Andacht zum Pfingstmontag am 1. Juni 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Gottfried Walther (1684-1748)
Conerto del Sigonore Vivaldi h-Moll
1. Satz – Allegro

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 118

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
               O Herr, hilf!
               O Herr, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch vom Haus des Herrn.
               Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.
               Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
               Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Herr, unser Gott, an Pfingsten fing es mit deiner Kirche an!
Aus vielen Einzelnen hast du deine Gemeinde gebaut, die an dich glaubt, dich ehrt und bekennt.
Lass das auch heute, lass das auch bei uns wieder so geschehen.
Führe uns aus der Vereinzelung und inneren Vereinsamung heraus! Durch deinen Geist verbinde uns, dass wir zusammen dich hören; dass wir aufeinander hören, und gemeinsam deine Güte preisen
durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen.

Predigttext

Der Predigttext des heutigen Pfingstmontags steht bei Johannes im 20. Kapitel (V. 19-23):

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 
Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Musik

Johann Gottfried Walther (1684-1748)
Conerto del Sigonore Vivaldi h-Moll
2. Satz – Adagio

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!
Meinungsforscher haben herausgefunden, dass wir Menschen auf Neues - vor allem, wenn dies Neue uns verunsichert - überraschend ähnlich reagieren.
Und zwar reagieren wir - und oft zum Schaden in der Politik, Forschung und Familie und oft zum Schaden für uns selbst - wir reagieren so, dass wir zunächst die Nachrichten, die Botschaften leugnen.  Überlegen Sie doch einmal zurück an den Tag, an dem sie das erste Mal etwas von Corona gehört haben.
Zuerst haben wir doch alle gesagt: Das ist doch nicht so schlimm! – und vor allem weit weg.
Wir vermeiden die Auseinandersetzung mit solchen Botschaften, indem wir einfach die Boten - damals das Fernsehen verdächtigen.  Wir ziehen ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel und mit den Boten drängen wir die Botschaft aus unserem Gesichtskreis.
Dann kommt die zweite Phase; und in dieser zweiten Phase lassen wir die Nachricht zögernd an uns heran:  Es könnte vielleicht doch etwas dran sein…“
Erst in einer dritten Phase beginnen wir im Sinne der Mitteilung Veränderungen in unserem Leben zuzulassen, beginnen wir uns an die Botschaft und an die neue Situation zu gewöhnen.
Die zunächst empfohlenen und später verordneten Schutzmaßnahmen haben wir alle befolgt.
Geht es uns mit der Osterbotschaft nicht sehr ähnlich?
Es ist jetzt 50 Tage her dass wir es wieder gehört haben:
„Der Herr ist auferstanden“ und „Christ ist erstanden von der Marter alle…“
In welcher Phase befinden wir uns heute mit dieser Osterbotschaft?
Unser Predigttext aus dem Johannesevangelium zeigt uns die Jünger zunächst noch in der ersten Phase.  Sie wollen nichts hören und sehen.
Die Welt ist ihnen mit dem schwarzen Karfreitag unerträglich geworden.
Sie sind dem Anblick von Blut und Soldaten davongelaufen.
An der Seite Jesu hatten sie auf mehr Leben gesetzt, nicht darauf, dass ihnen das Leben in einem undurchsichtigen religiösen und politischen Machtkampf genommen werden könnte.
Und so haben sie ihr Leben hinter verschlossenen Türen in Sicherheit zu bringen versucht.
Die Botschaft vom leeren Grab ist durch diese verschlossenen Türen gedrungen, aber dem Gerede der Frauen haben sie keine Bedeutung beigelegt.
So sitzen die Jünger beisammen, verbunden durch ein Stück nachhaltiger gemeinsamer Geschichte und vor allem jetzt verbunden durch die Angst vor Verfolgung.
„Angst vor den Juden" hätten sie gehabt, sagt unser Text. 
Hier hat das Johannesevangelium- so wissen wir heute - die Angst der eigenen Zeit eingetragen. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. hatten sich Kirche und Synagoge getrennt - und die Juden waren für die Christen Feinde geworden.
Und doch war auch damals unbestreitbar wahr, dass Jesus, dass seine Jünger; dass unzählig viele Christen Juden waren und kein Volk ohne Verbrecher ist.
Ja, nicht nur jedes Volk, in jedem Manschen lauert Verbrecherisches.
Und dieses Böse in uns teilt nicht nur Schläge gegen andere aus, es schlägt uns selbst.
Jeder - der andere verletzt, verletzt auch das eigene Leben.
Die Jünger die sich vor ihren Feinden verriegeln, legen auch den Riegel vor den Fluss ihres eigenen Lebens.
Nichts geschieht mehr, nichts entwickelt sich. Sie hocken da, als wären sie schon tot.
Und dann geschieht etwas, das sehr schwer vermittelbar ist.
Er, der schon einmal sie in neues Leben holte, Er ist plötzlich wieder da.
Er, der Totgeglaubte, tritt wieder in ihr Leben ein.
So eigentümlich die Ostererscheinungen und  -erfahrungen der Jünger anmuten, ich denke, viele von uns haben irgendwann und irgendwo schon Vergleichbares erlebt.
Bildkräftig heißt es in unserem Predigttext:
"Er zeigte ihnen seine Hände, und seine Seite.“
Die Wunden, die Einschlagstellen der Henker, die tödlichen Verletzungen, die die Jünger nicht sehen konnten, vor denen sie davonliefen - der Herr zeigt sie ihnen nun.
Und jetzt laufen sie nicht mehr davon, jetzt lassen sie das ganze Elend an sich heran - jetzt, wo es ausgestanden und überstanden ist.
Sie können zögernd das Wort ''Friede sei mit euch“ hören, das der Auferstandene ihnen sagt, wiederholt sagt.
Sie spüren, wie darüber wieder Leben in sie hineinkommt.
Die Jünger sehen Ihn, ihren Herrn wieder heil, in seinen und trotz seinen tödlichen Wunden.
Das Leben aus Gott ist stärker als alles, was Menschen einander sich antun können.
Das Wunder der Auferstehung ist das Geschenk einer neuen Sehweise.
Die Jünger wurden wieder froh.
„Nehmt hin den heiligen Geist“ hören sie dann. Wie Gott durch den Sohn aus Nazareth sprach, so will der Sohn nun durch die Gestalt der Jünger sprechen.
Wie der Vater den Sohn, so sendet der Sohn nun die Geschwister.
Es gibt eine Unzahl von verschlossenen Türen - hinter denen Menschen in Angst und Schuld verkümmern - durch die österlicher Friede eindringen soll!
Und alle Engpässe, Entmutigungen, Kämpfe auf diesem Weg, das zeigt der Auferstandene den Jüngern, sind weit davon entfernt, das Leben zu zerstören.
Und die Angst, die sich weigert, diesen Weg zu gehen – sie will die österliche Zeit zu einem Hebel wandeln, der das ganze Elend unserer Schwerfälligkeit aufzuheben vermag.
Auf diesem Geist liegt alle Verheißung, auf diesem Widerschein Christi in seinen Jüngern.
Und die Menschen hinter den unzähligen verschlossenen Türen werden diesen Widerschein sehen, wo sie die Zeugen einlassen.
Aber den Zeugen selbst - in der dritten Phase - die durch die Botschaft der Auferstehung Veränderungen in ihrem Leben zulassen, - ihnen ist dieser Widerschein verborgen.
So viele Menschen auf der Erde strahlen Gott aus, seinen Frieden, ohne es zu wissen. - ja vielleicht ohne das sie wagen, daran zu glauben.
Es gibt keinen Spiegel, in dem wir unsere Ausstrahlung sehen könnten.
Doch spricht das gegen uns und den Widerschein Christi?
Der Auferstandene wertet es anders:
„Selig sind“, sagt er, „die nicht sehen und doch glauben.“
Es gibt die Seligkeit der Zeugen, die sich und was sie von sich wahrnehmen irgendwann loslassen können – die vertrauen, grenzenlos vertrauen lernen.
Der Auferstandene lädt uns alle zu solchem Vertrauen ein.
Und es gibt ja keine verschlossenen Türen, durch die Gott uns nicht weit entgegenkommt.
Amen.

Fürbittengebet

Wir ahnen Gott, dass du uns mit deinem guten Geist begabt hast.
Warum soll uns bange sein vor dem, was uns umtreibt?
Wir fühlen uns oft allein, ratlos, wenn wir vor dem Berg von Übeln stehen, die die Welt umklammern. Verzagt sind wir.
Doch du erfrischt unseren Mut mit deinen guten Gaben, die du reichlich auf uns, auf alle deine Geschöpfe ausgeschüttet hast.
Gott, dein Geist stellt uns in weiten Raum. Wir sind nicht allein - gemeinsam wollen wir nach guten Wegen für eine dir gemäße Welt suchen, wo Gerechtigkeit ist, wo Friede sich durchsetzt, wo deine Schöpfung befreit atmen kann.
Neues Leben ist möglich, Altes kann überwunden werden.
Es gibt Veränderung, ja Veränderung auch in unseren Gemeinden.
Gott, du hast die ersten Gemeinden begeistert Komm und reiß uns mit, stoß uns an. Wir brauchen deinen Geist.
Lass dabei unsere Ahnung zur Gewissheit des Glaubens werden, dass wir andere anstecken können, dass unsere Sinne sich öffnen für die Bewältigung von Angst und Enge.
Dass wir sie spüren, die Begeisterung von Pfingsten, unsere Begabung, die du uns schenkst. Darum bitten wir dich, guter Geist mit den Worten, die uns Jesus Christus gelehrt hat zu beten:

Vaterunser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Johann Gottfried Walther (1684-1748)
Conerto del Sigonore Vivaldi h-Moll
3. Satz - Vivace


Kollekte

1. Juni 2020 – Pfingstmontag

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Montag, 1. Juni 2020