende.
Der Bau ist immer ein bewegtes und bewegendes Geschehen, das immer über die Gegenwart oder den engen Raum hinausweist.
Denn was auf dem Fundament weitergebaut wird, ist danach zu beurteilen, ob es Jesus Christus, das Fundament, in der Welt angemessen repräsentiert.
Doch dann dieser bedrohliche Satz:
„Der Tag des Gerichts wird’s klar machen.“
Was sich so bedrohlich anhört hat auch eine befreiende Botschaft.
Ob das, was wir bauen – gut oder schlecht ist – wird sich erst am Ende der Zeit zeigen!
Die Baumaterialien werden erst im Feuer des Gerichts mehr oder weniger standhalten.
Aber erst dort!
Entscheidens ist allein, dass unser Bauen dem Fundament entspricht.
Darin besteht unsere Verantwortung als Mitarbeiter.
Man kann zwar rasch und einfach bauen, sich von den “Äußeren Zwängen“ leiten lassen, aber es kann sein, dass es dann im Gericht nicht hält, sondern durchs Feuer zugrunde geht.
Die Frage nach Erfolg und Misserfolg bleibt bis dahin offen. 
Zugleich ist uns damit verwehrt zu sagen:
Dies oder das ist das einzig richtige!
Was sich bewährt wird sich erst noch entscheiden. Wir können vorher nur vorsichtig prüfen und das Gute behalten.
Vielleicht scheint ihnen das alles etwas schwierig zu sein.
Doch eins macht mir Mut:
Jesus Christus, das Fundament, wird als Retter kommen und nicht als Zerstörer.
Wir werden gerettet werden!
Das ist die frohe Botschaft des Paulus!
Im Gericht werden nur die Werke beurteilt, wir selbst werden gerettet werden!
Ich glaube, wir können eine ganze Menge von Paulus für unsere Gemeinde lernen.
Jeder von uns sieht sie anders und sagt:
„So sehe ich das!“ Kein Wunder, dass es Streit gibt:
Wer sieht es denn nun richtig?
Lassen sie uns nicht  zu sehr auf das sehen, was der andere nicht richtig sieht.
Wir sollten uns vielmehr fragen: Was verbindet uns, worin sind wir uns einig?
In dem Fundament Jesus Christus!
Neben vielem anderen heißt das dann auch:
Lasst uns wieder entdecken, was wir am anderen und bei uns selbst wertschätzen können. 
Denn wir sind Gottes Kinder, die anderen aber auch!
Wir leisten einen Beitrag, dass Gott lebendig wird unter uns, die anderen aber auch!
Unterschiede werden bleiben — die verschiedenen Baumaterialien.
Was im Angesicht Gottes  bestehen bleibt wissen wir nicht. Das Urteil steht noch aus.
Deshalb die Bitte: Bringen Sie ihre Fähigkeiten ein! Und bedenken Sie: Vielleicht ist das, was der andere denkt und tut, doch wichtig und richtig!
Zwei Sätze zum Schluss:
Nichts ist egal! Und
Man kann nicht vom Lob der Menschen leben, aber auch nicht am Tadel der Menschen sterben!
Amen.

Fürbittengebet

Lasset und beten:

Herr, unser Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, damit er mitten unter uns sei. Dafür danken wir dir. Gib, dass wir ihn erkennen, gib, dass wir ihm begegnen - in Zeichen und Wundern, die er unter uns wirkt.
Wo Menschen sein Wort weitergeben; wo Menschen in seinem Namen handeln; wo Menschen seine Liebe weiterschenken, zum Glauben ermutigen und Hoffnung eröffnen.
Wir bitten dich für alle, die gelähmt und unbeweglich sind, weil sie unter einer schweren Krankheit leiden, weil sie vom Leben enttäuscht worden sind, weil sie nicht mehr weiter wissen.
Wir bitten dich für alle Menschen, die um einen lieben Angehörigen trauern. Lass sie den Trost erfahren, den du uns durch den Glauben an die Auferstehung schenkst.
Wir bitten dich für uns selbst, die wir uns oft genug nicht mehr von der Stelle wagen, weil wir Angst haben, weil wir unser Vertrauen nur noch in uns selbst und nicht mehr in dich setzen.
Wir bitten dich für deine Kirche, dass sie ein Zeichen deiner strahlenden Herrschaft wird und nicht zerrissen ist durch Probleme, Meinungen, Streit, durch viele Richtungen, von denen uns manche zuwider sind.
Wir bitten dich für alle, die in den Gemeinden Verantwortung tragen: für die Gemeindekirchenräte und Mitarbeiter.
Wir bitten dich aber auch für die Gruppen und anderen Kirchen, die uns so fremd erscheinen, weil sie unter anderen Problemen leiden oder weil sie in anderen Erdteilen zu Hause sind.
Gib uns allen offene Augen und Ohren und einen wachen Geist, dass wir einander wahrnehmen und nicht voreilig richten.
Du hast Geduld. Dein Wort soll das letzte sein, das gilt.

Gemeinsam wollen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Théodore Dubois (1837-1924)
Sortie-Fughetta


Kollekte

30. August 2020 – 12. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 30. August 2020