Andacht zum Pfingstfest am 31. Mai 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Prädikant Holger Brose
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Craig Sellar Lang (1891-1971)
Tuba Tune

liturgischer Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

biblisches Votum

Es soll nicht durch Heer und Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sach 46)

Thema

Liebe Gemeinde! Im Namen unseres guten Gottes beginnen wir diesen Gottesdienst. Und schön wäre es, wenn recht Vieles an uns und in uns hängen bliebe. Dazu gebe uns Gott seinen Geist!

Eingangspsalm (Ps 11824-29)

Hört auf Worte aus dem 118. Psalm.
Dieser Festtag ist ein Geschenk des Herrn. Heute wollen wir uns freuen und jubeln!
Hilf uns doch, Herr! Gib uns Glück und Gelingen!
Heil dem, der im Auftrag des Herr kommt! Den Segen des Herrn sprechen wir euch zu, hier von seinem Tempel aus.
Der Herr allein ist Gott, er blickt uns freundlich an. Nehmt Zweige! Schließt euch zum festlichen Reigen zusammen bis dicht an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen!
Dankt dem Herrn, denn er ist gut zu uns, seine Liebe hört niemals auf!

Eingangsgebet

Herr, unser Gott! Es ist Pfingsten geworden. Auf dem Kalender. Ob es auch in uns Pfingsten geworden ist? In unseren Herzen und Häusern? Herr und Gott! Wir bitten dich um deinen guten Geist, heute, für heute und für die Zukunft unseres Lebens. Amen.

Alttestamentliche Lesung: Gen 111-9 (GNB)

Die Menschen hatten damals noch eine einzige, allem gemeinsame Sprache.
Als sie nun von Osten aufbrachen, kamen sie in das Land Schinar und schlugen in der Ebene ihre Zelte auf.
Sie sagten zueinander: „Ans Werk! Wir machen Ziegelsteine!“ Sie wollten die Ziegel als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel.
Sie sagten: „Ans Werk! Wir bauen uns eine Stadt mit einem Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann werden wir in aller Welt berühmt. Dieser Bau wird uns zusammenhalten, so dass wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden.“
Der Herr kam vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten.
Denn er sagte sich: „Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.
Ans Werk! Wir steigen hinab und verwirren ihre Sprache, damit keiner mehr den andern versteht!“
So zerstreute sie der Herr über die ganze Erde, und sie mussten ihre Pläne aufgeben.
Darum wird diese Stadt Babel genannt, denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen verwirrt und von dort aus die Menschen über die ganze Erde zerstreut.

Orgel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869)
Récit de Hautbois

Ansprache

Wir kennen die alte Geschichte vom Turmbau zu Babel. Menschen wollen eins sein. Es steckt im Menschen, dass er den anderen braucht, auf den anderen angewiesen ist. Um die Gefahr der Zerstreuung zu bannen, bauen sie eine Stadt und einen Turm bis in die Wolken hinein. Man soll ihn von weither sehen, den Turm der Einheit und Gemeinsamkeit. Es ist gut, wenn Menschen eins sein wollen und zusammenhalten. Von diesem Zusammengehörigkeitsgefühl zeugt auch unser Kirchturm. Der Turm einer Kirche soll weit ins Land hinein ein Zeichen dafür sein, dass es auch hier in Mahlsdorf Menschen gibt, die als Christen zusammenhalten.

Türme bauen die Menschen immer noch - immer höher, immer größer, Gebäude, die den Mahlsdorfer Kirchturm um ein Vielfaches überragen. Zeugt diese auch von dem gleichen Zusammengehörigkeitsgefühl oder eher von dem der Leute in Babel?

Die Menschen in der Ebene Schinar bauen einen Turm. Um sich einen Namen zu machen. Und wer sich einen Namen machen will, nimmt Gottes Namen die Ehre. Womit bauen sie denn? Sie bauen wohl mit Steinen, aber mit einem falschen Geist. Es sind Steine, die keine Einheitssteine sind. Die Einheit und Einigkeit kann nicht lange dauern. Der falsche Geist bringt Uneinigkeit, Missverständnis, Nichtverstehen. Darin zeigt sich der falsche Geist, dass die Einigkeit zerfällt. Es war eine Einigkeit gegen Gott. Das konnte nicht gutgehen. Das konnte Gott auch nicht zulassen, dass seine Menschen ihm die Ehre nehmen und sich so zugrunde richten. Gott steigt herab, zerstreut sie, und so zerfällt der Turm.

Das ist das Problem heute auf unserer Erde: Es gibt falsche Einheit und falsche Trennungen. Einige Beispiele: Der Krieg schließt die einen ganz eng zusammen, aber gegen die anderen. Der Frieden ist missverständlich. Alle benützen das Wort, weil alle den Frieden als nötig ansehen. Aber jeder versteht etwas anderes darunter. Gott gab uns Besitz, auch jedem Einzelnen. Aber dort, wo ich alles nur für mich benützen möchte, da wird es falsch. Gott gab uns die Schöpfung zur Nutzung, aber nicht zur Schröpfung. Wir machen sie uns gegenseitig kaputt.

Es zeigt sich: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist nichts anderes als eine Beschreibung unserer Zeit, unserer Vergangenheit, unserer Gegenwart, aber hoffentlich nicht unserer Zukunft. Denn an dem, wie es in der Zukunft aussehen wird, sind wir alle beteiligt. Unsere Zertrennung in reiche und arme Länder ist nicht nach Gottes Willen. Dass Kirchen getrennt sind, müsste nicht sein und dass Familien zerstritten sind, ist auch Folge von Sünden, das Heißt der Loslösung von Gottes Güte. Menschen wollen selber so sein wie Gott und stellten sich damit an Gottes Stelle.

Das kann Gott nicht mit ansehen. Er will es bei der Zerstreuung um der Schuld der Menschen willen nicht bewenden lassen. Er ist wohl in die gottwidrige Gemeinschaft hineingefahren. Aber er kam noch einmal, ganz anders, in Jesus Christus. Gott kam noch einmal herunter: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns!“ Jesus kommt, um ganz für uns da zu sein, zu Weihnachten, in der Passion, zu Ostern. Gott will alle Schuld vergeben.

Gott lässt es nicht damit bewenden, dass er in Jesus Christus zu uns kam. Er kommt ein drittes Mal in und mit seinem Geist zu Pfingsten und erschließt das Verständnis für Jesus Christus. Ohne Gottes Geist können wir Jesus Christus nicht richtig erkennen, und uns nicht zu ihm bekennen. Ohne Geist gibt es keine rechte und echte Einheit. Und alle die, die sich durch den Geist Gottes zusammenbinden lassen, bekommen einen neuen Namen: Christen. Die vielerlei Menschen in den Kirchen und Gemeinden werden zusammengehalten durch den Geist Gottes.

Viele Gaben, aber ein Geist; viele Ämter, aber ein Herr Jesus Christus; viele Kräfte, aber ein Gott. Und ich setze die Reihe fort: Viele Konfessionen, aber eine Kirche; viele Wege, aber ein Ziel; viele Fromme, aber ein Himmel und so weiter. Also, ihr Lieben! Auf den Geist kommt es an. Auf den richtigen Geist. Nicht jede Gemeinschaft ist gut. Auch Verbrecher halten zusammen. Auf das Vorzeichen kommt es an. Auf den Geist von Pfingsten kommt es an.

Wir leben davon, dass Gott nicht nur das eine Mal herabstieg, um die Menschen zu zerstreuen, sondern er kam ein zweites Mal, um die Versöhnung von seiner Seite aus in die Welt zu bringen in Jesus Christus. Und er kam ein drittes Mal mit seinen Geist, um uns zu bewegen, uns in seine Gemeinschaft einladen zu lassen. Seit-dem gibt es uns Christen, seitdem gibt es Kirche, uns! Wenn Menschen einander lieben, sich gegenseitig nicht betrüben, mit schenkenden offenen Händen den Ärmsten der Welt gerne spenden, sich nicht immer im Wege stehen und nicht aus dem Wege gehen, einander helfen und tragen, sogar ihre Ehre dran wagen, sich um die Arbeit nicht drücken, sich sputen, sich regen, sich bücken, dann spinnen sie nicht im geringsten, das ist vielmehr lediglich Pfingsten!

Sie könnten sich jetzt fragen: „Was hat denn die Turmbaugeschichte mit Pfingsten zu tun?“ Durch Gottes Geist wird der Menschheit ein Stück der Einheit, die sie damals in der Eben Schinar hatte, zurückgegeben. Gottes Geist machte es Petrus möglich, zu sprechen, so zu sprechen, dass er von allen, die damals in Jerusalem waren, verstanden worden ist. Sie erinnern sich vielleicht an die Aufzählung der vielen Völker: „Parther, Meder, Elamiter“ und so weiter. Gottes Geist machte die Zerstreuung rückgängig. In der Apostelgeschichte hört sich das dann so an: „Sie alle blieben ständig beisammen. ... Alle, die zum Glauben gekommen waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen.“ Das sind die Zustände in der sogenannten Urgemeinde in Jerusalem - und diese können uns täglich neu zum Ansporn werden. Amen.

Gebet

  • In der Bibel steht: „Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, damit wir uns einen Namen machen.“ Wir bitten dich, Gott, um Kraft, damit wir deinem Namen Ehre machen und ihn anrufen und von ihm her unsere Einheit Gemeinschaft suchen. Wir loben dich, Gott, für deinen großen, guten, heiligen Namen.
  • In der Bibel steht: „Lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe.“ Wir bitten dich, Gott, nimm dies zurück, was du damals in Babel getan hast. Schick deinen guten Geist in unsere Familien, in unsere Gemeinden, in unser Mahlsdorf, in unser Land, in unsere Völkerwelt, dass sie einander verstehen, weil sie dich lieben und ehren. Wir danken dir, dass du es einst hast Pfingsten werden lassen und dass du so einen neuen Anfang gemacht hast.
  • In der Bibel steht: „Niemand kann Jesus einen Herrn heißen außer durch den Heiligen Geist.“ Wir bitten dich, Gott, schick uns deinen Geist, damit wir Jesus als unseren Herrn erkennen, in ihm den Zugang zu dir finden und so gerettet werden. Wir loben dich für deinen Sohn und deinen Geist.
  • In der Bibel steht: „Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist.“ Wir bitten dich, Gott, lass uns in den vielerlei Menschen und ihren Begabungen deinen guten Geist erkennen, der so vielfältig ist, weil er so groß ist und nicht in einer Gabe gefasst werden kann. Wir danken dir für die Vielfalt der Gaben in deiner Gemeinde, die für dich zeugt.

Vaterunser

Lasst uns beten mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Der Herr segnet uns und behütet uns; der Herr lässt sein Angesicht leuchten über uns und ist uns gnädig; der Herr hebt sein Angesicht über uns und gibt uns Frieden. Amen.

Musik zum Ausgang

Léon Boëllmann (1862-1897)
Menuet gothique

Glockengeläut


Kollekte

31. Mai 2020 – Pfingstsonntag

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Prädikant Holger Brose

Datum: 
Sonntag, 31. Mai 2020