Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis am 21. Juni.2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Matthias Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Jabs
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Alexandre Guilmant (1837-1911)
Communion

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hlg. Geistes.
Amen

Psalm 36,6-10

6 Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
       und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes / und dein Recht wie die große Tiefe.
        Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
8 Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
        dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
9 Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
        und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
        und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Predigttext: Mt 11,25-30

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Orgelmusik

Theodore Dubois (1837-1924)
Èlevation ou communion

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!
Jesus empfiehlt: 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Ich erzähle Ihnen von einer Mühseligen: Eine Frau lebt mit ihren Kindern von Hartz 4. Das Arbeitsamt bezahlt die Miete. Von ihren vier Kindern sind zwei erwachsen. Zwei gehen noch zur Schule. Sie wohnen mit der Mutter in einer geräumigen Dreizimmerwohnung.
Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer. Die Frau schläft auf dem Sofa, wie alle Jahre seit sie Kinder hat.
Jetzt wollte sie auch ein eigenes Zimmer, endlich ein eigenes, richtiges Bett, einen Ort zum Pause machen.
Jetzt will sie endlich den Stress unterbrechen, sich auch zurückziehen können. Also hat sie sich aufgemacht. Fand eine Vierzimmerwohnung, die weniger Quadratmeter hat als ihre Jetzige und 70,-€ weniger Miete kostet – jeden Monat.
Mit einem Unterstützungsschreiben der Wohnungsgesellschaft ging sie zum Arbeitsamt und beantragte die Kostenübernahme. Sie erhielt eine Absage. Die Begründung: Drei Personen stünden nur 3 Zimmer zu – nicht vier.
Was soll diese Frau tun?
Zu Jesus gehen, sage ich, also beten und singen soll diese Frau!
Ich berufe mich auf das heutige Evangelium und auf viele Erfahrungen. Eine solche Erfahrung ist das Singen im Kirchenchor. Die meisten, die das tun wissen: es ist eine willkommene Abwechslung, eine Unterbrechung des Alltags, des Lebens, der Arbeit, der Sorgen, der Gedanken, der Rückenschmerzen oder was sonst weh tut. Es ist eine Unterbrechung, die Menschen Erholung schenkt.

Genau das hatte Jesus versprochen, nicht mehr, nicht weniger. Als er sagte: Ich will euch erquicken, meinte er: Ich will eure Situation unterbrechen. Eure Unmündigkeit als Antragsteller, eure Sprachlosigkeit als Leidende, euren Stress im Arbeitsamt, Eure Einsamkeit während Corona. Kommt her zu mir, ich werde diese Situation unterbrechen. So erquicke ich Euch. Folgerichtig beginnt unser Evangelium mit einem Lied, einem Gebet zum Lob Gottes.

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.
Darum auch soll die arbeitslose Frau singen oder beten. Eine Unterbrechung ihrer Situation, eine Pause im Stress zu Hause und mit dem Arbeitsamt.
Erquicken eben.
Davon hat sie noch nicht ihre Vierzimmerwohnung. Doch den Stress zu unterbrechen, einen Ort, eine Zeit zum Entspannen zu finden, dieser Wunsch kann für kurze Zeit erfüllt werden, wenn sie singt, wenn sie betet.
Darum sind wir regelmäßig im Gottesdienst und darum fehlt uns das Singen in dieser Zeit so sehr. Der Gottesdienst unterbricht unseren Alltag mit Singen und Beten - ja sogar dann, wenn wir es zu Hause vor dem Fernseher tun.
Was hülfe das nun der Frau, die auf der Couch schläft?

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Sie legte für eine halbe Stunde und vor und nach Corona eine ganze Stunde lang das alltägliche Joch ab. Das tun wir, wenn wir Gottesdienst feiern. Die einen legen ein leichtes Joch ab, andere ein Schweres. Sie nehmen das Joch auf sich, Gott zu loben in Gebet und Musik, egal wie es gerade im persönlichen Leben steht.
Jesus meinte, sein Joch, Gott zu loben, sein Joch wäre wie eine Salbe. Es ist leicht und macht manches leichter. Es unterbricht den Stress und löst Verspannungen.
Die Frau, die umziehen will, würde schwere Möbel tragen und hätte Rückenschmerzen. Dann nähme sie eine Salbe. Diese Salbe trüge ihr nicht die Möbel. Doch ohne die Salbe könnte auch Sie kein Möbelstück mehr bewegen. Darum tun es viele, wenn der Rücken schmerzt, dann nehmen wir die richtige Salbe. Sie lindert unsere Schmerzen, löst Verspannungen und macht uns fähig unsere Lasten zu tragen und Probleme zu lösen. Und wer ganz vorbildlich ist, der geht dann zur Rückenschule.
So ist es auch mit dem Joch Jesu, mit dem Aufruf Gott zu loben mit Beten und Singen.
Darum sollte die Frau es tun. Es ist das Geschenk der Pause vom Stress, Erquickung. Es lindert die Schmerzen der persönlichen Not und löst die Fixierung auf immer dieselben Gedanken. Es stärkt mit neuer Kraft, die Probleme selbst in die Hand zu nehmen und stellt in eine Gemeinschaft, in der auch andere mit Ihren Gedanken und Taten helfen.
Aus Menschen in auswegloser Lage können Menschen werden mit Hoffnung und Mut ihre Probleme gemeinsam zu lösen. Wie Jesus oft genug gesagt hat, wenn ein Mensch heil wurde: Dein Glaube hat dir geholfen.
Und ganz am Rande bemerkt, vielleicht treffen sich ja die Frau mit den vier Kindern und Ihre Sachbearbeiterin aus dem Arbeitsamt in der Kirche. Ich jedenfalls empfehle es beiden und allen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung.
So können wir gemeinsam die Sprachlosigkeit beenden und in Jesu Geist der Liebe menschliche Lösungen finden.
Aus geplagten und verspannten Gesetzgebern werden erquickte Menschen, die Gesetze finden, die Spannungen der Gesellschaft zu lösen oder zu lindern.
In diesem Sinne lasst uns heute gemeinsam beten zum Lobe Gottes und zu Hause singen und uns hier wieder treffen an einem der nächsten Sonntage. Lasst uns alle unsere Mühsal unterbrechen und unsere Last im Gebet ablegen für diese kurze Zeit. Dann werden wir auch Wege finden, die anderen Stunden und Tage zu bessern.

Amen

Und der Friede Gottes der höher ist alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Gebet

Gott, vor dir stehen wir mit unseren Gedanken, Fragen und Sorgen.
Wir hören dein Wort:
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken.
Wir bitten dich für alle Menschen, die unter Gewalt und Armut leiden,
für Frauen und Kinder auf der Flucht vor roher Gewalt, für Männer im Krieg,
Wir bitten dich für Menschen, die sich Panzern entgegenstellen, wehrlos,
mit nichts als ihrer Verzweiflung, die dem verwundeten Feind helfen, und Frieden machen.
für alle, die gezwungen werden, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben oder zu arbeiten.
Wir hören dein Wort:
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken.
Wir bitten dich für unsere Brüder und Schwestern, die krank sind an Leib oder Seele.
Manche sind vom Schmerz zermürbt, zu müde und leer, um dir zu klagen.
Unterbrich Ihre Schmerzen, ihre Sorgen, ihre Verzweiflung immer wieder.
Wir hören dein Wort:
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken.
Wir bitten dich für unser Dorf /unsere Stadt und unsere Gemeinde:
Sei du unter uns. In unseren Gottesdiensten und in unserer Gemeinde.
Gib Gelingen aller Arbeit in den Büros und Schulen, in den Häusern und Familien, in den Fabriken und auf den Feldern. Denn du willst allen ein Leben in Fülle schenken.
Wir hören dein Wort:
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken.

So beten wir gemeinsam mit deinen Worten:

Vaterunser

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

Orgel

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
„Jesu bleibet meine Freude"


Kollekte

21. Juni 2020 – 2. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 21. Juni 2020