Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti am 19. April 2020

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Mitwirkende

Glockengeläut: Michael Schüssler
Orgelvorspiel: Tobias Berndt
Grußwort-Lesung-Gebet: Pf. Jabs
Predigt: Pf. Jabs
Orgelzwischenspiel: Tobias Berndt
Gebet: Pf. Jabs
Orgelnachspiel: Tobias Berndt
Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Orgelvorspiel

Johann Christoph Kellner (1736-1803)
Choralvorspiel „Jesus meine Zuversicht“

Grußwort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hlg. Geistes. Amen

Tagesgebet

Herr Jesus Christus, du bist deinen Jüngern nach dem Tode lebendig erschienen. Du hast sie heraus aus Angst und Furcht zum Glauben geführt. Die Freude an Deiner Auferstehung geht uns allzu oft verloren. Unsere Befreiung zu neuem Leben nehmen wir viel zu selten wahr und ernst im Alltag. Wir bitten dich: Mach auch uns deiner Gegenwart gewiss und erneuere unsere Freude immer wieder. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen

Lesung und Predigttext

Jesaja 40, 26-31

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du Israel sagst: "Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber"? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde,

ein Mann war müde geworden in den vergangenen Tagen. Seine Mutter kam ins Krankenhaus. Die Diagnose war eindeutig. Diese Krankheit wird sie nicht überleben. Eine Operation will sie nicht mehr. Sie will noch leben die Zeit, die Ihr bleibt. Sie wurde wieder entlassen. Das alles ging so schnell. Er hatte den weiten Weg zur Mutter noch gar nicht schaffen können. Nachts konnte er schlecht schlafen. Alle möglichen Gedanken hielten ihn davon ab. Wie wird es sein, wenn er jetzt zu ihr fährt?

Er war da und es war gut. Sie hat ihn vollkommen überrascht.

„Das Du so ruhig sein kannst Mutter!“ 

mit diesem einen Satz drückte er sein ganzes Erstaunen aus.

Ja, sie war ruhig. Sie wollte mit ihm alles absprechen, welche Schritte zu gehen sind in den kommenden Wochen und schließlich in ihren letzten Tagen. Den Alltag organisieren, die Besuche planen. Das Finanzielle klären. Pflegestufe, Einkauf, Putzhilfe, Pflegedienst, in der Wohnung bleiben und gut umsorgt sein. Es gibt so viele Gedanken und Schritte die zu denken, zu planen und zu gehen sind. Doch ganz in Ruhe einer nach dem anderen.

Gestärkt fuhr er wieder nach Hause.

Ja, seine Mutter ist eine fromme Frau und ganz sicher gehört sie zu denen, die auf den Herrn harren, die neue Kraft kriegen, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Ich kenne auch Menschen, die nicht fromm sind und doch genau so ruhig und klar in schwierigen Situationen leben. Und es gibt auch fromme und gottlose, die nicht ruhig bleiben. Gott hat für uns alle aufschreiben lassen:

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

So ist Gott. Darum gilt es allen Menschen.

Unser Text ist der großartige Auftakt zu 15 Kapiteln Jesajabuch und der Beginn eines Glaubens, eines Vertrauens und einer Religionsgeschichte, die die ganze Welt verändert.

Es sind vor allem zwei Gedanken, die bis heute tragen.

1. Der Gott der diese gute Welt geschaffen hat, ist auch der Gott, der die Geschichte lenkt.

2. Er hat Menschen beauftragt, diese großartige Erfahrung aufzuschreiben, vorzulesen, weiterzusagen und immer neu fruchtbar zu machen in jeder neuen Gegenwart.

 

1. Der Gott der diese gute Welt geschaffen hat, ist auch der Gott, der die Geschichte lenkt.

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! So haben es die Menschen damals aufgeschrieben und weitergegeben. Viele Große und Kleine der Weltgeschichte haben so sehen gelernt.

Immanuel Kant zum Beispiel als er schrieb: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt oder im Überschwänglichen, außer meinem Gesichtskreise suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz. ...Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkte im Weltall) wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen.“

Wir kleinen sagen es anders und kennen es doch ebenso gut. Es gibt diese Momente für jede und jeden unter uns. Wir heben unsere Augen in die Höhe und wir sehen. Wir sehen die Großartigkeit dieser Schöpfung. Wir fühlen das Staunen in uns. Wir wollen diesen Moment für immer mit uns nehmen. Dazu brauchen wir Worte. Gott hat sie uns gegeben. Dazu komme ich dann in zweitens. Doch lassen sie uns noch ein wenig in diesem Staunen geborgen bleiben. Welch eine Ordnung im Weltall und welch ein Chaos. Unüberschaubar und gleichzeitig ganz regelmäßige Bahnen. Der Schöpfer von allem ist auch der, der es erhält, der es jeden Moment neu erschafft. Schritt für Schritt, ganz ruhig und gleichzeitig genial. Er lenkt alles in eine gute Bahn.

Das gilt nicht nur für den bestirnten Himmel über uns, sondern auch für mein kleines Leben und die Geschichte der Menschheit. Der die Sterne bewegt, hat mich mit Lebenskraft versehen, man weiß nicht wie. Doch dass er es hat, das ist offensichtlich und schenkt mir die tiefe Gewissheit in Bonhoeffers Glaubensbekenntnis einzustimmen:

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

2. Gott hat Menschen beauftragt, diese großartige Erfahrung aufzuschreiben, vorzulesen, weiterzusagen und immer neu fruchtbar zu machen in jeder neuen Gegenwart.

Angefangen hat diese Geschichte der Verkündigung mit den Menschen, denen wir das Buch Jesaja verdanken. Sie waren in eine entscheidende Situation der Geschichte ihres Volkes gestellt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du Israel sagst: "Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber"?

Der Weg Jakobs und Israels hatte sie zu dieser Zeit zum Teil ins Exil, zum Teil zurück nach Jerusalem geführt. Doch das Leben glich keineswegs dem Staunen über den Himmel. Die Welt drehte sich nicht um Jerusalem und nicht um die Menschen, die dort wohnten. Die Entscheidungen über ihr Leben fielen am persischen Königshof. Sie mussten sich fügen und hoffen und den nächsten Schritt denken, planen, tun.

Was war nur geworden aus dem Volk Gottes, aus Jakob, den Gott geschaffen hatte und Israel, dem Volk seines Eigentums?  Die Antwort war verblüffend einfach: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

Ja, sie sind müde jeden Abend in dieser halb zerstörten Stadt Jerusalem. Oft genug sind sie matt geworden und wollen nicht mehr. Sich nicht mehr anstrengen das aufzubauen von dem sie selbst kaum noch etwas haben werden außer ihrer Mühe. Nicht einmal einig sind sie sich dabei. In dieser Zeit erkennen einige: Gott ist bei denen, die auf ihn harren. Er will Jakob wieder aufrichten und Israel neu bauen und er will es die tun lassen, die auf ihn harren, hören und vertrauen. Allen wird es zu gute kommen und einige haben die Mühe. Doch genau das ist es wozu Gott sie berufen hat. Mit dieser Gewißheit ist ihr Leben gut, ja sehr gut. Es steht ja schon im Buch der Sprüche: denn das ist dein Teil am Leben und bei deiner Mühe, mit der du dich mühst unter der Sonne. 10 Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu;

Ihr Teil war es nun, das zu glauben, darauf zu vertrauen, zu arbeiten und es aufzuschreiben, vorzulesen und immer wieder weiterzusagen. Das eigene Leben bekam Kraft und Ziel und Schritt für Schritt kamen sie weiter.

So ist es geblieben zum Glück. Kant hat es so gehalten und Bonhoeffer und die Mutter seit sie aus dem Krankenhaus wieder zu Hause ist. Viele Verantwortliche in unserem Land halten es so. Es ist eine großartige Erfahrung, die jede und jeder kennt. Schritt für Schritt das seine tun. Gott gibt die Kraft dazu und oft auch das Gelingen. So ist unser Leben sinnvoll in Gesundheit und in Krankheit, als berufenes Volk oder als geschlagenes, in den erstaunlichen Stunden in denen wir in die Höhe sehen und auch in schwersten Momenten, mit gesenktem Blick. Der Gott, der diese wunderbare Welt geschaffen hat, lenkt auch unser Leben. Er lässt uns müde werden und matt und dann kriegen wir neue Kraft, dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler, dass wir laufen und nicht matt werden, dass wir wandeln und nicht müde werden Schritt für Schritt. Ich danke Gott, dass Menschen mir das aufgeschrieben haben und ich es weitersagen darf.           Amen

Orgel

Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869)
Andante in F-Dur

Gebet

Barmherziger, du Gott des Lebens, du verwandelst die Welt durch Liebe.
Du machst die Versöhnung stärker als den Hass.
Du machst die Hoffnung größer als die Trauer.
Du hast Macht über den Tod.
Um die Liebe, die diese Welt verwandelt, bitten wir dich.
Barmherziger, du Gott des Lebens.
Um Versöhnung, die diese Welt verwandelt, bitten wir dich.
Um Versöhnung, wo Menschen aufeinander schießen.
Um Versöhnung, wo mit Hass neuer Hass gesät wird.
Um Versöhnung, wo Streit jedes gute Wort vertreibt.
Um Versöhnung, wo ein neuer Anfang nötig ist.
Barmherziger, du Gott des Lebens.
Um Hoffnung, die dieser Welt neuen Atem gibt, bitten wir dich.
Um Hoffnung für alle, die ohne dich nicht leben wollen.
Barmherziger, du Gott des Lebens.
Quelle aller Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,
dir vertrauen wir unsere Kranken an.
Dir vertrauen wir unsere Trauernden an.
Dir vertrauen wir unsere Lieben an.
Auf dich hoffen wir heute und morgen und an allen Tagen.

VATERUNSER

Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgelnachspiel

Théodore Dubois (1837-1924)
Marcietta


Kollekte

19. April 2020 – Sonntag Quasimodogeniti

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

 

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 19. April 2020