Andacht zum 6. So. nach Trinitatis am 19. Juli 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Christoph Kellner (1736-1803)
Choralvorspiel „Jesus meine Zuversicht“

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,  der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 139.

HERR, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.
Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke;
das erkennt meine Seele.
Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde,
als ich gebildet wurde unten in der Erde.
Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war,
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und   erkenne, wie ich's meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Ja – mein Gott – wir gehören zu dir, in deine Gemeinde und zu den Menschen, die du lieb hast, die du erwählt hast zu einem Leben, das aus deiner Liebe kommt.
Lass uns mit guten Gedanken diesen Weg der Liebe in der neuen Woche gehen in der Gewissheit, dass du uns begleitest.
Gott, wir danken dir dieses durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, der mit dir in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen

Predigttext

Der Predigttext des 6. Sonntags nach Trinitatis steht im 5. Buch Mose im 7. Kapitel (V. 6-12):

Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.

So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

 

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Orgelmusik

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869)
Andante in F-Dur

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Einen Gottesbeweis wollte er haben, der Alte Fritz, denn er war ein Skeptiker. Und da geriet er an seinen General Ziethen. Der war nicht nur ein bewährter Offizier, sondern auch ein frommer Mann, und - bei allem Respekt - dem wollte der Alte Fritz auf den Zahn fühlen.

»Sage Er«, herrschte er den alten Soldaten an, »hat Er denn überhaupt einen Beweis für den Gott, an den Er glaubt? «  »Majestät - die Juden! « antwortete Ziethen. Das ist eine der bekanntesten Anekdoten aus dem Leben des großen Friedrich. Sie könnte wahr sein, weil die Antwort so unerwartet ist.

Wieso sind die Juden ein Beweis für die Existenz Gottes? - Um es gleich zu sagen: Einen strikten Beweis für Gottes Dasein hat bis heute noch niemand gefunden, auch Ziethen nicht.

Aber warum sind ihm gerade die Juden eingefallen? Wahrscheinlich dachte er an die besondere Ge-schichte dieses Volkes, die sich so auffallend von der Geschichte anderer Völker unterscheidet.

Und wohl auch an den besonderen Gott dieses Volkes, der sich ebenfalls auffällig von den Göttern, Götzen und Geistern anderer Völker unterscheidet. Dieser Gott hat sich sein Volk auserwählt. Und was das bedeutet, kann uns unser Predigttext genau sagen: Aus der von Sprachverwirrung und Ruhmsucht geprägten Menschheit erwählt Gott einen Einzelnen: Abraham. Aus dem israelitischen Sklavenheer in Ägypten erwählt er wiederum einen Einzelnen als Retter: Mose. Erwählung bedeutet immer auch Aussonderung, Vereinzelung und Fremdheit. Darum ist Erwählung kein Privileg, sondern bringt zumeist Leiden. Das zeigt sich besonders deutlich bei den Propheten. Und so hat sich das jüdische Volk als auserwähltes Volk verstanden; das ist bekannt, und es ist ihm oft schwer verübelt worden. Andere Völker haben diesen Erwählungsglauben als Zeichen der Überheblichkeit abgetan; es hat sie aber nicht daran gehindert, sich ebenfalls als auserwählte Völker darzustellen.

Die Russen, die Buren, die Engländer und - nicht zu vergessen die Deutschen -  sie haben sich zu bestimmten Zeiten ein Sendungsbewusstsein zugelegt, das weder ihnen noch anderen Völkern gut getan hat. Die Beispiele lassen sich beliebig vermehren. Meistens verknüpfte sich dieses Sendungsbewusstsein mit dem Gefühl eigener Macht, der militärischen, kulturellen oder wissenschaftlichen Überlegenheit.  Aber auch die Religion gab dem Erwählungsglauben und Sendungsbewusstsein mächtige Antriebe: Wir haben den wahren Glauben, wir allein! Was die anderen glauben, ist allenfalls Irrtum, schlimmstenfalls Heidentum, das ausgerottet werden muss.

Doch von solchem Hochmut ist in unserem Predigttext gar nicht die Rede. Gott hat sein Volk nicht erwählt, weil es stärker, größer, besser, kultivierter und frömmer ist als andere Völker, sondern im Gegenteil:  Es ist klein und unscheinbar. Gott hat sein Volk erwählt, weil er es geliebt hat.  Das ist der einzige, alleinige Grund der Erwählung. Gott hat sein Volk erwählt, weil er es geliebt hat.

Aber das bedeutet umschreibt folgender Dialog:  »Warum liebst du mich eigentlich? An mir ist doch gar nichts Besonderes. Es gibt andere, die hübscher sind als ich und klüger. Also: Was findest du an mir?“ »Mag sein, dass andere hübscher und klüger sind, aber ich liebe nun einmal dich. Warum? Das weiß ich so genau auch nicht. Aber für mich bist du eben die Hübscheste und Klügste und Liebste. « So sprechen Liebende miteinander. Wir lernen dabei etwas Wichtiges über die Liebe. Richtige Liebe klammert sich nicht an einzelne Eigenschaften, sondern meint den ganzen Menschen. Wenn ein junger Mann zu seiner Freundin sagt: »Ich liebe dich, weil du so schön oder so klug bist«, oder gar: »weil du Geld hast«, oder: »weil du so gut kochen kannst«, dann wird die Frau vielleicht lachen über so viel Ehrlichkeit, aber sie wird darin kein echtes Liebesgeständnis erkennen. Nicht als Schönheitskönigin, Intelligenzbestie oder Kochkünstlerin möchte die Frau geliebt werden, sondern als Person.

Unser Predigttext offenbart uns auch in dieser Richtung etwas Besonderes und Merkwürdiges:

Das Liebesgeständnis Gottes ist an ein Volk gerichtet, an dem nichts Besonderes zu finden ist.

Entscheidend ist nur, wie das Volk darauf antwortet. Denn: Gottes Liebe ist fordernd und anspruchsvoll. Es wäre tödlich für das Volk Israel, seine Liebe nicht zu erwidern, sondern sich nach anderen Göttern umzusehen. Gott fordert das,  was er gibt, unmissverständlich zurück.

Die angemessene Antwort des erwählten Volkes ist Gegenliebe und Gehorsam. Zum Glück ist unsere Bibel eingeteilt in ein Altes und ein Neues Testament. Und hier ist es besonders wichtig. Bei aller Liebe Gottes zu seinem Volk: hier geht es um das Gesetz des alten Bundes. Das Volk Gottes ist gewissermaßen chancenlos gegen die übermächtige Liebe Gottes. Es bleibt ihm nur die einzige Wahl:

Diesen Gott wiederzulieben oder unterzugehen. Im Neuen Testament aber wird Gott mit der Liebe gleichgesetzt: Gott ist die Liebe. Von ihr heißt es: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus. Dass Gottes Liebe plötzlich umschlägt in den grimmigen Zorn des Enttäuschten, brauchen wir im Umkreis des Evangeliums nicht zu fürchten. Für uns Christen kommt es darauf an, die Beständigkeit göttlicher Liebe wahrzunehmen und sein Leben in ihr zu gründen. Dazu ist die Taufe die anschauliche und unser Herz anrührende Einladung. In der Taufe werden wir bei unserem Namen gerufen und damit - im Gegensatz zu den Massenideologien - als Einzelne, als Personen, in den Umkreis göttlicher Aufmerksamkeit und Treue gestellt. Die Taufe ist eine Liebeserklärung Gottes an uns Menschen, an jeden einzelnen Getauften. Und was bringt das?

Liebende pflegen gern mit äußeren Zeichen, mit Geschenken, Bildern oder Andenken auf sich aufmerksam zu machen. So auch bei der Taufe.  Das äußere Zeichen ist das Wasser, dieser kostbare Stoff, aus dem Leben kommt. Natürlich können wir fragen: Was nützt denn dieses Hantieren mit Wasser bei einem Kind, das bei der Taufe schläft oder verwundert guckt oder auf das ungewohnte Treiben mit nachdrücklicher Stimmkraft reagiert? Einen äußeren Nutzen können wir der Taufe ebenso wenig zumessen wie der Liebe. Und doch ist die Liebe ein Lebenselement, so wichtig wie das Wasser für den Fisch oder die Luft für den Vogel. So mögen wir auch die Liebeserklärung Gottes an uns Menschen verstehen.  Wir können von uns aus Zeichen der Liebe zurückgeben: Indem wir selbst liebevoll sind zu den Geschöpfen Gottes, zu den Menschen, den Tieren, den Pflanzen und all den anderen Wundern, die unsere geschaffene Welt erfüllen. Dann bleiben wir im Bund seiner Treue und zählen zu seinem Volk, auch wenn wenig Rühmenswertes an uns ist.  Wer sich geliebt und angenommen weiß, kann getrost sein.  Im Namen Gottes ist unser Name ins Buch des Lebens geschrieben worden. Das ist unser Ruhm. Und so können wir Gott rühmen.

Amen.

Fürbittengebet

Lasset und beten:

Herr, unser Gott, du bist wie ein Vater und eine Mutter zu uns.
Du hast uns in der Taufe das neue Leben geschenkt.
Mit der Leben schaffenden Kraft des Wassers, das ins ewige Leben quillt, erfüllst du uns.
Wir bitten dich, gründe uns tief in dir, in deinem Wort, damit wir aufnehmen, was du uns geben willst, dem Baume gleich, der an den Wasserbächen gepflanzt ist.
Herr unser Gott, du hast unsere Welt geschaffen, du hältst uns in deiner Hand, du hast uns bei unserem Namen gerufen, unsere Tage nehmen wir von dir, die glücklichen und die schweren Stunden.
Als schuldig Gewordene lässt du uns nicht fallen, unser Lachen und unser Weinen segnest du.
Wir danken dir und singen dein Lied mit vielen Getauften in der Welt. Dein Lied öffnet uns die Augen und kräftigt unsere Füße für den Weg des Friedens.
Wir stehen vor dir, um für alle Menschen einzutreten, die sich abgelehnt, verlassen und misshandelt sehen, die keine Worte mehr finden, sprachlos geworden sind in ihrem Leiden.
Wir bitten dich für die Kraftlosen, die Müden die Kranken und Trauernden, für die Fremden und die Heimatlosen in Stadt und Land. Lass sie alle deine Wärme spüren und deine Macht erfahren, in Menschen, die du berufst, erleuchtest und stärkst.
Erfülle deine Verheißungen durch Jesus Christus, deinen Sohn, der uns gelehrt hat zu beten:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Théodore Dubois (1837-1924)
Marcietta


Kollekte

19. Juli 2020 – 6. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 19. Juli 2020