Andacht zum Sonntag Kantate am 10. Mai 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Jabs
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) - Cantilene F-Dur

Grußwort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hlg. Geistes. Amen

Tagesgebet

Du wunderbarer Gott, wir singen dir aus Dank für deine Güte, aus Freude an diesem Tag und aus Lust, miteinander in Einklang zu kommen. Wir singen dein Lob in glücklichen Zeiten, wir klammern uns an den Trost der Lieder, wenn unser Herz schwer ist. Wir können Dir unsere Nöte klagen in Psalmen und Liedern.

Wir protestieren mit dem Lob deiner Barmherzigkeit gegen die Unbarmherzigkeit in unserer Welt. Gott, höre alles, was wir mit in die Töne legen. Vergib uns unsere Lieder des Hochmuts und des Jammers sooft wir vergaßen, was du für uns getan hast. Mit tausenden Genrationen und Gemeinden unserer Zeit bringen uns die Worte des Wochenpsalmes in Einklang:

Psalm 98:

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. 2 Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. 3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. 4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! 5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! 6 Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! 7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich 9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. Amen

Predigttext: 2. Chronik 5,2-14

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. 7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. 11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Orgelmusik

Gordon Young (1919-1998) - Aria

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde,

mit dieser Anrede ist das Wesentliche zum Predigttext schon gesagt. Gemeinde. Oder in den Worten der Chronik: Versammlung.

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.

Alle werden versammelt zum großen Fest. Das ist der Erinnerung wert.

Wir können uns zur Zeit nur in kleinem Kreis versammeln. Wir feiern lieber kein großes Fest und singen ist ganz und gar verboten. Der Chor ist heute am Sonntag Kantante – Singet – nicht hier und die Konfirmation Pfingsten wird verschoben. Einige bleiben auch lieber zu Hause. Das Risiko für sie ist zu groß, falls sie angesteckt werden.

Einer ist zum Beispiel Kuno Göing. Er kann nicht kommen, doch er denkt so gern an unsere Feiern. Darum hat er sich zu Hause hingesetzt und eine kleine Chronik zu unseren Glocken geschrieben. Wenn wir Ihnen wieder Dinge in die Hand drücken dürfen, dann können Sie das Heftchen mit nach Hause nehmen.

Genau so ist auch unser Predigttext entstanden. Männer, die die Versammlung der Gemeinde liebten, förderten, organisierten, lebten in einer Zeit ohne Tempel. Sie konnten nicht selbst feiern. Sie sammelten und verfassten und ordneten eine Chronik. In der Mitte Ihres Werkes haben sie die Weihe des Tempels gestellt. Die schönste Erinnerung Ihres Volkes und die größte Hoffnung ihrer Zeit. So wurde die Gemeinde einst versammelt und feierte großartige Feste. Diese ganze Gemeinde wird einst wieder versammelt werden und feiern Fest um Fest.

Also 1. Liebe Gemeinde wir haben schon großartig miteinander gefeiert und wir werden wieder versammelt werden, singen, musizieren, feiern. Jetzt ist klar, was wir sind als Gemeinde. Menschen, die gemeinsam feiern.

So kann ich gleich auf eine zweite Frage antworten: Wer sind wir als Gemeinde?

Das scheint ganz einfach zu sein: Die miteinander feiern. Doch da geht es schon los. Wir werden auch wieder Abendmahl feiern. Dazu sind eingeladen alle Gemeindeglieder im Vollbesitz kirchlicher Rechte. Ob das Menschen ausschließt und wen, will ich heute nicht erörtern. Viel häufiger geschieht etwas anderes. Es sind Menschen im Gottesdienst, die selten kommen. Sie gehören zur Gemeinde, sie sind im Vollbesitz kirchlicher Rechte. Dann beginnt die Abendmahlsliturgie. Sie kommen selten, sie haben diese Liturgie nie richtig auswendig gelernt und erst recht nicht regelmäßig wiederholt. Sie fühlen sich unwohl: „Ich kann das nicht.“  Manche hält es davon ab, nach vorn zu kommen. Regelmäßig, fast jeden Sonntag geschieht es, dass jemand mit unserer Liturgie nicht vertraut ist. Das gemeinsame Singen,  die liturgische Teile auswendig, die Lieder aus dem Gesangbuch, das kann sie oder er nicht mitfeiern. Für uns Gottesdienstkenner*innen ist es schöner. Und doch kann gerade die Musik, die Orgel mit Musikstück oder Lied und erst recht der Chor einstimmen mitreißen anstecken mit Freude oder Trost, still lächeln lassen oder das Herz schneller schlagen. Ja wir wollen als Gottesdienstkenner, diese Freude weitergeben, teilen anstecken.

Genau dazu ermuntert uns der Text der Chronik. Wer ist Gemeinde?

Zu Beginn nur: alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem,

Also alle, die sich auskennen.

Doch schon einen Vers weiter:

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, ...

Und das ganze Werk der Chronisten lässt die Gemeinde Israel über sich hinauswachsen. Alle Männer Israels, alle Israeliten also auch Frauen und dann sogar alle Fremden, die als Gäste in Israel leben. Sie alle sind willkommen. In einer Zeit, in der sich manche Israeliten ganz verschlossen gegen alles Fremde, lassen diese Chronisten Ihre Chronik der Feste Gottes mit Adam beginnen, mit dem Gott der alle Menschen geschaffen hat und einlädt seine Schöpfung das Leben gemeinsam zu feiern. 

Also 1. Was ist Gemeinde?

Menschen die versammelt werden, die gemeinsam feiern.

Und 2. Wer ist Gemeinde?

Die regelmäßig feiern und sich auskennen laden alle ein, das Leben, Gottes großes Geschenk gemeinsam zu feiern.

3. Wir werden versammelt.

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels

Salomo versammelte. Ein Mensch lädt ein, damit die anderen kommen. Sie feiern, spielen und singen bis es heißt: Und es war, ..., als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. ...; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Das kennen wir alle von unseren Familienfeiern. Wir werden versammelt, weil eine oder einer oder auch zwei gemeinsam einladen. Wenn es die nicht gibt, dann kommt die ganze Familie auch nicht zusammen. Es braucht diese Menschen, die einladen.

Doch dass wir versammelt werden und irgendwann wie mit einer Stimme sprechen, dafür sorgt allein die Liebe, die Beziehung, das Vertrauen, der Anstand, alles das, was uns miteinander schon immer verbindet. Dazu gehören die Erfahrungen der vergangenen gemeinsamen Feiern, das erfahrene Vertrauen und die geschenkte Liebe. Alles das sind Beschreibungen der Herrlichkeit Gottes. Gott ist der, der verbindet. So schafft er Leben, denn schon rein biologisch, wissenschaftlich ist Leben zuallererst Verbindung. Gott verbindet Atome zu Molekülen, Moleküle zu Organismen, wie den eines Menschen. Gott verbindet Menschen zu Familien, Familien zu Völkern, Völker zur Völkergemeinschaft. Besonders gern versammelt er uns als Gemeinde, die feiert.

Zu Zeiten der Chronisten als jüdische Synagogen. Dieses Wort Synagoge heißt auch nur Versammlung. In unserer Zeit versammelt er uns auch in christlichen Gemeinden, ja sogar im Internet zu virtuellen Gemeinschaften. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sage.

 

Doch auch das wird einmal der Erinnerung wert sein. Wie wir auch in dieser Zeit versammelt wurden durch Gott von Menschen wie Kuno Göing, der uns eine kleine Chronik schrieb und wie Dr. Joachim Hübener, der all dies ins Internet stellt seit Wochen.

Lasst uns mit den Chronisten einstimmen in das Lob Gottes: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«.

Gottes Güte und Barmherzigkeit schenkt uns sinnvolles, wundervolles, gutes Leben. ER sammelt uns ob im Tempel oder in Synagogen, ob mit Kirche oder ohne vor Radio, Fernsehen oder Computer. Er versammelt uns, das Leben zu feiern und das macht unser Leben wertvoll. Amen

Gebet

Neue und alte Lieder wollen wir dir singen, o Gott, denn unser Glaube lebt in diesen Liedern, die wir dir singen, als deine Gemeinde.

Doch noch müssen wir leben in dieser Zeit, ohne gemeinsam zu singen hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.

Aber unser Gebet können wir dir sagen, gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen, was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind oder im Sterben liegen.

Und für die Menschen, die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind um ihren Lebensunterhalt.

Und für die Menschen, die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern, offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen, so bitten wir dich: Versammle uns wieder und komm in unsere Mitte, du unser Gott!

Vaterunser

Vater unser im Himmel! 

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,

der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869) - Fugue

Glockengeläut


Kollekte

10. Mai 2020 – Sonntag Kantate

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 10. Mai 2020