Andacht zum 4. Sonntag nach Trinitatis am 5. Juli 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium C-Dur, BWV 531

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
​Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,  der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 42

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Gott des Lebens, im Aufgang der Sonne am Morgen begrüßt du uns.
Mit der Abenddämmerung erinnerst du uns an das Ende des Tages.
So gehst du mit uns durch jeden Tag, durch die schönen und durch die schlimmen.
Ich glaube, Gott, es ist dir wichtig, dass wir im Alltag daran denken, dass du uns begleitest.
Denn dich interessiert unser Leben, weil du teilhaben willst an unseren Freuden und Sorgen, weil du mit uns lachen und weinen willst. Das ist dein Bund mit uns.
Darauf können wir uns verlassen. Danke, Gott, dass du da bist.
Amen.

Predigttext

Der Predigttext des 4. Sonntags nach Trinitatis steht im Römerbrief des Apostels Paulus im 12. Kapitel:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.
«Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken.
Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott  den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Orgelmusik

Johann Sebastian Bach
Choralvorspiel über „Allein Gott in der Höh sei Ehr" BWV 711

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde zu Hause an den Endgeräten,
Der Klügere gibt nach - wie oft haben Sie diesen Spruch als Kind gehört?
Der Klügere gibt nach - so sind wohl die meisten von uns erzogen.
Dahinter steht der moralische Grundsatz:  Es ist besser, nachzugeben, als in Unfrieden mit seinen Mitmenschen zu leben. Nachgeben um des lieben Friedens willen.
Wie geht es Ihnen in solchen Situationen, in denen Sie zurückstecken, bloß damit Ruhe ist?
Fühlen Sie sich wirklich gut damit oder entsteht da eher das Gefühl, dass man's mit Ihnen ja machen kann?
Den gleichen Ratschlag gibt uns ja Paulus: „Lasst euch nicht vom Bösen überwinden!“
Ja, das Böse soll nicht siegen.  Wir geben auch dem Apostel Recht.
Aber ist das am Ende nicht eine Selbstverständlichkeit, eine Binsenweisheit? 
Natürlich wollen wir das Gute. Und doch nehmen die Dinge, seit es Menschen gibt, ihren alten bösen Lauf.  Was sollen wir tun?  Sollen wir sagen: Es hat ja doch alles keinen Zweck! Die Welt ist nun einmal böse, und die Menschen sind böse von Jugend auf.
So steht es schließlich schon auf den ersten Seiten der Bibel. – Oder sollen wir gar selber mitmachen beim bösen Spiel?
Die Bibel ermahnt uns an vielen Stellen, in der Bemühung um das Gute auf keinen Fall nachzulassen.
Also nehmen wir es uns zu Herzen: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem.“
Auch Paulus kennt die Welt. Er ist nicht der Meinung, mit etwas gutem Willen, mit etwas Bescheidenheit ließen sich alle Probleme lösen.
Das Böse ist da. Und es ist wirksam. Niemand kann es übersehen. Doch was kann man dagegen tun?
Die Regel der Welt heißt ,,Vergeltung". Im Großen wie im Kleinen. Wie du mir, so ich dir. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Diese Regel hat ihren Wert. Auch im Alten Testament gilt sie. Sie hat vielfach das Schlimmste verhindert. Die Furcht vor der Strafe, die Furcht vor den Folgen schreckt ab, das Böse zu tun.
Aber der Apostel ermahnt uns: Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Es wird hier viel von uns gefordert.
Das Prinzip Vergeltung steckt jedem von uns tief im Blut. Wir meinen, es hänge unsere Ehre, die Würde unserer Person daran, dass wir Vergeltung üben, dass wir dem anderen heimzahlen, was er uns angetan hat. Aber wenn die Ketten der bösen Taten unterbrochen werden soll, dann müssen wir uns von solchen Vorstellungen trennen. Wir müssen den Mut haben, endlich einmal anders zu handeln als die Welt. Darum, vergeltet nicht Böses mit Bösem. Nur dann verliert das Böse an Raum in dieser Welt.
„Vergeltet nicht Böses mit Bösem", stattdessen - so ermahnt der Apostel Paulus weiter – „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“ Wir würden vielleicht heute sagen: Beachtet die Regeln des Anstands!  Auch das ist schon viel.
Doch Paulus geht noch weiter: ,,Wenn deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn." Er schärft uns das Gebot ein: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch beleidigen. –  Dem Feind. demjenigen, von dem wir nur Böses zu erwarten haben, sollen wir Gutes tun? Da sträubt sich doch alles in uns! – Aber danach werden wir nicht gefragt.
Die Liebe auch zum Feind wird von uns gefordert. Auch Paulus weiß, dass der Feind deshalb trotzdem ein Feind bleibt. Glühende Kohlen sind unsere Taten für ihn.
Das Böse wird nicht einfach übersehen. Es muss etwas geschehen mit dem, der Böses getan hat.
Entweder er bekehrt sich, oder er wird gerichtet. Aber das alles ist nicht mehr unsere Aufgabe.
Wir haben Gutes zu tun. Das ist es, was Gott von uns fordert.  Das sind unsere Taten für den Sieg des Guten. ,,Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden."
„So viel an euch ist.“ Paulus weiß wohl, dass unsere Möglichkeiten und Kräfte sehr begrenzt sind.
Frieden stiften, Frieden bewahren, dem Guten zum Sieg verhelfen ist eine schwere Aufgabe.
Aber - Gott legt uns damit nicht nur eine Last auf, sondern er bietet uns zugleich wunderbare Freiheiten an. Gott befreit uns vom Zwang zur Vergeltung, von der Pflicht, uns zu rächen.
,,Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr." Solange wir uns rächen wollen, bleiben wir von den anderen abhängig. Alle unsere Handlungen sind immer nur Reaktionen auf das, was der andere getan hat.  War er freundlich zu uns, dürfen wir auch freundlich sein; hat er uns Böses getan, müssen wir auch Böses tun.  Gott befreit uns davon. Wir müssen uns nicht mehr aufreiben im Kampf um Anerkennung.  Wir können dem andern mit Gelassenheit begegnen. Nicht, dass nun Unrecht nicht mehr Unrecht hieße und das Böse nicht mehr ,,böse" genannt werden darf.  Gott ist gerecht. Er vernachlässigt nichts. Aber er will rächen.  Er nimmt uns diese unangenehme Aufgabe ab, bei der wir uns immer wieder ins Böse verstricken.  Das ist eine Befreiung.  Wir sind frei vom Zwang, uns zu rächen.  Wir sind frei, um Gutes zu tun. –  Wir brauchen uns nicht zu überlegen: Ist er es auch wert? Hat er mir auch schon etwas zuliebe getan? Wer auch immer kommt, wen uns Gott auch immer begegnen lässt, wir dürfen freundlich zu ihm sein. Gott selber verbürgt sich für den Sieg der Gerechtigkeit, dafür, dass am Ende nicht das Böse das letzte Wort behält.
Und dieser Sieg des Guten ist für uns schon anschaubar, greifbar geworden in Jesus Christus.
Er ist selbst ein Opfer des Bösen geworden. Als Opfer hängt er am Kreuz. Und dennoch ist er der Sieger.   Gott hat ihn von den Toten auferweckt.  Sein Evangelium, seine frohe Botschaft von der Liebe des Vaters im Himmel, von der Barmherzigkeit und der Vergebung aller Sünden ist um die Erde gegangen.  Ihm, dem Auferstandenen dürfen wir glauben.
Wenn wir uns an Jesus orientieren, müssen wir nicht die Flinte ins Korn werfen und schon gar nicht mit den Wölfen heulen, sondern dürfen uns hoffnungsvoll immer aufs Neue an die Arbeit machen, nach der Regel des Paulus:  ,,Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."
Wie wäre es, das nächste Mal einfach freundlich zu bleiben und um ein klärendes Gespräch zu bitten? Zunächst wird der andere vielleicht stutzen.  Er wollte doch seinen Ärger loswerden.
Aber da ihm der andere so klar und freundlich in die Augen blickt, scheint das unmöglich zu sein.
Diese Freundlichkeit ist unerwartet und verwirrt.  Sie nimmt die aufgeladene Spannung aus der Situation und ermöglicht ein Gespräch.
Amen.

 

Fürbittengebet

Lasset und beten:

Gott des Lebens, in Jesus Christus hast du allen Menschen deine Freundschaft angeboten.
Liebevoll hat er mit der Prostituierten gesprochen und sie von den Zwängen aus ihrer Vergangenheit befreit.
Liebevoll hat er die Kranken geheilt.
Liebevoll hat er die unberührbaren Außenseiter umarmt.
Liebevoll hat er deinen befreienden Geist allen geschenkt, die dir vertrauen.
Deshalb bitten wir für alle, die sich heute nach bedingungsloser Zuneigung sehnen.
Und wir beten für alle, die durch ihre Arbeit oder durch ihr Leben versuchen, anderen Menschen etwas von deiner Liebe weiterzugeben. Auch für uns selbst bitten wir dich:
Wenn wir verletzt werden durch Worte oder Taten anderer und uns eigentlich gerne rächen würden, dann zeig uns, was Freundschaft bedeutet.
Wenn wir erleben, dass Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe, ihres Alters oder Geschlechts ausgeschlossen werden, dann zeig uns, was Freundschaft bedeutet.
Wenn in unserer Welt Unfriede und Zerwürfnis herrscht, weil Menschen ihrer Angst und Eifersucht nachgeben, dann zeig uns, was Freundschaft bedeutet.
In der Stille bringen wir unsere persönlichen Bitten vor dich
(Stille)
Alles, was wir auf dem Herzen haben, fassen wir mit den Worten zusammen, die Jesus Christus uns gegeben hat und sprechen miteinander:

Vater unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.  Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Gottfried Fischer (1924-2009)
Variationen über „Geh aus mein Herz und suche Freud“

Glockengeläut


Kollekte

5. Juli 2020 – 4. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 5. Juli 2020