Kirchen in unserer Region - Die St. Annen-Kirche in Zinndorf

Seit Mitte des 13. Jh. gab es in der Gegend östlich Berlins mehrere Dörfer im Besitz des Klosters Zinna. Bei Zinndorf, ursprünglich Czynnendorf, weist schon der Name auf diesen Ursprung hin. Mit der St. Annen-Kirche besitzt der Ort eine der größten und besonders sehenswerten Feldsteinkirchen aus der Zeit der Besiedlung. Den Dreißigjährigen Krieg und die beiden Weltkriege des 20. Jh. hat sie unversehrt überstanden, selbst der im 14. Jh. angebaute Turm blieb erhalten.

Im Innern überrascht ein reiches Bildprogramm bäuerlicher Schnitzkunst. Eine bunt bemalte Balkendecke und Weihekreuze auf den weißen Wänden harmonieren mit dem braunroten Steinfußboden. Besonders wertvoll ist das Altarretabel aus der Zeit der Renaissance, aufgestellt 1606, mit einem vollständigen reformatorischen Bildprogramm in vier Ebenen. Auf der Predella ist das Abendmahl dargestellt, die Tafel in der Mitte zeigt die Auferstehung Christi, flankiert von den Reformatoren Melanchthon und Luther, darüber Christi Himmelfahrt, im Oberteil das Jüngste Gericht. Bekrönt wird das Retabel von einem Pelikan mit drei Jungen, an den Außenseiten der dritten und vierten Ebene die vier Evangelisten, in der zweiten Ebene außen zwei weibliche Allegorien.

Dieser farbenprächtige Altar musste dringend saniert werden. Schäden durch Holzwurmbefall wie auch Rückstände eines früher gebräuchlichen giftigen Holzwurmmittels waren zu beseitigen, auch hatten sich bereits originale Farbschichten gelöst und einige geschnitzte Details waren zu ergänzen. Die Rettung im Jahr 2019 erfolgte buchstäblich in letzter Minute, denn die vor Jahrzehnten durchgeführten Sicherungsmaßnahmen waren unsachgemäß, erklärte Wilfried Bellach, der Fördervereinsvorsitzende. 

Aus der Zeit vor der Reformation stammt der steinerne Altarblock (stipes). An seiner Rückseite ist eine Nische mit einer Tür. Links neben dem Altar fällt ein aus Backstein gemauertes Sakramentshäuschen (15. Jh.) ins Auge. Vor der Reformation diente es  zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien, später fanden hier die Abendmahlsgeräte Kelch, Kanne und Patene Platz.

In der Nische darüber steht eine Schnitzfigur der Anna Selbdritt (16. Jh.): Anna hält ihre Tochter Maria und das Enkelkind Jesus. Der Annenkult erfreute sich im Mittelalter großer Verbreitung in der Volksfrömmigkeit. Themen des Marienlebens  sind nicht biblischen Ursprungs, sie greifen zurück auf apokryphe Evangelien und auf die populäre „Legenda aurea“ des Dominikaners Jacobus de Voragine. Überliefert ist übrigens auch Luthers Anrufung der heiligen Anna. In der Gegend um Strausberg findet man diese Andachtsbilder in mehreren Kirchen, es gibt das Annafließ und das Annatal.

An der Südwand des Kirchenschiffs befindet sich die Kanzel, sie entstand um 1600, am Kanzelkorb die geschnitzten Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, jeweils mit ihren Attributen. Im Schalldeckel ein Tetragramm mit den hebräischen Schriftzeichen des Gottesnamens (Jahwe), an der Wand unterhalb des Schalldeckels steht eine Christusfigur als Lehrer mit Buch.

Der Taufstein ( wahrscheinlich 16. Jh.) wurde aus Rüdersdorfer Kalkstein in Pokalform gestaltet. In neuerer Zeit wurde er bemalt. Die eingelegte Taufschale aus dem 16./17. Jh. ist in Messing getrieben.

Eine Dinseorgel auf der Westempore stammt von 1883.

Der Glockenstuhl enthält drei Glocken. Die Große aus dem Jahre 1592 gilt als die  größte Glocke auf dem Barnim, sie hat einen Durchmesser von 1,14 m. In der Umschrift heißt es: „VERBUM DOMINI MANET in aeternum 1592 AUS DEM FEIR BIN ICH GEFLOSSEN BASTIAN PREGER VON FRANCKFORT AN DER ODER HAT MICH GEGOSSEN“.

Die Kirche ist umgeben vom ehemaligen Friedhof, den eine Mauer mit spätgotischer Backsteinpforte umschließt.

Eine Besonderheit in dieser Kirche darf nicht unerwähnt bleiben. „Der hier abgebildete Stein ist ein sog. Feistein, vom altdt. Wort für schützen. Er sollte die bösen Mächte davon abhalten, ins Innere des Bauwerks einzudringen. Man griff sich einen Hund, eine Katze oder einen Marder und drückte deren Pfoten in den gestrichenen Ziegel, ehe er gebrannt wurde. Solche Ziegelsteine kamen dann in den Fußboden in die Nähe einer Tür und das ‚Tier‘ sollte die Pforte bewachen“ (Texttafel in der Kirche).

Die Zinndorfer Kirche gehört zur Kirchengemeinde Herzfelde – Rehfelde. Dort kann man eine Besichtigung erfragen. (Uwe Donath)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zum Suchen und Entdecken - in welchem Ort befindet sich diese Kirche?

 

                                                                      

Tags: