Andacht zum Sonntag Rogate am 17. Mai 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Thomas Wildner

  • Orgel: Tobias Berndt

  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank Grützmann

  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener


Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Christoph Kellner (1736-1803)
Präludium C-Dur

Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der HERR ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott,  und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Gott der Güte, du bist die Quelle unseres Lebens, aus der wir reichlich schöpfen dürfen.

Lass uns bei dir bleiben – lass uns Ruhe finden und Glauben in der Gemeinschaft derer, die mit uns in der Gemeinde und in deiner weltweiten Kirche auf dem Wege sind.

Dieses bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Heilands, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Predigttext

Der Predigttext des heutigen Sonntags Rogate – zu deutsch: „Bittet oder Betet“ steht bei Matthäus im 6. Kapitel (V: 7-13):

 

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 

Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt. 

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.  Unser tägliches Brot gib uns heute. 

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Musik

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Choralvariationen über "Vater Unser im Himmelreich“

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

heute geht es um das Vaterunser.

Ich möchte versuchen, dieses Gebet der ganzen Christenheit mit ihnen zu meditieren:

 

Vater unser im Himmel

Vater bist du, Gott Jesu. Kein Herrscher. Kein Despot. Nicht ungreifbar, unnahbar. Ein Vater, der seinen Sohn, seine Tochter liebt. Zum Greifen nahe.

Vater bist du. Auch wie eine Mutter beschreibt dich die Bibel. Vater, Mutter, Eltern – im Himmel.

Wo aber ist der Himmel?  Der Wolkenhimmel über mir?

Eher schon der spürbare Himmel in mir. Himmel ist überall, wo du bist, Gott.

Nahe bei mir, zwischen uns, zwischen dieser und jener Welt. Wie kann ich dich spüren?

Vater unser im Himmel…

 

Dein Name werde geheiligt

»O mein Gott« – »Wie kannst du das zulassen?« – »Gott steh uns bei«: In der Not geht dein Name schnell über die Lippen.

Wie leicht ist es, nach dir zu rufen, um zu klagen und dich anzuklagen. Bei jedem Unheil.

Und ich darf auch klagen. Doch wie selten nenne ich deinen Namen, wenn alles heil ist und gut.

Wie schwer ist es, dich und deinen Namen zu loben, zu ehren, zu heiligen. Zu spüren, wie heilig, heilbringend, segnend du bist.

Wie kann ich dich loben?

Dein Name werde geheiligt …

 

Dein Reich komme

Deine Gerechtigkeit, dein Friede.

Nichts lieber als das. Und nichts ferner als das.

Dein Reich ist nicht von dieser Welt.

Hier herrschen Krieg und Unrecht. Hier herrschen Angst und Corona.

Wo ist dein Reich, woher soll es kommen? Enttäuschte Erwartung.

Und dennoch: Nichts anderes bleibt.

Nichts als genau darauf zu warten, darauf zuzugehen, auf dieses Friedensreich.

Es hat ja schon angefangen, mit Jesus, den Jüngern, den ersten Christen und mit uns.

Dein Reich auf dieser Welt.

Beginnt, wo ich beginne … Wo kann ich anfangen?

Dein Reich komme …

 

Dein Wille geschehe

Soll das dein Wille sein? Kriege, Krisen, Krankheiten? Ist es dein Wille, wenn ich leiden muss und andere und alle Kreatur?

Nein, dein Wille ist nicht das Leid sondern die Liebe. Dieser Wille soll geschehen. Dein Liebeswille.

Durch mich kann er geschehen.

Einen freien Willen hast du mir gegeben.

Und die Bibel sagt tausendfach, was du von mir willst.

Zum Beispiel Micha: »Es ist dir gesagt, Mensch, was Gott von dir fordert – Liebe üben …«

Was willst du von mir?

Dein Wille geschehe – überall, im Himmel wie auf Erden …

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

Wer hungert, muss um Brot beten.

Zu viele, die das täglich tun, die ums Überleben bitten und betteln müssen.

Ich habe Brot und viel mehr als das.

Lebensmittel im Überfluss. Luxusmittel.

Und doch habe ich Hunger.

Nach dem, was ich noch zum Leben brauche.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …«

Ich lebe von so vielem mehr.

Von Zuneigung und Zärtlichkeit.

Von einem liebevollen Wort.

Was brauche ich zum Leben?

Unser tägliches Brot gib uns heute …

 

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

»Der, die ist schuld«, das sage ich gerne –

»Ich bin schuld«, nur ungern.

Wer steht schon gerne ein für das, was er getan hat, jemandem angetan?

Wer will schuld sein, wenn jemand verletzt wird mit Worten und Taten?

Wer ist schuld an Terror und Krieg?

Wer ist schuld, wenn die Infektionsrate wieder seigt? Schuld sind immer die anderen.

Doch wenn ich ständig sage: »Der ist schuld oder die …« dann gebe ich Schuld nur weiter.

Erst wenn ich sagen kann: »Ich habe Schuld« kann sie mir jemand abnehmen.

So mach mich frei, um andere zu befreien.

Wem habe ich zu vergeben?

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern …

 

Und führe uns nicht in Versuchung

Kannst du mich in die Irre führen, in Gefahr bringen wollen? Manchmal kommt es mir so vor.

Da reitet mich der Teufel, wie Jesus in der Wüste. Dann bin ich versucht, mich auszuleben, ohne Regeln. 

Alles im Leben mitzunehmen, ohne Rücksicht. Manchmal gehe ich in die Irre, wie der verlorene Sohn.

Und du lässt mich gehen, lässt mich bewähren. Führst mich da nicht hinein, aber auch nicht heraus. Nur wenn ich dich darum bitte, dann bist du da. Darum führe mich nicht in Versuchung, aber führe mich in der Versuchung.

Lass mich Wege, Irrwege und Rückwege finden wie ein verlorener Sohn. Wie finde ich zu dir?

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen

Wie erlösend wäre es, den Irrwegen, den Gefahren, dem Bösen öfter widerstehen zu können.

Erlöse mich.

Mach mich los – von dem Bösen in mir, in dem, was ich so dahinsage und anderen antue.

Mach mich los – von dem Bösen, das mir angetan wird und mir begegnet.

Mach alle Menschen los, von Bosheit, Lüge und Gewalt. Wie befreie ich das Gute in mir?

Erlöse uns von dem Bösen …

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Dieser Vers ist ein Abschluss nach jüdischer Sitte.

Die Gemeinde bestätigt die Bitten des Vorbeters.

Die 7 Bitten des Vaterunser kann ich nur vor einen Schöpfer bringen, von dem ich weiß und spüre: Gottes Bereich erstreckt sich über diese und jene Welt, seine Kraft geht über alle Menschenkräfte, ihre Herrlichkeit geht über alle Menschenherrlichkeit.

So bekennen es Menschen seit langer Zeit und an allen Enden der Erde.

Darum sprechen wir es alle miteinander:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Gebet

Lasset uns beten:

Gott, du Schöpfer und Erhalter unserer Welt, wenn wir dich bitten, wird die enge Welt unserer eigenen Wünsche weit und offen für das, was du mit uns vorhast.

Wir bitten dich, mach uns hellhörig für alle Freude und Dankbarkeit in deiner Schöpfung und für alle Sehnsucht nach Freiheit und Leben.

Öffne unsere Ohren für Klagen der Einsamen, für die Enttäuschung derer, die Hunger nach Liebe haben, die Fragen derer, die erziehen und führen sollen, für die Bitterkeit derer, die keinen Sinn im Leben mehr sehen.

Öffne unsere Augen, damit wir erkennen, wo du auf unsere Hilfe wartest.

Du hast deine Gemeinde gegründet und durch die Jahrtausende erhalten, damit deine ganze Schöpfung von dir erhört und bewahrt wird.

Du hast uns den Geist der Wahrheit versprochen, damit wir sehen, was du durch uns tun willst.

Du hast uns Christus, unseren Bruder, gegeben, damit wir von ihm angestiftet werden zu einem Leben in Geschwisterlichkeit.

Du willst, dass allen Menschen geholfen werde.

Und so beten wir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Ausgangsmusik

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
„Nun danket alle Gott“


Kollekte

17. Mai 2020 – Sonntag Rogate

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 17. Mai 2020