Das Mahlsdorfer Pfarrhaus

Nach dem 30-jährigen Krieg gab es in Mahlsdorf nur noch wenige Bauerngehöfte und Einwohner. Deshalb gab es auch keine selbständige Pfarrstelle mehr. Die Kirchengemeinde wurde eine Tochtergemeinde von Biesdorf. Durch die Landparzellierung Ende 19./Anfang 20. Jahrhunderts zogen immer mehr Menschen nach Mahlsdorf. So sollte auch die Kirchengemeinde vor Ort besser betreut werden.

1903 gab es 1296 Gemeindeglieder.

Am 1.4.1902 wurde ein Hilfsprediger für Mahlsdorf bestellt, was aber keine dauerhafte Lösung war. Am 7.4.1904 wurde eine 2. Pfarrstelle für Biesdorf geschaffen, die gänzlich Mahlsdorf zugute kommen sollte. Auf diese Pfarrstelle bewarb sich Paul Rohrlach (* 3.3.1864), der vorher die Pfarrstelle in Pyrehne inne hatte. Am 17.4.1904 war dann der Einführungsgottesdienst in der Mahlsdorfer Kirche  mit geringer Beteiligung.

Für die große Pfarrfamilie gab es kein selbständiges Pfarrhaus. So zog die Familie zunächst in die Bahnhofstr. 52 (heute Hönower Str. 64). Da der Eigentümer bald Eigenbedarf anmeldete, nahm Pfarrer Rohrlach das Angebot der Rittergutsbesitzerin Renate Schrobsdorff an, in den Gutsbezirk zu ziehen (damalige Köpenicker Str., 30).

Unter Pfarrer Rohrlach blühte das Gemeindeleben und Vereinswesen auf. Der GKR stellte 1907 den Antrag auf die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle in Mahlsdorf.

Am 4.10.1907 bekam Mahlsdorf die eigene Pfarrstelle (Loslösung von Biesdorf).

Daraufhin beschloss der GKR das Küsterschulgrundstück kostenlos von der politischen Gemeinde zu übernehmen. Am 14.8.1908 wurde dieses Grundstück zum Bau eines Pfarrhauses aufgelassen. Der Architekt Scheuermann wurde mit dem Entwurf für das Pfarrhaus beauftragt. Da nicht nur die Gemeinde entscheiden durfte, sondern die Regierung als Patron für die Beschaffung der Hauptmaterialien verpflichtet war, hatte diese auch ein Mitspracherecht. Dort gefiel der Entwurf nicht, so dass erst im Juni 1911 der endgültige Entwurf genehmigt wurde. Der Abriss des Küsterschulgehöftes begann im August 1911. Im Jahr 1912 konnte dann mit dem Bau des Pfarrhauses begonnen werden. Der Architekt Scheuermann hatte die Leitung.

Der Grundstein wurde am 31.Mai 1912 gelegt. Der Baukostenanschlag lag bei 28.500 Mk. Diese wurden allerdings überschritten.Die Gesamtzahl der Gemeindeglieder betrug zu diesem Zeitpunkt 4.500.

Eine Urkunde wurde von Pfarrer Rohrlach bei der Grundsteinlegung an den Architekten Scheuermann übergeben und eingemauert. Schon wenige Wochen danach konnte Richtfest gefeiert werden. Paul Großmann überliefert das Gedicht vom  Zimmermann Möser zum Richtfest (siehe Bild).

Am 23.12.1912, also einen Tag vor Heiligabend, konnte das Pfarrhaus bezogen werden. Peter P. Rohrlach zitiert seinen Vater in seinem Aufsatz über Pfarrer Rohrlach (siehe Quellenangabe):“Am 23.12. zogen wir in das neue Pfarrhaus ein. Der Umzug dauerte den ganzen Tag und trotz Möbelwagen musste ein jeder von uns Geschwistern kleinere Haushaltsgegenstände in das neue Heim herübertragen. Abends feierten wir dann den Einzug mit einem frugalen Essen (Schnitzel mit Spargel) im Bürgerheim bei Arndts. Ein neues Heimathaus tat sich für uns auf und wurde für uns ein Elternhaus mit bleibender Erinnerung und für alle unsere Kinder ein Paradies ihrer Kindheit“ (S.83)

Am 18.5.1921 starb Pfarrer Rohrlach. Sein Sohn Rudolf zog als sein Nachfolger in das Pfarrhaus. Die Witwe von Pfarrer Rohrlach – Magdalena geb.Stein  - ( * 3.2.1865    +23.5.1941) bekam einen Teil der oberen Räume zugewiesen.

Pfarrer Rudolf Rohrlach ging 1941 zur Wehrmacht und kehrte nach dem Krieg nicht wieder nach Mahlsdorf zurück. Er hatte von 1946 – 1955 die Pfarrstelle in Kloster Cismar inne.)

Das Pfarrhaus blieb  - bis auf die Veranda – im Krieg weitgehend verschont. Aber nach dem Krieg wurde es von der Roten Armee besetzt, der Wandtresor heraus gebrochen, alle Unterlagen und das Krankenabendmahlsgerät gestohlen, Archiv und Bücher verwüstet. Bald wurde das Pfarrhaus wieder freigegeben.

„ Mit Schreiben vom 5.8.1945 wird der Kommandant gefragt, ob das Pfarrhaus nach Freiwerden nun wieder bezogen werden darf. Im August 1945 wurde vom Konsistorium  verfügt, 2 Räume in  der oberen Etage der Frau Rohrlach zur Verfügung zu stellen, und die restlichen Räume für den vorgesehenen kommissarischen Pfarrer freizuhalten.“ (Quelle: Frau Rühle – s. unter Quellenangabe).

Die oberen Räume wurden im Dezember 1945 von Pfarrer Dietrich bezogen.

Pfarrer Stöss arbeitete von 1946 – 47 kommissarisch. Zum 1.1.1947 wird er vom Konsistorium für die Pfarrstelle eingesetzt.

1960 gab es Überlegungen, anstelle der am Südende befindlichen Veranda neue Gemeinderäume zu bauen. Man hoffte 1961 auf eine Baugenehmigung. Die Umsetzung erfolgte. Man hatte nun ein Pfarrhaus mit Pfarrwohnung, Kirchenbüro und im Keller mit Jugend – und Christenlehreraum. Am 1. Advent 1962 wurde mit Superintendent Himmel ein Dankgottesdienst gefeiert und der Saal feierlich in Dienst genommen. Am 4.12.1962 fand der 1. Gemeindeabend im Saal statt. Es gab vom Künstler List Geschenke für die Ausstattung (Kreuz und Leuchter).

Am 1.7.1966 bezieht Pfarrer Bauer das Pfarrhaus.

Kleinere Reparaturen und Renovierungsarbeiten fanden immer wieder statt.

Die Gemeinde bekommt von Kantor Gotthard Knappe den Blüthner Flügel als Geschenk.

1999 wird Pfarrer Bauer in den Ruhestand verabschiedet.

Im Dezember 2001 wird Pfarrer Jabs zum neuen Pfarrer gewählt. Er tritt am 4.8.2002 sein Amt an. Die Pfarrfamilie wohnt nun im Obergeschoss. 2001/2 wurde das Pfarrhaus saniert und das Obergeschoss ausgebaut. Im Erdgeschoss gab es eine neue Küche und Toilette.Im Erdgeschoss gab es 2008 eine neue Küche und Toilette. 2011 wurden Kirchsaal und Pfarrwohnumg saniert.

Zur Zeit entsteht im Kellergeschoss ein Kreativraum. Vielfältige Angebote soll es auch weiterhin im Pfarrhaus geben.

Über der Eingangstür steht:“Der Herr will Frieden geben an diesem Ort“.

Dass Frieden und Segen von diesem Hause ausgehen, erhoffen wir auch für die kommende Zeit.“

(Rotraut Seimert)

Quellen

Paul Großmann: “Mahlsdorfer Ortsgeschichte“ 1. Nachtrag 1929, S. 34 – 39
Gudrun Rühle: Vortrag  zu 100 Jahre Pfarrhaus am 19.8.2012
Peter P. Rohrlach: “Paul Rohrlach – Pfarrer in Mahlsdorf von 1907 bis 1921. Ein Lebensbild“ in Beiträge zur Regionalgeschichte 1, S.78 - 85

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