Andacht zum 7. So. nach Trinitatis am 26. Juli 2020

Hinweis

Die Andacht starten Sie entweder in dieser Seite direkt im Bild oder auch in einem separaten Fenster als Youtube-Video.
Ältere Andachten stehen unter Glauben/Andachten.

Bitte tippen Sie auf Weiterlesen, um dem Text zu folgen.

 

Mitwirkende

  • Glockengeläut: M. Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Jabs
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

J.S. Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge in F-Dur, BWV 556

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 107,1-9

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
2 So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,
3 die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.
4 Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,
und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,
5 die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,
6 die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten
7 und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:
8 Die sollen dem HERRN danken für seine Güte /
und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,
9 dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Predigttext: Hebr 13,1-3

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Glaubensbekenntnis

Orgelmusik

 J.S.Bach
„Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“, BWV 639

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

Ein Vers aus unserem Predigttext ist die Überschrift über der Handreichung unserer Landeskirche zum Kirchenasyl. Sie werden eher selten oder nie die Gelegenheit gehabt haben, darin zu lesen, darüber mehr zu erfahren. Heute ist Gelegenheit dazu.
Unser ehemaliger Bischof Dr. Markus Dröge eröffnet den Text mit folgenden Zeilen:
„Menschen zu beherbergen, die vor Krieg, Folter und Gewalt fliehen, ist Ausdruck unseres christlichen Glaubens von Anfang an. Das Kirchenasyl ist deshalb Zeugnis christlichen Lebens. Vor über dreißig Jahren zum ersten Mal in Berlin durchgeführt, ist es bis heute eine wichtige Form Menschen, die bedroht werden, zu helfen. Ich bin dankbar dafür, dass Gemeinden unserer Landeskirche diesen Dienst der Nächstenliebe gewähren.
 ... Ob in der Stadt oder auf dem Land – Kirchenkreise und Gemeinden engagieren sich, öffnen ihre Türen, kommen ins Gespräch miteinander, diskutieren, feiern, beten, beraten, helfen und stellen fest: Wir sind eine tragfähige lebendige Gemeinschaft. Auch das kann zum Kirchenasyl dazu gehören. ...
Mit herzlichem Dank für alles Engagement zugunsten von Geflüchteten wünsche ich Ihnen Gottes Segen und grüße Sie herzlich, Ihr Bischof Dr. Markus Dröge“
Einige Sachinformationen:
1. Wer weiß Bescheid?
In unserer Landeskirche arbeitet eine Pfarrer*in für Migration und Integration. Das ist zur Zeit Dagmar Apel. An sie kann man sich wenden, wenn man Menschen helfen will oder selbst Hilfe als Fremder braucht.
2. Was ist Kirchenasyl:
Kirchenasyl ist die zeitlich befristete Aufnahme von Schutzsuchenden in Räumen, in denen die Kirchengemeinde Hausrecht ausübt. Schutz wird Menschen gewährt, deren Abschiebung oder Überstellung in ein anderes Land voraussichtlich eine Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit der betroffenen Personen oder eine Verletzung ihrer Menschenwürde und Menschenrechte darstellen würde.
Kirchenasyl ist ein letzter Versuch (Ultima Ratio) einer Kirchengemeinde, durch zeitlich befristeten Schutz eine unmittelbar drohende Abschiebung abzuwenden und dadurch eine erneute sorgfältige Überprüfung des Schutzbegehrens zu ermöglichen oder mit den betroffenen Personen und Behörden eine Möglichkeit zu suchen, eine zwangsweise Abschiebung zu verhindern oder eine geordnete Weiterwanderung zu ermöglichen.
Ein Beispiel. Ein Ehepaar flieht. Ihre Papiere gehen auf der Flucht verloren. Sie kommen 2019 Ende November nach Deutschland. Die Frau ist hochschwanger und darf aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland bleiben. Der Ehemann dürfte bleiben, wenn er beweisen könnte, dass er der Ehemann ist. Kann er aber nicht. Eine Kirchengemeinde gewährt ihm Asyl in einer Wohnung für beide, bis das Kind in der Weihnachtszeit geboren wird. Dann kann seine Vaterschaft durch Gentest bewiesen werden. Die drei dürfen zusammenbleiben, bis die Behörde entschieden hat.
3. Warum tut unsere Kirche das?
Die Gastfreundschaft gegenüber verfolgten »Fremden« ist biblische Tradition und göttlicher Auftrag. Unser Predigttext: 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; heißt ganz wörtlich: Fremde lieben vergesst nicht. Es geht nicht um die Gäste aus unserer Verwandtschaft nicht einmal nur um Partnergemeinden. Es geht um die Fremden, die Hilfe nötig haben.
Jesus ist selbst Flüchtling gewesen: »Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.« (Mt 25,35).
Gastfreundschaft und Kirchenasyl sind daher keine barmherzigen Gnadenakte, sondern notwendige Konsequenzen aus unserem Glauben.
4. Wer gewährt Kirchenasyl?
Kirchenasyl wird immer von einer Kirchengemeinde gewährt. Grundlage ist ein möglichst einmütiger Beschluss des Gemeindekirchenrates, basierend auf einer Gewissensentscheidung. Das Kirchenasyl soll jedoch von der gesamten Kirchengemeinde getragen und gestaltet werden. Hierzu wird in der Regel ein Unterstützungskreis gebildet, der die praktische Durchführung übernimmt.
5. Wie kann eine Kirchengemeinde Asyl gewähren?
Kirchengemeinden, die ein Kirchenasyl gewähren, stellen die notwendigen Räume also Wohnung zur Verfügung. Das sollte möglichst in einer Kirche oder einem Pfarrhaus sein, nicht bei Gemeindegliedern. Die Gemeinden kümmern sich um die Versorgung – Essen Trinken, Kleidung, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Medikamente, Aufenthaltsangabe bei den zuständigen Behörden und Verhandlungsführung.
6. Was kann passieren?
Im Idealfall endet das Kirchenasyl entweder mit einer Duldung oder einer geordneten Abschiebung in ein sicheres Drittland, wie in unserem Beispiel.
Im schlimmsten Fall mit Strafen für die Personen, die in der Kirchengemeinde das Asyl getragen haben.
Damit sind wir wieder bei unserem Text:
1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.
Fest bleiben in der Liebe, sonst kann man nicht da sein für Fremde. Nicht vergessen, dass Gott uns dazu beauftragt hat und denken an die Gefangenen und Verfolgten. So wie es uns der Predigttext der letzten Woche gelehrt hat „im Blick behalten“.
Diese drei Verben, diese unsere Tätigkeiten, zu denen wir im Hebräerbrief verpflichtet werden, will ich unbedingt wiederholen, weil sie wichtig sind:
1. fest bleiben:
Eigentlich steht da nur bleiben. Gott bleibt ewiglich. Wir Menschen bleiben nicht. Wir bleiben nicht an einem Ort. Urlauber und Flüchtlinge beweisen das täglich. Wir bleiben nicht, wie wir sind, sondern entwickeln uns stetig. Wir bleiben nicht ewig auf dieser Welt. Gott bleibt. Wer in Gott bleibt, und Gott in ihm der wird bleiben. So hat es Jesus zugesagt. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. So lesen wir es im Johannesbrief. Und heute werden wir dazu ermutigt, ermahnt, verpflichtet: Bleibt in der brüderlichen Liebe.
2. vergesst nicht. Nicht nur gastfrei zu sein sollen und wollen wir nicht vergessen. Am Montag haben wir uns in Deutschland an den 20. Juli 1944 erinnert. Vergesst nicht. Gastfreiheit hat manchem Deutschen zwischen 1933 und 1945 das Leben gerettet und versagte Gastfreiheit, nicht gewährtes Asyl das Leben gekostet. Vergesst nicht gastfrei zu sein.
3. Denkt an oder wörtlich erinnert Euch!
Gott erinnert, Gott gedenkt. Darauf legt der Brief an die Hebräer schon im 2. Kapitel Wert und stellt sich in die biblische Tradition. Psalm 8 wird zitiert:
Psalm 8, Vers 5 und Hebr. 2,6 heißt es: »Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achtest?
Erinnern, gedenken heißt also auf jemanden achten, sich seiner annehmen, für jemanden da sein. Wenn wir also an Jesus erinnern, den Gefangenen und an die Gefangenen nach dem 20. Juli 1944, dann mögen wir uns heute derer annehmen, die Gefangen sind oder misshandelt, denen Gefangenschaft droht oder Misshandlung.
Das ist die brüderliche Liebe, die Gott von uns erwartet.
Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Abkündigungen

Gebet

Gott, um deine guten Gaben bitten wir dich für uns und alle Menschen.
Um die Gabe der Liebe bitten wir für die Einsamen, die keinen Menschen haben, mit dem sie Kummer und Freude teilen.
Um die Gabe der Dankbarkeit bitten wir für die, die nehmen und nehmen und alles Gute in ihrem Leben als selbstverständlich betrachten.
Um die Gabe der Weisheit und des Verstandes bitten wir für alle, die für Staaten, Städte und Dörfer, für Kirchen, Firmen oder Armeen wichtige Entscheidungen treffen müssen.
Um die Gabe des Brotes bitten wir für alle, die Mangel leiden, denen das Nötigste zum Leben und zum Überleben fehlt.
Um die Gabe der Geborgenheit für alle, die auf der Flucht sind, für alle, die kein zu Hause haben.
Um die Gabe der Güte bitten wir für alle, die anderen nicht verzeihen, nicht die Hand reichen.
Um die Gabe des Trostes bitten wir für alle, denen das Leben dunkel und schwer geworden ist.
Alle guten Gaben kommen von dir, Gott.
Darauf vertrauen wir – heute und alle Tage.

Vaterunser

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgel

J.S. Bach
Präludium und Fuge in d-Moll, BWV 554


Kollekte

26. Juli 2020 – 7. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 26. Juli 2020