Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 2. August 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Craig Sellar Lang (1891-1971)
Tuba Tune

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,  der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 48.

Groß ist der Herr und hoch zu rühmen  in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.
Schön ragt empor sein Gipfel, daran sich freut die ganze Welt.
Wie wir's gehört haben, so sehen wir's an der Stadt des Herrn Zebaoth, an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Es freue sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich um deiner Rechte willen.
Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn, zählt seine Türme;  habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt:
Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist's, der uns führet.

Tagesgebet

Lasst uns beten:
Gott, du Lebenslicht, du öffnest uns die Augen, dass wir dich wieder-finden im Dunkel der Tage, und dass wir deinen Boten trauen, die uns heilsame Botschaft bringen von dir.
Auf dich schauen wir, durch Jesus Christus, das Licht der Welt der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Predigttext

Der Predigttext des 8. Sonntags nach Trinitatis steht im Johannesevangelium im 9. Kapitel (V. 1-7):

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.
Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?
Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.
Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden
und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.
 

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott  den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Musik

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869)
Récit de Hautbois

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Wir mit unserem gesunden Menschenverstand würden zu dieser Geschichte sicher sagen:
„Das geht doch gar nicht!“ Vielleicht macht sich befremden oder auch Ekel breit.
Auch darüber, ob Wunderheilungen  möglich sind oder nicht, möchte ich nicht reden. Ich möchte heute fragen, ob hinter dieser Geschichte vielleicht etwas steckt, das wir auf den ersten Blick gar nicht sehen - und das wir vielleicht übersehen würden, wenn wir über das Wunder reden.
Dabei habe ich zwei Entdeckungen gemacht:
Ich stelle mir vor, wie Jesus mit seinen Jüngern unterwegs ist. Während sie die staubige Straße entlanggehen, nutzen die Jünger - und gewiss auch viele andere Menschen - jede Gelegenheit, Jesus Fragen zu stellen und mit ihm zu diskutieren.
Da sitzt plötzlich einer am Straßenrand, von dem es heißt, er sei von Geburt an blind.
Jesu Jünger sehen ihn als willkommenen Anlass, eine spannende Frage zu diskutieren, die Schuldfrage.
Dass Krankheit eine Strafe Gottes sei, ist ihnen selbstverständlich.
Aber wen straft Gott mit einer Behinderung von Geburt an?
Krankheit als Strafe - das ist eine Vorstellung, die offenbar ganz tief in uns Menschen drin steckt.
Daran ist wohl unser Gerechtigkeitsempfinden schuld.
Wer „gut" lebt, sich nichts zuschulden kommen lässt, dem soll es auch gut ergehen.
Und bösen Menschen soll es zur Strafe schlecht gehen.
Wir alle wissen, so ist es nur im Märchen - und dort wie auch in den Psalmen unserer Bibel spricht sich dieser uralte Wunsch nach Gerechtigkeit besonders deutlich aus.
Und obwohl wir alle wissen, dass es im Leben oft gerade nicht so ist, haben wir doch wohl alle schon an einem Krankenbett gestanden, wo jemand gefragt hat: Warum gerade ich? Womit hab ich das verdient? Wofür straft mich Gott so hart?
Vielleicht haben wir uns selbst auch schon einmal so gefragt.
Das sind Fragen, die uns hilflos machen, auf die wir nicht antworten können.
Und doch können wir dieser Frage nicht aus-weichen, sie stellt sich ein.
Wir können diese Frage nur mit dem Kranken zusammen aushalten, ihm in seinem Fragen nahe sein.
Jesus lässt die Frage der Jünger nicht gelten, aber aus anderen Gründen.
Für ihn ist es unmöglich, dass dieser Blinde zum Gegenstand eines Lehrgesprächs gemacht wird.
Er lässt sich das Schicksal dieses Menschen nahe gehen.
Er spürt, hier sind seine Liebe und seine Hilfe gefragt, nicht sein Verstand.
Und er tut selbstverständlich das, was seine Liebe ihm gebietet:
Er öffnet ihm die Augen.
„Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm“, sagt Jesus - und er tut dieses Werk an ihm.
Er setzt damit ein Zeichen: Gott hat dem Blinden seine Behinderung nicht als Strafe geschickt - sondern Gott will ihn gesund sehen.
Ihm, dem Hilfsbedürftigen, gehört die besondere Zuwendung und Liebe von Gottes Sohn.
Er, der sich selbst das Licht der Welt nennt, wird zum Licht im Leben dieses Blinden.
Das geht nicht, ohne dass er ihm Anteil gibt an sich selbst, symbolisch ausgedrückt durch seinen Speichel.
Das heißt auch für uns: Wenn wir nicht bereit sind, wirklich etwas von uns herzugeben, seien es Zeit und Geduld, Nähe oder materielle Dinge, wenn wir nicht bereit sind, etwas von uns zu geben, werden wir anderen nicht helfen können.
Doch nicht nur bei Krankheit kommen uns Fragen von Schuld.
In diesen Tagen wird immer wieder die Frage nach der Schuld an Kriegen und Leid gestellt.
Ich glaube auch heute würde Jesus bei dieser Frage eher aufstehen und etwas Tun um das Leiden der Menschen zu verringern, als über Schuld zu diskutieren.
Wie gehen wir hier in Deutschland mit den Menschen um, die in unserem Land Schutz suchen vor Kriegen, Verfolgung und Hunger?  Ist da nicht auch unser Tun gefragt?
Und nun zu meiner zweiten Entdeckung:
Wenn der Evangelist Johannes einen Blind-geborenen in das Zentrum dieser Jesus-Geschichte stellt, so will er uns ermuntern, einmal über unser eigenes Blindsein nachzudenken.
Denn an diese Geschichte schließt sich ein langer Abschnitt an, indem es um das Blindsein und das Sehen im übertragenen Sinne geht.
Dass wir in bestimmten Situationen wie blind sind, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen oder uns die Augen geöffnet werden müssen, das haben wir alle schon erlebt.
Für Johannes kann es keine schlimmere Blindheit geben als die, dass ein Mensch in Jesus Christus nicht das Licht der Welt erkannt hat - und damit das Licht für sein Leben. So ein Mensch, sagt Johannes, ist wie einer, der von Geburt an blind ist.
Er tappt im Dunkeln. Er macht unsichere Schritte.
Ihm fehlt die Orientierung. Und viele schöne Seiten des Lebens hat er noch gar nicht wahrgenommen.
Dieser Blindgeborene begegnet Jesus hier wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben. Er erkennt nicht, wer Jesus ist.  Er ist auch blind für Jesus.
Deshalb kommt er auch nicht auf die Idee, ihn um Hilfe zu bitten.
Als Jesus sich ihm zuwendet, wird er gesund, sehend im doppelten Sinne.
Er erkennt, wer Jesus wirklich ist, nämlich - um im Bild zu bleiben - das ,,Licht der Welt."
Wenn wir die Geschichte jetzt weiterlesen würden, könnten wir sehen, dass auch Menschen, die Jesus schon kennen, blind für ihn sein können.
Auch wir stehen immer wieder in der Gefahr, blind für ihn zu sein - oder vor ihm die Augen zu verschließen.
Wenn wir zum Beispiel an uns und andere vor allem Forderungen stellen.
Dann verschließen wir unsere Augen  vor der Botschaft Jesu, dass Gott uns liebt, unabhängig davon, was wir leisten.
Oder wenn wir Entscheidungen treffen müssen und alles Mögliche dabei bedenken, nur nicht, was wohl Jesus uns raten würde zu tun.
Dann verzichten wir auf die Orientierung für unser Leben, das Licht auf unserem Weg.
Und manchmal sind wir in der Gefahr, dieses Licht für unser Leben zu verlieren, wenn uns alles so aussichtslos scheint, wenn uns Sorgen drücken oder Trauer unser Leben verdunkelt.
Dann ist es nötig, dass Jesus wieder in unser Leben tritt, uns begegnet, wie er hier dem Blindgeborenen begegnet ist.
In einem Bibelwort vielleicht oder öfter noch in einem anderen Menschen, der nicht gelehrt über uns redet, sondern das Nötige für uns tut.
Einer, der etwas von sich abgibt, Zeit und Geduld etwa.
Er wird uns dann die Augen wieder öffnen für das Licht des Lebens, das Licht der Welt.
Und manchmal werden wir es sein, die an einem, der in seiner Dunkelheit sitzt, nicht vorbeigehen, sondern uns ihm zuwenden, so wie Jesus es hier für diesen Blinden getan hat.
Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Fürbittengebet

Lasset und beten:
Gott, du öffnest uns die Augen, dass wir sehen, womit du uns beschenkst: mit neuer Hoffnung, mit sehenden Augen, heil zu werden, mit sehenden Augen für die Not anderer Menschen.
Du gibst uns eine neue Sicht, zu leben, zu hoffen, zu vertrauen.
Gott, allmächtiger Vater!
Du lässt uns teilhaben am Glück deiner Schöpfung und schenkst uns mehr als wir verdienen.
Wir bitten um dein Erbarmen, wenn wir die Gaben deiner Schöpfung missachten, wenn wir genießen ohne zu denken, wenn wir die Menschen, die Hunger haben, vergessen in unserem Wohlstand.
Wir bitten um Deine Gerechtigkeit, wenn Menschen sich gegenseitig beherrschen oder einander Gewalt antun, wenn das Besitzen wollen uns versklavt, wenn das Haben wollen wichtiger wird als das Geben.
Wir bitten um Deine Liebe: misch Du Dich ein, wo die Angst den Geist zerstört und der Hass die Menschen zu Übermenschen macht; misch Du Dich ein mit Deiner Liebe, wo das Land wichtiger wird als das Leben, und überall dort, wo Leben zerstört wird.
Gemeinsam wollen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Léon Boëllmann (1862-1897)
Menuet gothique


Kollekte

2. August 2020 – 8. Sonntag nach Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 2. August 2020