Andacht zum zweiten Osterfeiertag (Ostermontag) 13. April 2020

 

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Mitwirkende

Glockengeläut: Michael Schüssler
Orgel: Tobias Berndt
liturgischer Gruß und biblisches Votum: Holger Brose
Lesung und Gebet: Holger Brose
Ansprache: Holger Brose
Lied (Klavier / Gesang): Holger Brose
Gebet, Vaterunser und Segen: Holger Brose
Redaktion und technische Bearbeitung: Joachim Hübener


Glockengeläut

Eingangsmusik

Orgelbvorspiel: Mendelssohn-Bartholdy - Satz 3 Allegro

liturgischer Gruß

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

biblisches Votum

Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Halleluja. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Lesung

Hören Sie auf das Evangelium zum zweiten Ostertag, aufgeschrieben bei Lukas im 24. Kapitel:

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.
14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.
17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;
20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.
22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.
25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!
26 Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.
28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.
29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.
31 Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.
32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;
34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.
35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Gebet

Himmlischer Vater, du hast Jesus von den Toten auferweckt und ihn zum Herrn gemacht über Lebende und Tote. Erfülle unsere Herzen mit Hoffnung und Freude, dass unser Leben zu einem Zeugnis werde für das Geschenk des Lebens, das uns zuteil wird durch Jesus Christus, unseren auferstandenen Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen.

Ansprache

Einige Gedanken zur Lesung: Eine der bekanntesten biblischen Erzählungen, die Geschichte der sogenannten Emmaus-Jünger. Erzählt wie ein Theaterstück - am Anfang stehen Enttäuschung, Resignation, Angst und Erschrecktsein, vom Gefühl des Verlassenseins. Das Ende erfreulich und aufbauend. Und mittendrin ist Jesus, der unerkannte Jesus, der von dem sich die beiden Wanderer verraten, alleingelassen, sogar erschreckt fühlen. König sollte er werden - das hätten sie sich vielleicht gewünscht - der Gesalbte Gottes war Jesus in ihren Augen und die Gemeinschaft, die sie mit ihm und den Männern, Frauen und Kindern aufbauten, die das ähnlich sahen wie sie, das alles war etwas, wofür es sich zu leben lohnte.
Aber nun: Jesus tot. Verlassen von Gott. Verlassen von den Menschen. Verspottet, ermordet, machtlos und scheinbar spurlos dahingegangen. Es schien alles so sinnlos. Ist das nicht unsere Situation? Was haben wir uns aufgebaut, geschaffen: Familie, Freundschaft, Beruf, auch materielle Werte! Und jetzt all das in Frage gestellt. Infrage und auf die Probe gestellt durch etwas, das uns krank macht, etwas, das wir nicht einmal sehen können. Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel, Freunde, Kollegen - sie sind zwar da und, der Technik sei es gedankt, wir können mit ihnen kommunizieren, aber sie sind entfernt von uns, manchmal scheinen sie sich mehr und mehr zu entfernen - wie die beiden Wanderer von Jerusalem. Und wer weiß, wie es nachher sein wird - wird es überhaupt ein „Nach-Corona“ geben?
Da tun die Wanderer das, was uns auch bleibt. Sie reden miteinander, sie halten die Erfahrungen, die Erinnerungen aufrecht, sie bleiben im Gespräch, aber genauso bleiben sie auch stecken, kommen nicht mehr weiter, entfernen sich nur von dem, was ihnen wichtig war. Jesus weiß das. Wenn wir uns erinnern an das Gleichnis vom verlorenen Schaf, auch aufgeschrieben bei Lukas, da geht Gott dem Schaf, das sich abgewendet hatte, nach. Jesus geht den beiden Wanderern nach, er geht auch dem nach, was sie beschäftigt. Das aber merken die beiden nicht. Wie wir wahrscheinlich auch nicht immer. Sie sehen zwar einen, sehen aber nicht Jesus und das liegt sicher nicht nur daran, dass sich Jesus mit der Auferstehung verändert haben wird und ich denke auch nicht daran, dass ihre Augen voller Tränen waren, auch wenn geschrieben steht, dass sie traurig stehen bleiben. Sie trauern um all das, was sie zurück gelassen haben in Jerusalem, sie trauern um sich, sie trauern auch um Jesus. Das aber, so scheint uns der Evangelist sagen zu wollen, hilft ihnen nicht weiter, das führt zum Stillstand.
Dann schimpft der unbekannte Mensch mit den beiden - eigentlich eine Frechheit - Ihr Toren, ihr Dummköpfe! Aber es geht ja glücklicherweise noch weiter und so, wie Martin Luther es uns übersetzt, ist es nicht mehr verletzend oder verärgernd: träge Herzen haben sie, sagt Jesus ihnen. Was das wohl sein soll? Träge Herzen - sind die vom Herzstillstand bedroht oder was? Nein, ich denke, dabei geht es Jesus um eine Fähigkeit, die den Herzen zugeschrieben wird, um die Fähigkeit, sich zu begeistern, sich zu erwärmen, zu lieben. Es steht also ziemlich schlimm um die Wanderer. Nicht der Herztod erwartet, aber das Gefühl scheint zu sterben. Und was tut Jesus dagegen? Jesus lehrt. Jesus erklärt ihnen das Geschehen in Jerusalem, Jesus spricht von der Bibel. Jesus tut genau das, was wir hier auch tun. Das hört sich sehr kopflastig an. Aber Jesus kann das und die beiden sind empfänglich dafür. Vielleicht sollten wir uns dieser Aufgabe annehmen? Immer wieder mit den Traurigen, Verzweifelten, Einsamen, Enttäuschten, Gestrauchelten sprechen, trösten - und warum nicht auch mit unseren Erfahrungen mit dem Glauben oder mit der Bibel?
Und dann sind sie an ihrem vermeintlichen Ziel. Die Wanderer. Ist es aber nicht. Sie haben sich wohl gefühlt mit Jesus, sie wollen, dass er bei ihnen bleibt. Hier kommt eine der großartigen Traditionen, die uns die Kirchen bewahrt haben, ins „Spiel“: die Gemeinschaft, die Tischgemeinschaft. Die drei essen miteinander und Jesus teilt das Brot, Jesus teilt sich, Jesus teilt sich mit, Jesus gibt sich im Brot. Damit erkennen die „Emmaus-Jünger“ Jesus, damit können auch wir Jesus erkennen. Feiern wir die Gemeinschaft mit Jesus im Abendmahl, in der Messe oder wie immer es Menschen genannt haben! Lassen wir die Gemeinschaft mit Jesus zu - mit Jesus und miteinander!
Die Herzen der „Emmaus-Jünger“ sind nun nicht mehr am Stillstehen, sie schlagen wieder munter - durch Jesus' lebendig machende Worte, durch die Gemeinschaft mit Jesus. „Brannte nicht unser Herz“? Lassen wir unsere Herzen brennen, machen wir es wie die Männer in dieser wunderschönen, uns allen bekannten Erzählung aus dem Evangelium nach Lukas: Lasst uns aufstehen zu dieser Stunde, sofort, gleich, jetzt, nun. Und dann sollten wir den Weg zur Gemeinschaft zurück suchen, und den Weg auch gehen wie die beiden Wanderer nach Jerusalem zurück gingen. Jetzt blieben sie nicht mehr stehen, jetzt schlurften sie nicht vor sich hin, jetzt rannten sie, lebendig und voller Freude und Kraft, zurück zur Gemeinschaft in Jerusalem. Vielleicht sehen wir einander demnächst in einer unserer Kirchen? Beim Abendmahl oder im Seniorenkreis oder in der Krabbelgruppe. Herzlich willkommen!

Musik

Klavier/Gesang EG 488 „Bleib bei mir, Herr“

Gebet

Gott, du bist uns Grund und Halt. Bei dir können wir uns fallen lassen: Du fängst uns auf. Furcht, Angst, Entsetzen haben uns oft krumm und blind und stumm gemacht, leblos und wie tot. Bei dir erfahren wir: Die Todesstarre weicht und Leben regt sich; du, Gott, bist Grund und Halt und gibst uns mitten im Tod das Leben durch Jesus Christus.

Vaterunser  (mit Glockengeläut)

Lasst uns beten mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensworte

Der Herr segne dich und er behüte dich,der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Schlussmusik

Orgelnachspiel: Mendelssohn-Bartholdy - Finale

Glockengeläut


Kollekte

13. April 2020 – Ostermontag

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Prädikant Holger Brose

Datum: 
Montag, 13. April 2020