Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis am 12. Juli 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Jabs
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869)
Communion F-Dur

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Liturg                                    Gemeinde

Unsere Hilfe steht                 der Himmel und Erde gemacht
im Namen des Herren,         hat.
Der Herr sei mit Euch           und mit deinem Geist.

Psalm 73,1-3.8-10.23-26

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. 2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. 3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
8 Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her. 9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden. 10 Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.
23 Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, 24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. 25 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. 26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Predigttext: Lk 5,1-11

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.
2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht!
Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Orgelmusik

Louis James Alfred Lefébure-Wély
Pastorale C-Dur

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!
Zunächst erinnere ich Sie an ein indische Legende, die viele schon gehört haben.
Der weise Brahmane Sissa, erfand das Schachspiel für den indischen Herrscher Shihram. Um sich zu bedanken, gewährte er dem Brahmanen einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Reiskörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das Doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte.
Als sich Shihram einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass man diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne.
So weit die Kurzform der Legende. Nun noch Zahlen:
Es wären 18 Trillionen, 446 Billiarden, 744 Billionen, 39 Milliarden, 484 Millionen, 29 Tausend, 952 Reiskörner.
Bei einem Gewicht eines Reiskorns von 0,003 Gramm würden alle Reiskörner auf dem Schachbrett etwa 540 Milliarden Tonnen wiegen. Zu Beginn war es ein Korn und dann zwei.
Auch ein kleiner Anfang kann zur Fülle wachsen. Darum kommt es Gott auf die kleinen Anfänge an, sogar in unserem heutigen Text. Jesus steht vor einer großen Menge Volk.
Jesus braucht ein Boot um auf dem See Platz für sich zu finden. So viele Zuhörer*innen. Er spricht zu ihnen. Er beendet seine Rede für die vielen. Dann hört er auf zu reden. Keiner von den Vielen wird ab da erwähnt. Sie sind alle weg.
Es bleiben nur noch:  Simon und  seine Gefährten. Drei Männer nur werden mit Namen genannt: Simon, Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus,. Mehr nicht. Nur von diesem drei wird weiter erzählt. Nur ein einziger wird angesprochen:
Du sollst Menschenfischer werden.
Dieser eine fühlt sich damit überfordert:
Ein ganz normaler Mensch bin ich - bekennt Petrus: "Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!" Ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und Unvollkommenheiten.
Doch so wie er ist, nimmt ihn Jesus. Er engagiert ihn.
Es ist dabei nicht wichtig, wie, wo, wann und ob Petrus seinem verantwortungsvollen Auftrag, den er nun erhält, nachkommen kann. "Du wirst!" - "Du wirst von nun an ganz großen Fang machen. Menschenfang."
Mit diesem einen Petrus hat es begonnen. Der hat ein paar andere gefangen. Die wieder andere und durch die Zeit ist unsere Kirche gewachsen weltweit und würden wir alle Christen seit Petri Zeiten zusammenrechnen, so wäre es bereits ein stolze Zahl. Doch genau darauf kommt es gar nicht an auf die großen zahlen. Die vielen Hörer ließ Jesus gehen, den einen und seine zwei Gefährten, die hat er gefangen.
Wie fangen wir - die wir in der Nachfolge dieses Jesus von Nazareth stehen, Nachfolger des Petrus, wie fangen wir Menschen?
Es beginnt mit einem einzigen wie damals.
Mehr als spektakuläre Aktionen, öffentlichkeitswirksame Fernsehauftritte und hohe Einschaltquoten, mehr als spektakuläre Kirchenein- oder austrittszahlen, mehr als professionelle Menschenfischer geht es um den einen Menschen. 
Kirche hängt nicht ab von Erfolg oder Misserfolg der großen Zahlen. An Ausstrahlung und Unterhaltungswert misst sich unser Auftrag nicht. Die Attraktivität unseres Glaubens, liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Zuwendung zum Einzelnen.
Jesus, der viele Hörer hatte, wandte sich dem einen zu. Er sprach Petrus an. Er kannte seine persönliche Sorge. In dieser Nacht keinen Fisch gefangen. Ihm wendet sich Jesus ganz zu.
Es geht um Zuwendung zu Einzelnen in unserem Glauben. Gott wurde Mensch, um sich Menschen persönlich zuzuwenden. Darin ist er uns Vorbild und darin dürfen wir seine Jünger werden. Und wenn die Zahlen der Mitglieder gegen unseren Glauben sprechen, dann können wir uns an Petrus orientieren.
Der routinierte Fischer Petrus lässt seinen Misserfolg hinter sich. Mit Zuversicht anstatt mit Besserwisserei, Resignation oder Verbohrtheit reagiert er auf Jesu Anweisung:
"auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen!" Das heißt soviel wie: Ich versuch's noch einmal. Ich gebe mir und meiner Umwelt eine neue Chance. Ich glaube, es kann gelingen.
"auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen!"
Darin verbirgt sich das Wesentliche unseres Glaubens. Ich als Einzelner werde von Gott aufgefangen, wo immer ich bin. Gott wendet sich persönlich zu. Und genau das können wir als Christen immer wieder versuchen. Uns einzelnen zuwenden. Darin liegt Gottes Verheißung.
Wenn nur jede von uns im Laufe des Lebens zwei anderen Menschen diese Glaubenssicherheit vermittelt, dann werden es über die Jahrhunderte Trillionen sein.
Darum fürchte dich nicht!
Von nun an wirst du Menschen fangen.
Das galt Petrus und das gilt jeder und jedem von uns. Lasst uns Menschen fangen. Wenden wir uns immer wieder einzelnen Menschen zu auch und gerade mit unserem Glauben, unserem Vertrauen unserer Liebe. Allein darauf kommt es an. Die großen Zahlen kommen später und von ganz allein. 
Amen

Gebet

Großer Gott, mit Dir Netze auszuwerfen, wo dann auch Fische sind. Mit Dir leben, getröstet und genährt.
Dennoch bleibe ich stets an dir;
Denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Für Deine Kirche bitten wir Dich, Gott.
Sind die Wasser ausgefischt und die Kirchen leer?
Dennoch bleibe ich stets an dir;
Denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand.
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Für Entscheider und Präsidentinnen, bitten wir –
für Klarheit und Maßhalten, Schutz, Abstand und Nähe.

Für Ferienkinder und Urlaubserwachsene.
Freie Zeit und leichtes Herz, zu Hause ohne Schule
oder vorsichtig über die Grenze in ein anderes Land -
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Für die unruhigen Herzen bitte ich Dich, Gott.
Für alles „ich müsste mehr tun“,
jedes „ich hab nichts geschafft“.
Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Glück.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.
Großer Gott du hast dein Netz schon ausgeworfen und ich stimme mit allen, die du aufgefangen hast im Leben und im Sterben ein in das Gebet Jesu Christi

Vaterunser

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgel

David German (*1954)
Festive Trumpet Tune


Kollekte

12. Juli 2020 – 5. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 12. Juli 2020