Andacht zum Sonntag Trinitatis am 7. Juni 2020

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Mitwirkende

  • Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgel: Tobias Berndt
  • Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Jabs
  • Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Johann Gottfried Walther (1684-1748)
Choralvorspiel über „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.   Amen

Psalm 113

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! 2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! 3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN! 4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. 5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe, 6 der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; 7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, 8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; 9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Wir feiern heute Trinitatis, das Fest der Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Zu diesem Gott bekennen wir uns. Gott ein Wesen und drei Personen, so ist es einst festgelegt worden. Seit dem haben die Begriffe Ihre Bedeutung verändert. Heute würden wir eher sagen: Gott eine Person und drei Rollen. Der Vater sorgt für seine Schöpfung und unser Leben. Der Sohn hat als Mensch und Vorbild der Liebe und Zuwendung gelebt und will sich durch uns anderen auch heute zuwenden. Der Geist, der uns erfüllt mit Fürsorge, Liebe, Zuwendung, der uns inspiriert zu menschlichen Gedanken und Entscheidungen. Der uns ermahnt und warnt vor eigenen falschen Wegen.

Drei Rollen, die Gott ausfüllt um uns zu lieben.

Predigttext: 4. Mose 6,22-27

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
24 Der HERR segne dich und behüte dich;
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Lasst uns Gott loben mit dem Bekenntnis unseres Glaubens an den Vater, den Sohn und den heiligen Geist.

Glaubensbekenntnis

Orgelmusik

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Choralvorspiel über „ Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 647

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

das ist das wichtigste von allem: dass der Segen zugesprochen und gehört wird, dass Sie mit dem Segen Gottes gehen und leben.

Das ist wirklich das Wichtigste: dass ich Ihnen am Schluss den Segen zuspreche und Sie gesegnet ins Leben gehen.

Wenn wir zuvor über den Segen als Predigttext nachdenken, ihn gliedern und im Einzenen befragen, dann hat das auch sein Recht. In der Tat, es gibt eine Reihe von Fragen, zu denen die drei Verse zu hören und zu bedenken sind. Aber wichtiger, viel wichtiger ist, dass Sie den Segen am Ende hören und mitnehmen und gesegnet leben.

Ein paar Fragen an den Segen als Predigttext! Ich nenne die wichtigsten: Wer? Wem? Wann? Wo und Wozu?

Gehen wir die Fragen der Reihe nach durch. Zuerst die Frage: Wer spricht den Segen?

„Aaronitischer Segen“ heißt dieser Segen. Nach der biblischen Überlieferung im 4. Buch Mose gibt Gott der Herr dem Mose die Anweisung an dessen Bruder Aaron:

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
24 Der HERR segne dich und behüte dich;
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Wer segnet?

Ein priesterlicher Segen ist das, denn Aaron und seine Söhne waren die Priester im alten Israel. Bis heute ist es im Judentum im orthodoxen Synagogengottesdienst so, dass nur die „Nachfahren“ der Priester den Segen sprechen dürfen, also Männer mit dem Nachnamen Cohen (Cohen = Priester) oder Kohn (oder Katz, o.ä.).

Ein Segen des Priesters ist es also. So spricht im Gottesdienst der Pfarrer, die Pfarrerin am Schluss den Segen. Doch wenn wir das Neue Testament und Luther ernst nehmen, dass wie allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht sind, dann kann und darf diesen Segen jeder, „der aus der Taufe gekrochen ist“, einer dem anderen zusprechen: „Der Herr segne dich und behüte dich ...“!

Wem? Wem gilt der Segen? - ist die Frage, die sich anschließt. Die biblische Antwort und der Auftrag Gottes sind eindeutig: dem Volk Israel gilt der Segen! „So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: … Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Der Segen gilt dem Volk Israel. In der christlichen Kirche gilt er nicht ohne oder gegen Israel, sondern nur so, dass sich die Christen in dem Juden Jesus von Nazareth mit Israel mitgesegnet wissen. In die Verheißung für dieses Volk sind wir Christen durch Christus eingebunden; damit aber auch in die Verpflichtung vor dem gemeinsamen Gott.

Der Segen gilt dem Volk, den Israeliten, der Gemeinde - und dem einzelnen Menschen in der großen Gemeinschaft. Das „dich“ und „dir“ in diesem Segen ist nach dem hebräischen Sprachgebrauch eine kollektive Anrede. Sie gilt „euch“ als Gemeinde und „dir“ als Teil der Gemeinschaft. Also auch, wenn ich jemanden persönlich anrede und ihm den Segen zuspreche, ihm dabei vielleicht ein Kreuz auf die Stirn zeichne, auch dann stelle ich ihn in die Gemeinschaft der Gemeinde, in der er den Segen empfängt. Der Segen vereinzelt nicht, sondern verbindet. Er gilt im Plural.

Er gilt unbedingt und ohne Vorbehalt, er gilt „allem Volk“.

Das wird deutlich, wenn wir einen anderen, im Wortlaut ähnlichen Segen daneben stellen. In der Regel aus Qumran lautet eine jüdische Segensformel aus der Zeit Jesu so:

Und die Priester sollen segnen alle Männer des Gottesloses, die vollkommen wandeln in seinen Wegen und sprechen: Es segne Dich mit allem Guten und behüte Dich vor allem Bösen und erleuchte Dein Herz mit Einsicht des Lebens und sei dir gnädig mit ewigem Wissen und er erhebe sein Angesicht auf dich zu ewigem Frieden.

Also nicht alle, sondern nur wenige: einige Bestimmte, Auserwählte, also eine Bedingung; den anderen gilt der Segen nicht, der Segen als Mittel zum Zweck für etwas anderes: Einsicht und Wissen

Genau anders der Segen, den Gott dem Mose und dem Aaron aufträgt und den ich Ihnen zuspreche heute am Ende des Gottesdienstes: Dieser Segen gilt allen und er gilt ohne Bedingungen.

Wann? 

Wann? - lautet die dritte Frage, eigentlich zwei Fragen: Von wann stammt dieser Segen? Und wann wird er heute sinnvollerweise gesprochen?

Nach der Erzählung im 4. Buch Mose war es in der Frühzeit des Volkes Israel, bei der Wüstenwanderung, vor dem Einzug in das gelobte Land, als Gott dem Mose und durch ihn dem Aaron diesen Segen aufträgt.

Der Wortlaut des Segens verrät davon nichts, keine Bezüge speziell auf Wanderschaft und Wüste, sondern allgemein das ganze Leben: „behüte dich, …, gebe dir Frieden“.

Ein alter Segen ist es, uralt, mit zusätzlichem Beleg: Bei Ausgrabungen in Jerusalem hat man in einer Grabhöhle zwei aufgerollte Silberstreifen gefunden, die wohl in das 7. Jahrhundert vor Christus zu datieren sind. Auf denen steht, fein eingeritzt: eben dieser Segen, als ältester Beleg eines Bibelverses überhaupt.

Die Frage hat noch eine andere Dimension: Wann?: Wann hat der Segen seine rechte Zeit? Wann ist er sach- und zeitgerecht zu sprechen?

Am Uranfang der Zeit, als Gott den Menschen schuf zu seinem Bild als Mann und Frau, da segnete er sie! So steht der Segen am Anfang allen menschlichen Lebens. Und der Segen steht am Schluss: Den Abschiedssegen sprechen wir einer oder einem Verstorbenen zu.

Jedenfalls: der Segen gilt. Wenn er zugesprochen und empfangen wird und bekräftigt durch das „Amen“, dann muss er nicht mehr ergänzt werden. Darum wird er im Gottesdienst ganz am Schluss gesprochen. Er muss nicht mehr ergänzt oder kommentiert werden. „Komm, Herr, segne uns“ ist als Bitte vor dem Segen sinnvoll, aber nicht mehr, nachdem der Segen im Vertrauen auf die Wirkmacht Gottes zugesprochen wurde.

Wo ist damit gleich mit beantwortet. In Israel und in Mahlsdorf, im Gottesdienst und ebenso zu Hause. Er gilt für das ganze Leben zur Zeit Aarons und zur Zeit Jesu und  in unserer Zeit und für immer.

Bleibt nur noch wozu?

Aus drei Versen mit je zwei Halbsätzen besteht der Segen. Jeweils im ersten Halbvers wird beschrieben, was Gott tut: Er segnet, er lässt sein Angesicht leuchten, er wendet sein Angesicht zu.

Starke Bilder sind das, die auf Gott übertragen werden, Bilder wie bei einer Audienz beim König:

Wie der König lächelt, wie er in lichter, strahlender Zuwendung dem Bittsteller die Annahme seiner Bitte signalisiert!

Und schon wie der König sein Haupt hebt, nicht abfällig wegsieht, sondern wie er seinen Blick dem zuwendet, der vor ihm steht!

Starke Bilder, noch gesteigert und auf Gott übertragen: Gott der Herr lasse leuchten sein Angesicht und er wende es dir zu!“

Im jeweils zweiten Halbvers blicken wir auf den, der den Segen empfängt, bei dem er „wirkt“:

„Der Herr segne Dich und behüte dich“ - das Leben des Einzelnen ist hier im Blick.

„Der Herr … sei dir gnädig“ - um die Gottesbeziehung geht es da, um Schuld und Vergebung, um Gnade vor Gottes Angesicht, um den lichten Moment der Gottesbegegnung.

Im dritten Segensvers weitet sich der Horizont noch einmal: nicht nur „ich“ als behütetes Geschöpf, nicht nur „ich“ in der Beziehung zu meinem Gott, vielmehr „ich“ in der Vielfalt der Sozialbeziehungen: „… und gebe dir Frieden!“ Die Zuwendung Gottes zu uns wirkt Frieden! In Frieden mögen die Gesegneten leben im geregelten, gerechten Miteinander.

Ein Segen als Beziehungsgeschehen ist es jedenfalls. Der Gesegnete, der Segnende und Gott, in dessen Namen der Segen gesprochen wird, stehen in enger, engster Beziehung.

Das ist - in aller Kürze - das Thema des Trinitatisfestes. Gott ist ein Gott der Beziehung. Er selbst lebt nur in Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist und wendet sich in diesen drei Personen oder Rollen uns Menschen und seiner ganzen Schöpfung zu.

Und es gibt keinen besseren Ausdruck seiner Beziehung zu uns als den Segen.

Der HERR segne dich und behüte dich.
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen

Gebet

Behütender, gnädiger und Frieden schaffender Gott,
wir suchen deinen Segen für uns und für diese Erde.
Wir bitten für alle, die anderen zum Segen werden wollen,
für deine ganze Kirche, die einzelnen Gemeinden,
die verschiedenen Dienste, Einrichtungen, Gemeinschaften und Kommunitäten, – und für alle, die darin mitarbeiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, denen in Politik oder Wirtschaft ein Amt anvertraut wurde,
dass sie - ob sie es wissen oder nicht – anderen zum Segen werden.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Insbesondere bitten wir für alle, die sich um das Ende von Kriegen bemühen.
Wirke ein Schweigen der Waffen und einen dauerhaften Frieden.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, deren Lebenspläne durchkreuzt wurden,
für alle, die krank oder vom Leben geschlagen sind,
dass ihnen dein Angesicht leuchte in dieser Dunkelheit,
dass Menschen ihr Angesicht auf sie erheben und sie begleiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Herr, wir lassen dich nicht, du segnest uns denn.
So bringen wir in der Stille vor dich, für wen wir im Besonderen Segen erbitten.

Stille

Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Du schenkst uns deinen Segen.
Du machst uns selbst zu einem Segen.
Dir sei Dank in Ewigkeit.

Mit Jesu Worten beten wir:

Vaterunser

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgel

Jaques-Nicolas Lemmens (1823-1881)
Fanfare in D-Dur


Kollekte

7. Juni 2020 – Trinitatis

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Thomas Jabs

Datum: 
Sonntag, 7. Juni 2020