Andacht zum Sonntag Jubilate am 3. Mai 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Ansprache: Prädikant Brose
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869), Prélude

liturgischer Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

biblisches Votum (2Kor 517)

Das biblische Votum, der Spruch für die neue, heute beginnende Woche steht im zweiten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Psalmvers

Halleluja! Preist Gott in seinem Heiligtum! Lobt Gott, den Mächtigen im Himmel! Alles, was atmet, soll Gott rühmen! Halleluja! (Ps 1501a.6 GNB) Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja! (Lk 246a.34)

Gebet des Tages

Lasst und beten: Als Rankenwerk an Jesu weit verzweigtem Stamm - uns so zu sehen, lädt der Bibelvers uns ein. Du, der Winzer, Gott, der früh bestimmt, was bleibt, der schneidet, düngt und pflegt. Gib Saft uns Reben, die wir als Gemeinde aus einer Quelle leben. Füge uns zusammen im Hören, Singen, Beten und Jubeln. Amen.

Lesung (Joh 151-8)

Hören Sie auf das Evangelium zum Sonntag Jubilate, aufgeschrieben bei Johannes im 15. Kapitel:

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Ansprache

Jesus ersann Gleichnisse, benutzte Bilder, die er seiner Umwelt entnahm, die gemeinsame Erfahrungen seiner Mitmenschen voraussetzte - das macht sie so lebendig und verständlich.

Wenn wir uns in Mahlsdorf, Waldesruh oder wo immer Sie dieser Andacht lauschen, umsehen, erblicken wir die Herrlichkeit der erwachenden Natur. Noch mit rotem Köpfchen öffnet sich das Gänseblümchen der Sonne, um dann weiß zu strahlen. Die Kirschen stehen in voller, prachtvoller, österlich weißer Blüte. Die Apfelbäume blühen und locken mit seichtem Rosenduft Bienen und Hummeln an. Der Wein ist noch nicht so weit - nein. Auch der wilde Wein an unserem Pfarrhaus ist noch ohne Grün; die Ranken, die Reben hängen noch winterlich abgetakelt an der Wand. Wir können die Blattknospen aber beobachten - täglich wachsen sie mehr und mehr. Bald werden sich auch hier die Blätter entwickeln - weil, ja weil sie mit der ganzen Pflanze verbunden sind - mit der Wurzel. Ohne Wurzeln blühte kein Apfel, kein Kirschbaum und kein Gänseblümchen, gäbe es auch keine Bienen und Hummeln. Jesus' Bild vom Weinstock ist zwar 2.000 Jahre alt, aber lange nicht veraltet. Das ist es, was die Worte Jesu bis heute ausmacht.

Was Jesus uns sagen will mit diesem schönen Bildwort, ist nicht verborgen, sondern ganz klar und einfach zu verstehen - es bräuchte vielleicht gar keiner Auslegung: Wenn wir Blätter, Blüten und Früchte bringen wollen, müssen wir mit der Pflanze, dem Stamm, der Wurzel verbunden bleiben. Jesus spricht uns Gläubigen das geistlich zu: wer seine Wurzel vergisst, missachtet, sich von ihr trennt, wird nicht leben, wird keine Knospen, Blätter, Blüten und Früchte bringen. Unser Gärtner ist Gott - aus Liebe hat Gott alles erschaffen, auch uns Menschen. Gott wollte uns Menschen als Gegenüber. Gott hat uns in Jesus den Stamm gegeben, an dem wir uns aufrichten können, der uns Halt gibt und Nahrung von der Wurzel weitergibt. Ohne den Gärtner gäbe es uns nicht und ohne Stamm und Wurzeln sind wir nichts.

Auch für Nicht-Gläubige kann das Bildwort gut verständlich sein. Vor 2.000 Jahren wird es prozentual weniger Atheisten gegeben haben, aber gegeben hat es sie. Wer als Atheist seine Wurzeln vergisst - die Natur, die Erde, den Kosmos - wer meint, sich davon lösen oder abheben zu können, der wird letztlich auch nicht lebensfähig sein.

Vielleicht wird Gott - im Bild der Weingärtner - Reben abschneiden, die Pflanzen verziehen, düngen und gießen und der Gärtner sieht einer Knospe an, ob sie blühen wird oder nicht - beim Apfelbaum zum Beispiel sind die Blütenknospen runder als die Blattknospen. Wenn der Gärtner gute Früchte haben will, wird er dafür sorgen, dass die Fruchtknospen genug Licht und Wasser bekommen. Ob es so brutal ist, wie es sich anhört, wenn Jesus sagt, dass der Weingärtner die Reben, die keine Frucht bringen entfernt, sie fortwirft und vertrocknen lässt um sie im Feuer zu verbrennen, weiß ich nicht. Als Gärtner muss er das tun. Denn sonst wären die verblieben Früchte zu klein und würden nicht genug wachsen können. Meine Vorstellung von Gott ist die des liebenden Vaters, der mich auch mag, wenn ich einmal keine Frucht bringe.

Jesus sieht das anders. Unser geistliches Licht, unser Lebensmittel sind solche Worte Jesu. Wenn wir davon genug haben und uns Gottes fleißige Bienchen helfen, dann können wir große, reife Früchte werden, Früchte, die auch anderen Lust machen auf Gott und Jesus.

Biblisches Wort, beständiges Festhalten an Stamm und Wurzel, liebevolle Pflege Gottes, das kann uns dazu helfen, gute, reife Frucht zu bringen, etwas für unsere Mitmenschen zu tun - ob Atheist oder nicht. Lasst uns nicht nur meckern über die schlimmen Zeiten, in denen wir leben - lasst uns mit Jesus als Stamm und Wurzel und Gott als Gärtner Gutes bewirken - nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten - jetzt vielleicht mehr denn je. Nicht jeder von uns muss die Welt alleine retten, wir sind eine ganze Menge von Beeren in einer Traube an Gottes Pflanze, wir sind viele Früchte am großen, wahren, weltweiten Weinstock Jesus. Wir sollten uns aufeinander verlasen können, vor allem aber können wir uns auf Jesus verlassen, auf Gott.

Wenn wir in Mahlsdorf, Waldesruh und anderswo reiche Frucht bringen, zeigen wir der Welt etwas von Gottes Liebe; Herrlichkeit, hat Jesus gesagt. Auch ein schönes Wort - herrlich.

Und der Friede Gottes, der umfassender ist, als unser Denken verstehen kann, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Orgelmusik

Théodore Dubois (1837-1924), Cantiléne religieuse

Gebet

Unser Gott, werden sie uns nachgehen die Bilder vom Weinberg? Werden wir uns erkennen als Gemeinde, deren Reben an einem Stamme wachsen? Wozu hast du mich geschaffen? Als Rebe, fruchtbegabt oder unbrauchbar? Als Mensch, „mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt“? (Ps 86) Möge der Wochenspruch mich heiter stimmen: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Amen.

Vaterunser

Lasst uns beten mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensworte

Der Herr segne dich und er behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869), Verset F-Dur

Glockengeläut


Kollekte

3. Mai 2020 – Sonntag Jubilate

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Prädikant Holger Brose

Datum: 
Sonntag, 3. Mai 2020