Kirchen in unserer Region -Die Hoffnungskirche in Neu Hartmannsdorf

Hoffnungskirche in Neu Hartmannsdorf

Die Landstraße zwischen Grünheide und Storkow führt auf halbem Wege an einem schlichten grünen Kirchlein vorbei, dessen Besonderheit von außen nicht vermutet wird, aber ein Besuch lohnt sich, denn seit Anfang der 1990er Jahre hat Neu Hartmannsdorf eine „Honigkirche“.

Die im Jahr 1858 von der evangelisch-lutherischen Gemeinde errichtete Kirche war nach starken Beschädigungen im Krieg notdürftig wieder instand gesetzt worden, ab 1946/1947 wurde sie gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde genutzt. Im Jahr 1988 erwarb letztere die Kirche, die aber im gleichen Jahr baupolizeilich gesperrt wurde. Fünf Jahre später war sie baulich saniert, danach begann die Innenraumgestaltung. Der ursprüngliche Altar aus der Bauzeit existierte nicht mehr und die düstere Atmosphäre, die ein dunkles Kreuz über einem schwarzen Altartisch verbreitete, entsprach nicht dem Zeitgeist und den Wünschen der Gemeinde.

Altarwand

So wurde das Konzept der Berliner Künstlerin Brigitte Trennhaus begeistert aufgenommen, die Altarwand mit einer Schicht aus Bienenwachs zu belegen. „Christus ist Licht und Hoffnung“ – diesem Gedanken folgend sind im wechselnden Schein des Sonnenlichts einzelne Worte erkennbar: Schmerz, Vergebung, Versöhnung, Hoffnung, Erlösung... Die Begriffe, von den Gemeindemitgliedern zusammengestellt, lesen sich von unten nach oben immer positiver. Die Mitte bilden kreuzförmig angeordnet die Buchstaben: LICHT, ein mit Blattgold belegtes Holzkreuz.

Etwa 200 kg erhitztes, flüssiges Wachs wurden in Etappen in bis zu achtzig Schichten auf die Altarwand aufgetragen. Mit breiten Pinseln bildeten sich fließende Strukturen, Pollen von Rapsblüten sorgten für die goldgelbe Farbigkeit. Passend dazu wurde der Altar gestaltet, sechseckig, wie eine Bienenwabe, mussten etwa 800 kg Bienenwachs nach und nach in einem Holzgerüst zu einem Block gegossen werden.

Taufstein

Alle im Ort bekamen die Chance, bei diesem ungewöhnlichen Projekt mitzumachen. Die Anteilnahme war groß. Das Material zu beschaffen erwies sich als Glücksfall: von überallher trafen Wachsspenden in Neu Hartmannsdorf ein. Imker aus Nah und Fern unterstützten die Aktion begeistert. Im September 1993 konnte die Hoffnungskirche neu eingeweiht werden. Aber leider war die Freude nur von kurzer Dauer, der Altar bekam Risse, bevor er im Frühjahr 2012 schließlich ganz zerfiel. Der Grund dafür: Das darin eingebettete Holz hatte sich zersetzt, vermutlich durch Feuchtigkeit und Kälte, die sich im Laufe der Jahre aus dem Steinfußboden in den Altar gezogen hatten.

Der neue Altar sollte länger halten, aber auch aus Bienenwachs gefertigt werden. Jetzt schritt die Gemeinde zur Selbsthilfe: neue Aufrufe mit der Bitte um Wachsspenden. Wieder trafen in Neu Hartmannsdorf Päckchen aus ganz Deutschland ein, insgesamt 600 kg Wachs von 56 Imkern, 300 kg konnten vom alten Altar noch verwendet werden. In zwei alten Industriegaskochern wurde das Wachs geschmolzen. Eine ausgediente Waschmaschine „WM 66“ durfte beim Reinigen des Wachses noch einmal in Aktion treten. Aus Eimern wurde das heiße Wachs in die Holzverschalung gegossen, jede Schicht musste erst auskühlen. „Die Aktion dauerte Wochen, in denen jedes Gemeindemitglied wohl mindestens einmal einen Eimer geschleppt hat“, so die Neu Hartmannsdorferin Marianne Stein, die als gute Seele der Gemeinde hier regelmäßig Führungen macht. Noch im Jahr 2012 konnte der Altar fertiggestellt werden. Von der Vorgängerkirche blieben Fußboden, Liedertafeln, Kanzel, Taufständer, Empore und eine der beiden Glocken erhalten. Zur Neuausstattung gehören ein Orgelpositiv und ein Ölgemälde mit dem Titel „Es werde Licht“ des Friedrichshagener Künstlers Karl Heinz Koch-Stöber(1938-2000).

Das als Honigkirche bezeichnete kleine Gotteshaus zieht mittlerweile viele Touristen an. Der charakteristische Duft weckt sinnreiche Bezüge: Bienenwaben erinnern an die Behausung der Insekten, die als christliches Symbol u.a. für Fleiß, Klugheit, Reinheit und Ordnung gelten. Im Alten Testament wird den Israeliten ein Land versprochen, „darin Milch und Honig fließt“ (2. Mose 3,8). Mag die Bezeichnung Honigkirche auch nicht ganz korrekt sein, denn das verarbeitete Material ist nicht Honig sondern Wachs, auf jeden Fall sollte man gelegentlich einen Besuch in Deutschlands „süßester“ Kirche einplanen. Besichtigung ist möglich nach telefonischer Voranmeldung bei Frau Marianne Stein, Tel.-Nr. 033633 66153. (Uwe Donath)

Zum Suchen und Entdecken - in welchem Ort befindet sich diese Kirche?

Wo ist das?