Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis am 9. August 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: M. Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

J.S: Bach (1685-1750)
Fantasia in C-Dur, BWV 570

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,  der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 63.

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Tagesgebet

Lasst uns beten:
Ewiger und barmherziger Gott. Du kennst unser Herz und alle unsere Gedanken. Du weißt um unsere Fähigkeiten und um unsere Grenzen. So wie wir sind, rufst du uns auf deinen Weg.
Wir bitten Dich: Bleibe bei uns auf diesem Weg, stärke uns mit deiner Kraft und leite uns in deiner Liebe zur Wahrheit, zur Gerechtigkeit und zum Leben. Durch Jesus Christus, unsern Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Predigttext

Der Predigttext des 9. Sonntags nach Trinitatis steht im Buch des Propheten Jeremia im 1. Kapitel (V. 4-10):
Des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.
 

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zur richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Musik

J.S. Bach
„Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 731

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Als du mich an­sahst, durch­zuckte es mich.

Liebe Ge­meinde, er­in­nern Sie sich an eine sol­che Er­fah­rung?
Da lebt man so da­hin, mit den all­täg­li­chen Schwan­kun­gen des Be­fin­dens und der Stim­mung; man tut, was man tun muss; al­les scheint ver­traut und be­kannt – und dann das. Man­che Lie­bes­ge­schichte hat so be­gon­nen, mit die­sem ei­gen­tüm­li­chen Blick.
Mit den Bli­cken hat es ja eine be­son­dere Be­wandt­nis.
Sie schei­nen für die Wahr­neh­mung der Ober­flä­che zu­stän­dig. Eben für das, was vor Au­gen liegt.
Sie kön­nen aber auch ganz tief rei­chen, bis ins In­nerste hinab. Dann liegt auf ein­mal das Ver­bor­gen­e of­fen; so­gar das, was uns selbst ver­bor­gen war.
Dass Bli­cke tö­ten können, sagt ja schon der Volks­mund.
Sie kön­nen aber auch le­ben­dig ma­chen.
Als du mich an­sahst, durch­zuckte es mich.
Und ich habe be­gon­nen, mich selbst neu zu se­hen.
Der Blick des an­de­ren, der an­de­ren, der mich so durch­dringt, trifft. Er rührt das In­nerste auf – und ich ent­de­cke mich selbst auf eine Weise, die ich noch nicht kannte.
Von ei­nem an­de­ren, ei­ner an­de­ren an­ge­se­hen zu wer­den – das ver­leiht uns ein Anse­hen. In die­sem An­se­hen drückt sich eine große An­er­ken­nung aus.
Der an­dere kommt nicht mit Er­war­tun­gen auf mich zu oder mit For­de­run­gen.
Er oder sie bringt nicht zum Aus­druck, wie ich zu sein hätte – streb­sam, für das Wohl der an­de­ren da oder im­mer­fort zur An­pas­sung be­reit.
Das Anse­hen ist keine Zu­schrei­bung, die mich fest­legt. Viel­mehr bringt sie zum Aus­druck, dass ich bin. Dass ich also beim an­de­ren eine Be­deu­tung habe, die ich sel­ber viel­leicht noch gar nicht erf­asst habe.
Das zu er­le­ben ist be­glü­ckend, es ist eine Freude und er­reicht mich in der Tiefe mei­nes Her­zens.
Als du mich an­sahst, war mir ganz an­ders.
Wer ein neues An-se­hen er­hält, der wird mit dem al­ten Bild sei­ner selbst kon­fron­tiert.
Ich kannte mich doch im­mer schon selbst, war mir doch, solange ich den­ken kann, selbst ver­traut.
Ich hatte meine Bil­der von mir, kannte meine Mög­lich­kei­ten und Gren­zen, ver­mochte die Er­war­tun­gen ab­zu­schät­zen, die an mich ge­rich­tet wer­den.
Und nun soll das al­les an­ders wer­den?
Das ver­stört zu­tiefst.
Ich muss neue, fremde Sicht­wei­sen für mich selbst fin­den. Ich stehe in of­fe­nen Ho­ri­zon­ten, die mich un­si­cher ma­chen. Ich finde mich zu wei­te­rer Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen; kann ich ihr ge­recht wer­den?
Aber wenn es mich trifft, wenn der fremde Blick mein Ei­gens­tes er­reicht – kann ich dann vor ihm flie­hen?
Als du mich an­sahst, wusste ich: Wir ge­hö­ren zu­sam­men.
Wer vom An-se­hen ver­än­dert wird, kann den Men­schen nicht ver­ges­sen, der ihn an­sah.
Wes­sen Wahr­heit von ei­nem, ei­ner an­de­ren auf­ge­deckt wurde, der bleibt in Ver­bin­dung mit die­ser Per­son, wie im­mer diese Ver­bun­den­heit aus­se­hen mag. Was ver­bin­det tie­fer als die Wahr­heit?
Schick­sals­ver­bun­den­heit nen­nen das man­che, oder auch See­len­ver­wandt­schaft.
Aber es ist doch kein un­per­sön­li­ches Ge­sche­hen, das uns trifft wie ein Blitz aus hei­te­rem Him­mel, son­dern ein ganz per­sön­li­ches Er­eig­nis, bei dem es auf alle Be­tei­lig­ten an­kommt.
Das Le­ben ver­än­dert sich, und es be­kommt eine neue Di­men­sion der Ge­mein­schaft, der Ge­mein­sam­keit mit an­de­ren; eine, die ich mir nicht aus­ge­sucht habe – und die mich ge­rade darum nicht los­lässt.
Ich frage mich, liebe Ge­meinde:
Was hat der an­dere, was hat die an­dere in mir ge­se­hen, was ich selbst nicht wusste? Wo­hin hat er, hat sie ge­blickt?
Was hat sie von mir ver­stan­den, was ich sel­ber noch gar nicht kannte?
Wie konnte sie, wie konnte er mich so ge­nau tref­fen? War es bloß Men­schen­kennt­nis, rei­che Er­fah­rung, Zu­fall?
Der Pro­phe­t Je­remia wird sich sol­ches auch ge­fragt ha­ben. Ihm muss so et­was auch wi­der­fah­ren sein, wenn er von sei­ner Be­ru­fung be­rich­tet.
Gott kennt Je­remia schon von »vor sei­ner Ge­burt«. Und kennt ihn darum tie­fer und an­ders, als er sich selbst bis­her kannte. Er ent­deckt ihm die Wahr­heit über sich selbst, die Je­remia nicht ken­nen kannte.
Der einzige Grund für die Erwählung Jeremias ist, dass es Gott selbst ist, der erwählt.
Gott allein ist es, der den Men­schen her­aus­hebt, aus­son­dert und in sei­nen Dienst nimmt.
Was sich im Men­schen­le­ben des Pro­phe­ten er­eig­net, ist von dieser Erwählung her be­stimmt.
Ein Stück weiter geht Gott dann bei Jesus Christus.
Er hat ihn nicht nur vor sei­ner Ge­burt zum Hei­land aus­er­se­hen, son­dern er ist Got­tes ein­ge­bo­re­ner Sohn von Ewig­keit her.
Ebenso wie Jeremia und Jesus sind auch wir Christen von Gott schon vor unserer Geburt an erwählt.
Die Taufe ist dafür ein sichtbares Zeichen.
Sie stellt uns in die Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Die Aus­zeich­nung und Be­auf­tra­gung, die Je­remia wi­der­fah­ren ist, kommt, so ge­se­hen, uns al­len zu.
Damit ist aber nicht gemeint, dass uns eine spe­zi­elle Be­ga­bung für pro­phe­ti­sches Re­den und an­dere pro­phe­ti­sche Tä­tig­kei­ten zu­kommt.
In Got­tes Au­gen sind wir schon im­mer seine er­wähl­ten Kin­der.
Wir brauchen nicht erst etwas aus unserem Leben zu machen.
Wir sind in Got­tes Au­gen schon im­mer an­er­kannt. Wir sind schon wer – Kinder Gottes. 
Und zu unserem Glau­bens­le­ben gehört der pro­phe­ti­sche Auf­trag hinzu. 
Ich weiß, das ist schwer zu glauben.
Wir trauen uns selbst wenig zu.
Doch so geht es auch Jeremia. Verstört fragt er: »Bin ich das, als was du mich an­siehst?« - Ich bin zu jung!
Er meint, er kann aus ei­ge­nem Ver­mö­gen nicht das bewerkstelligen, wo­mit der be­auf­tragt wird.
Doch das neue An­se­hen, das Ansehen Gottes, geht über das ei­gene Ver­mö­gen hin­aus.
Gott traut ihm mehr zu als er sich selbst.
Und so traut Gott auch uns mehr zu, als wir für möglich halten. Er will, dass wir über uns hinaus wachsen. Er weiß, wir können mehr als wir uns selbst zutrauen.
Mit dieser Zusage be­ginnt für Jeremia ein ge­mein­sa­mer Weg – Ein Weg mit gu­tem Aus­gang.
Gott verheißt Jeremia Er­ret­tung trotz der Schwie­rig­kei­ten und An­fech­tun­gen. Die Wahr­heit über Je­remia dient der gu­ten Wahr­heit Got­tes.
Wie es Je­remia er­gan­gen ist, so ist es auch Je­sus er­gan­gen sein: In der Taufe wird er als Sohn Got­tes an­ge­spro­chen und an­ge­se­hen – und weiß, dass er es in Wahr­heit schon im­mer ist.
So sind auch wir – durch un­sere Taufe auf den Na­men des drei­ei­nigen Got­tes – Kin­der­ Got­tes, in ihm Er­wählte, also von An­fang an zu Gott ge­hö­rende Men­schen.
Wir ha­ben ein neues An­se­hen bei Gott. Wir sind von ihm an­ge­se­hen als seine Kin­der. Als Män­ner und Frauen, die ihm ver­trauen, weil wir spü­ren:
Er hat uns er­kannt; tie­fer und ge­nauer, als wir das selbst könn­ten. Er hat uns er­wählt – und da­mit mit neuen Fä­hig­kei­ten be­gabt.
Das über­steigt un­sere ge­wohn­ten Mög­lich­kei­ten, und wir könn­ten zau­dern und za­gen, wir seien da­mit über­for­dert.  Aber sein ver­än­dern­der Blick ver­heißt uns an­dau­ernde Ge­mein­schaft mit ihm.
Darum liegt es nicht an un­se­rer Kraft, son­dern an Got­tes Treue.
Er nimmt uns als die, die zu ihm ge­hö­ren.
Als Men­schen, die an­dere dar­auf­hin an­sehen, dass sie, wie wir, Kin­der Got­tes sind, von Gott ge­liebte und be­gabte Men­schen.
Die Ver­än­de­rung durch den Blick, den an­de­ren, die an­dere an­zu­se­hen – sie ist un­wi­der­steh­lich, sie wird Er­folg ha­ben.
Sein Blick, seine An­rede hat ja nicht nur Je­remia, nicht nur Je­sus er­reicht, son­dern auch schon uns ge­trof­fen und ver­än­dert.
Wie soll­ten wir nicht diese Er­fah­rung wei­ter­ge­ben?
Amen.

Fürbittengebet

Lasset und beten:
Wir danken dir Gott für dein Wort das wir gehört haben.
Wir dan­ken dir, Gott, für deine Güte, die du uns schenkst und die je­den Mor­gen neu ist.
Wir dan­ken dir für deine Liebe, die in Je­sus Chris­tus, dei­nem Sohn le­ben­dig ge­wor­den ist.
Wir dan­ken dir für deine Barm­her­zig­keit, mit der du uns ent­ge­gen kommst und die kein Ende hat.
Wir bit­ten für alle Paare, für alle Men­schen, die mit­ein­an­der ih­ren Le­bens­weg ge­hen, hilf ih­nen, dass sie sich mit den Au­gen der Liebe an­schauen, dass sie ein­an­der gut sind. Lass sie ge­las­sen mit den Schwä­chen des an­de­ren um­ge­hen, ver­sage ih­nen, ein­an­der zu krän­ken.
Wir bit­ten dich für alle Men­schen, die in ih­rer Ar­beit Ver­ant­wor­tung für un­sere Kin­der ha­ben, für die Er­zie­he­rin­nen und Er­zie­her, für die Leh­re­rin­nen und Leh­rer, für die Katechetinnen und Katecheten, dass sie durch ihre Ar­beit die Kin­der stär­ken und för­dern.
Wir bit­ten dich für alle, die we­nig Selbst­ver­trauen ha­ben und von sich sel­ber ge­ring den­ken, dass sie sich freund­lich von Gott an­ge­se­hen füh­len und ihre Ga­ben ent­de­cken, die er ih­nen ge­schenkt hat.
Wir bit­ten dich für alle, die sich stark füh­len und mei­nen, auf an­dere Men­schen nicht an­ge­wie­sen zu sein. Sei du bei ih­nen, da­mit sie sich für ihre Nächs­ten öff­nen kön­nen.
Mach du, Gott, uns zu dank­ba­ren Men­schen. Du hast uns in Chris­tus an­ge­nom­men, schenke uns lie­bende Au­gen für­ein­an­der, lass uns mit dem Her­zen se­hen, da­mit wir ler­nen, ein­an­der an­zu­neh­men und wahr­zu­neh­men.
Du hast uns als deine Kin­der aus­er­wählt, da­mit wir dir ent­spre­chen und uns stär­ken in der Ge­mein­schaft un­ter­ein­an­der, in un­se­rer Ge­meinde und in der welt­wei­ten Chris­ten­heit.
Auf deine Nähe war­ten wir, auf deine Zu­kunft hof­fen wir. Dir, Gott, ver­trauen wir.

Gemeinsam wollen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

J. S. Bach
Präludium und Fuge G-Dur, BWV 557


Kollekte

9. August 2020 – 9. Sonntag nach Trinitatis

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Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 9. August 2020