Gottesdienst Misericordias Domini am 26. April 2020

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Mitwirkende

Orgel: Heinz Jacobi
Trompete: Klaus Katsch
Begrüßung und Lesung: Antje Treser
Liturgie und Predigt: Pf. Grützmann
Thomas Wildner: Aufnahmen und technische Realisierung

Glockengeläut

Orgelvorspiel

Auferstanden ist der Herr (SdLdF 862, 1 und 3)

Begrüßung

Lied

Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100, 1-2)

Gruß Psalm und Gebet

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der bekannteste Text vom Guten Hirten ist der Psalm 23.
Ich möchte ihn mit Ihnen gemeinsam beten:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen.

Lasset uns beten:

Herr, unser Gott. Du willst unser Hirte sein.
Es soll uns an nichts fehlen.
Viele Stimmen dringen aber auf uns ein, viele Wege stehen uns offen.
Deswegen bitten wir Dich: Komm zu uns mit der Kraft deines Heiligen Geistes, damit wir aus dem Stimmengewirr unserer Zeit deine Stimme heraushören, damit wir auf dem Weg bleiben, den wir nach deinem Willen gehen sollen.
Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied

Preis und Anbetung (RdH 127, 1)

Epistel und Predigttext

Die Epistel des heutigen Sonntags ist zugleich der Predigttext und steht im 1. Petrusbrief im 2. Kapitel:
Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte,
nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Halleluja

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide - Halleluja.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden,

Halleluja.

Lied

Der Herr, mein Hirte, führet mich (NGL 379, 1 und 5)

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater  und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde zu Hause an den Bildschirmen,
Unser Predigttext stellt uns Jesus Christus als Vorbild vor Augen.
Wenn wir sein Leben betrachten können wir zu Recht sagen: er war ein Vorbild!
Ihm lohnt es nachzueifern!
Er setzte sich für die armen und entrechteten Menschen ein, half Kranken und Lei¬denden und brachte sündige Menschen auf den rechten Weg.
Aber uns wird in diesem Text nicht das Leben Jesu vor Augen geführt, sondern sein Leiden. Warum?
Das können wir besser verstehen, wenn wir uns die Gemeinde ansehen, an die der 1.Petrusbrief gerichtet war.
Der 1. Petrusbrief ist an eine Gemeinde gerichtet, die in Anfechtung und Leid und unter Anpassungsdruck durch die Um¬welt stand.
Christen werden verdächtigt und geschmäht, ja um ihres Christseins willen belangt.
In dieser Situation suchen sie nun ein Vorbild.
Dieses Vorbild kann nur der leidende Christus sein.
Ihnen wird das Verhalten Jesu auf seinem Leidensweg als Beispiel vor Augen geführt, dem sie folgen können.
Was aber zeichnete Jesu Verhalten in seinem Leiden aus?

1. Er hat  auf seinem Leidensweg keine Sünde getan.
Er hat als Unschuldiger gelitten.
So haben auch die Christen ihr Leiden als ungerechtes und unschuldiges Leiden getragen.
Soweit konnten die Gemeindeglieder der Argumentation des Briefes folgen.
Aber Jesus hat noch mehr getan.

2. Als er geschmäht wurde, hat er die Schmähung nicht erwiderte. Er drohte nicht als er litt,
Er zerbrach den Teufelskreis der Vergeltung.
Das war sicher schwer.
Woher nahm er nur die Kraft dazu?

3. Er setzte seine Hoffnung auf Gott, der gerecht richtet.
Jesus verzichtete auf alle eigene Vergeltung und überließ die Entscheidung Gott.
Die Christen, die in die Fußstapfen Jesu Christi treten, sollen das Leiden tragen: unter Verzicht auf Vergeltung und im Ver¬trauen auf Gott.
Soweit können die Christen der angeredeten Gemeinde Jesu Beispiel nur folgen, wenn sie ihre Hoffnung auf Gott setzen.
Das klingt sehr nach Stillehalten und Unterordnung.

Aber sehen wir zurück auf die Situation in der Gemeinde damals.
Christen werden gehässig angeschuldigt und angefeindet, vielleicht sogar vor Gericht geführt.
Würde ein Aufbrausen nicht die Anfein¬dungen noch stärker werden lassen?
Sicher haben die Christen dies damals nicht gerne gehört.
Doch Jesu Verhalten ist für alle Menschen ein Beispiel.
Wie Jesus auch im Leiden auf alle eigene Vergeltung verzichtet, so sollen auch Christen das Gericht Gottes nicht in eigener Regie vorwegzunehmen suchen.
Sei es auch nur in Wünschen oder Drohungen.
Leiden, unabwendbares und unschuldiges Leiden, kann geduldig getragen werden im Vertrauen auf Gott.
Diese Leidensnachfolge ist kein passives aushalten, sondern aktives sich hineinstellen in den Weg Jesu.
Doch Jesu Leidensweg ging noch weiter.
„Er hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.“
Jetzt springt der Gedanke des Schreibers von der Leidenssituation der Gemeinde ganz zu Jesu Leiden über.
Hier können die Christen nicht mehr dem Beispiel Jesu folgen.
Sie haben schon damals erkannt:
Jesu Leiden ist Leiden für uns gewesen.
Er hat die Menschen von ihrer Schuld befreit und ihnen damit ein Leben für das Gute, für die Gerechtigkeit ermöglicht.
Wir sind entlastet und befreit, befreit um für den anderen Menschen da zu sein.
Vielleicht können wir so noch einmal das Vorbild Jesu bedenken, im Blick auf das Leiden anderer Menschen.
Sollen wir jedes Leiden als unabänderbar hinnehmen?
Das wird uns Christen oft vorgeworfen.
In dieser Frage hat mir Martin Luther weitergeholfen.
In seiner Schrift: „Von weltlicher Obrigkeit“ unterscheidet er zwischen dem Umgang mit eigenem und fremdem Leid.
Eigenes Leid annehmen und sich gegen das Leid der Welt wehren, gehört für ihn zusammen.
Und wo dies nicht möglich ist bleibt für uns Christen immer noch die Möglichkeit dem Beispiel Jesu Leidensweg zu folgen, indem wir für andere  Menschen und mit anderen Menschen leiden - mitleiden.
Sicher ist diese Zeit der Coronakrise für uns alle schwer.
Jeder hat sein eigenes Leiden zu tragen.
Doch Jesus Christus zeigt uns, dass wir trotz des eigenen Leidens das Leid der anderen Menschen nicht vergessen, die es noch schwerer als uns getroffen hat.
Hier können wir, auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, helfen das Leid anderer zu beseitigen oder mindestens ihnen helfen es zu tragen.
Wenn sie selbst schon einmal in einer schweren Situation gemerkt haben, dass jemand bei ihnen ist, so wissen sie sicher, dass Mitleid nicht nur eine Floskel ist.
Mitleid entlastet und erleichtert andere.
Aber wer entlastet und hilft uns?
Jesus Christus, der Gute Hirte, hat für uns gelitten. Unter seinem Schutz können wir uns sicher fühlen.
Er hat unsere Sünden getragen.
Er kann uns helfen unser Leid zu tragen und das Leid anderer Menschen zu teilen.
Wir können in unserem Leid unsere Hoffnung ganz auf Gott setzen.
Er hat auch Jesus Christus nicht im Leiden gelassen 
Seit  Ostern wissen wir, Jesu Leiden war nicht umsonst. Gott hat ihn auferweckt.
In dieser Gewissheit können wir dem Beispiel Jesu folgen, auch in unserem Leid und in unserer An¬fechtung gerade in dieser schweren Zeit auf Gott zu vertrauen.
Amen.

Lied

Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384,1+2)

Gebet Vaterunser Segen

Lasset uns beten:

Herr, unser Gott, unser Bruder in Jesus Christus.
Du bist der gute Hirte für uns.
Du suchst uns, wo immer wir auch sind.
Manchmal sträuben wir uns dagegen.
Wir meinen schon allein zurechtzukommen.
Doch dann merken wir auch wir kommen doch nicht allein zurecht ganz und gar nicht.
Wir haben dich nötig, bitter nötig als den guten Hirten der uns kennt, der uns behütet, der uns nachgeht, der uns auf den rechten Weg bringt, der uns wieder auf die Beine hilft, uns aufrichtet, wenn wir gestrauchelt sind, der uns neuen Mut macht, wenn wir resignieren, der uns für andere zum Hirten macht, dem wir einfach Vertrauen schenken können voll und ganz.
Denn Herr, unser guter Hirte, es gibt so viele andere um uns herum die vorgeben uns behüten zu wollen, die unser Vertrauen missbrauchen, die uns einflüstern, sie meinen es gut mit uns.
Herr, es ist so schwer, den klaren Blick zu behalten und genau zu unterscheiden, uns allein und nur von dir finden zu lassen, den Blick ganz auf dich zu richten, allein dir zu vertrauen als dem guten Hirten. Herr, lehre uns hellsichtig und hellhörig zu werden, mach uns stark, selbst zu guten Hirten zu werden untereinander, dass wir uns gegenseitig behüten und bewahren, ohne dass wir Angst haben müssen, der andere wäre ein schlechter Hirte und wolle uns nur einfangen.
So bitten wir für die Menschen, die uns lieb sind, und für die vielen, die wir nicht kennen und die doch deiner Hilfe bedürfen.
Wir bitten dich für die Hungernden auf unserer Erde und die Armen, die von der Gedankenlosigkeit der Reichen und Satten übersehen werden.
Wir bitten dich für die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten auf unserer Welt, die von Leid und Terror heimgesucht werden.
Wir bitten für alle, die einsam und allein sind, für alle, die sich mit Entscheidungen quälen müssen, die von Sorgen zermürbt sind und vor Überarbeitung nicht wissen, wohin.
Wir bitten für alle jungen Menschen, die der Hunger nach Leben quält, die an starren Überlieferungen zu ersticken meinen, und wir bitten für die Alten, die auf das Ende ihres Lebens zugehen,  für die Kranken und Sterbenden.
Wir bitten für alle, die vor der Zukunft Angst haben, die verborgene Schuld drückt, die verbittert sind und sinnlosem Hass zu verfallen drohen und sich von Dir und den Menschen trennen.
Herr, lass uns nie vergessen, dass du unser guter Hirte bist, der uns führt durch Jesus Christus, unserm Herrn, der uns gelehrt hat zu beten:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen

Nachspiel

Amazing Grace (SdLdF 929, 1)
Schalom, Schalom, der Herr segne uns (SdLdF 892, 1)

 


Kollekte

26. April 2020 – Sonntag Misericordias Domini

Bitte beachten Sie gesonderte Information dazu auf unserer Webseite.

Autor: 

Pfarrer Frank Grützmann

Datum: 
Sonntag, 26. April 2020