Projekt Martin Luther - Reformation

Lieber Martin Luther,
ob du da, wo du jetzt bist, in deinem „Neuen Leben“, nahe bei Gott, mitkriegst was hier bei uns im Kindergarten so alles passiert? Ich glaube schon. Irgendwie. Wenn ich auch nicht genau weiß, wie das funktioniert. Aber durch meinen Glauben bin ich mir sicher. Denn: Bei Gott ist alles möglich. Wir denken in diesem Jahr ganz besonders an dich. Es ist das Jubiläumsjahr der Reformation. Im Januar haben wir in unserer Kreuzkirche Kirchweihfest gefeiert. Natürlich waren auch wir vom Kindergarten dabei. Wir haben ganz schön überlegt, wie
wir die Kinder in eine Aktion einbinden können. Doch wie gut, die Hilfe kam von dir! Von deinem kleinen Katechismus, den ich in meiner Konfirmandenzeit auswendig lernen musste, unter anderem die 10 Gebote. Diese konnte ich von da an bewusst für mich als „Lebensordnung“ annehmen. So habe ich das auch den Kindern erklärt: So wie es eine Straßenverkehrsordnung gibt, die den Straßenverkehr regelt, brauchen wir eine „Lebensordnung“, um im Leben das Richtige zu tun. Einige Gebote habe ich erklärt. Wir haben
gemeinsam Situationen gefunden, die den Kindern vertraut sind und in denen so ein „Gebot“ liegt. Dann haben ganz mutige Kinder diese Situation im Gottesdienst vor all den Menschen vorgespielt und sogar etwas gesagt. Aber du warst ja auch mutig. So mutig, dass du dich gegen die üblichen Praktiken, wie z. B. Ablasshandel gestellt hast. Du hast das etwa so gesagt: „Stopp! Ich glaube, ihr habt da was falsch verstanden. Gottes Liebe ist viel größer, als ihr meint. Er liebt alle Menschen, ohne Bedingungen und Vorleistungen. Also was
soll das? Sich rein waschen von Sünde mit Geld? Das hilft nur den Kirchenkassen.“ Dann hast du das, was du ändern wolltest, aufgeschrieben: 95 Thesen oder Sätze. Die hast du dann in Wittenberg an die Kirchentür genagelt. Jetzt konnten sie gelesen und diskutiert werden. Dass daraus dann ein Streit wurde, der die Kirche geteilt hat, war sicher nicht deine Absicht. Die Kinder im Kindergarten können noch nicht schreiben. Aber malen! Also haben wir angefangen und aufgemalt, was in der Kirche vorgespielt wurde. Wir wollen nicht streiten. Und wenn doch, ist es wichtig, sich wieder zu vertragen. Wir wollen nicht schwindeln oder lügen. Die Wahrheit kommt sowieso irgendwann raus. Wir wollen Mutter und Vater ehren. Also, auf das hören, was unsere Eltern von uns wollen. Diese drei Sachen haben wir schon mal angenagelt. Nicht an unsere Kindergartentür oder Wände. Nein, an Holzleisten. Und bei jedem Hammerschlag haben die Kinder es in ihre Köpfe und Seelen eingenagelt. Du hast uns was Gutes vorgemacht. Unsere Kinder hatten die Hausaufgabe, über dein Leben und Wirken zu recherchieren. Tolle Sachen wurden mitgebracht. Bilder und Geschichten aus deinem Leben und dem Leben deiner Familie, sogar eine Jubiläumsmünze zum Umhängen. Vieles hängt jetzt im Kindergarten zum Ansehen und Lesen. Eine Mutti, die Lehrerin für Religion und Geschichte ist, hat uns im Morgenkreis besucht. Sie hat uns noch mehr Geschichten aus deinem Leben mitgebracht. Die hängen im Morgenkreisraum an der Wand. Wer neugierig darauf geworden ist, kann uns besuchen und sie sich von uns erzählen lassen. Wir haben gut aufgepasst! Du warst ganz schön schlau! Du konntest alte Sprachen und hast für uns die Bibel aus ihrer „Ursprache“ ins Deutsche übersetzt. Jetzt können sie alle lesen und verstehen. Du warst auch gerne mit Menschen zusammen und hast ihnen zugehört. Wie du sagst: „Auf`s Maul geschaut.“ Dann hast du Lieder, Gebete … so geschrieben, wie die Sprache im Volk war. Für uns ist das jetzt auch schon eine alte Sprache. Viele Worte klingen fremd – aber sehr interessant! Danke, dass du so viel für uns getan hast. Viele deiner Lieder und Gebete stehen in unserem Kirchengesangbuch und sind bei vielen Menschen bekannt. So, nun erst mal genug. Was wir noch so alles erleben  werden, erzähle ich dir später.

Bis dahin sei gegrüßt von Petra und den  indergartenkindern unseres Evangelischen Kindergartens in Mahlsdorf.