Kirchen in unserer Region - Die Dorfkirche in Gielsdorf

Fast wie eine Trutzburg, mit dicken Mauern wehrhaft wirkend, thront die Gielsdorfer Kirche auf einem HĂŒgel mitten im Ort. Von dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gutshof blieb allein ein sorgfĂ€ltig restaurierter Uhrenturm. Der Name des Dorfes geht auf eine Siedlerfamilie Giselbert zurĂŒck, die im Zuge der Landnahme im 13. Jahrhundert den askanischen Markgrafen nach Brandenburg gefolgt war. Die Kirche gehört zu den Ă€ltesten auf dem Barnim, ein Feldsteinquaderbau, errichtet zwischen 1225 und 1250, klar gegliedert in Schiff, eingezogenem Chor und halbrunder Apsis.

Die Westfassade stĂŒtzen zwei massive Strebepfeiler aus Feldsteinen, zwischen denen die rundbogenförmige Pforte erst auf den zweiten Blick wahrnehmbar ist. Beim Eintreten muss man drei Stufen hinabsteigen, das umgebende Erdreich ist im Laufe der Jahrhunderte angewachsen. Der Kirchturm in Schiffsbreite aus Ziegel- und Ziegelfachwerkmauerwerk wurde 1860 aufgesetzt. Über dem Dach des Kirchenschiffs ist er als quadratischer Fachwerkaufsatz mit Zeltdach weitergefĂŒhrt. Er beherbergt zwei historische Glocken, eine von 1517 mit einem Durchmesser von 1 m, die andere von 1615 mit 80 cm Durchmesser.

Tafel von Pfuel

Gielsdorf gehörte zum Besitz namhafter brandenburgischer Adelsfamilien (von Barfus, von Arnim), die lĂ€ngste Zeit, von 1460 bis 1924, herrschten hier die von Pfuel. An die Belehnung des Werner von Pfuel im Jahre 1460 erinnert eine Tafel im Innenbogen des Altarraums. Eine große und eine kleinere Gruft mit drei Beisetzungen sind nicht mehr zugĂ€nglich.

Altar

Seit dem 17. Jahrhundert gab es im Innern bauliche VerĂ€nderungen, an der SĂŒdseite wurde die Pforte zugemauert, mehr Licht zum Singen und Beten brachte eine barocke VergrĂ¶ĂŸerung der Fensteröffnungen, die Nordwand beließ man im Originalzustand. Dominiert wird der Kirchenraum von einem qualitĂ€tsvollen Schnitzaltar, Entstehungszeit etwa 1460, im Hauptfeld zeigt er eine Mondsichelmadonna, links die Figur einer Anna Selbdritt: Großmutter – Mutter – Kind (Anna=Mutter der Maria, Großmutter Jesu), rechts Jakobus der Ältere, gekennzeichnet als Pilger mit Wanderstab und Pilgermuschel am Hut. Die zwei beweglichen SeitenflĂŒgel enthalten zwölf Figuren, jeweils drei ĂŒbereinander angeordnet, erkennt man die JĂŒnger. Beachtenswert ist die Gestalt Jesu im rechten Teil, obere Reihe Mitte: angeblich dort eingefĂŒgt, um den Marienaltar nach der Reformation vor möglichen BilderstĂŒrmern zu bewahren. Das Retabel kam 1975 aus der Wilkendorfer Kirche, die massive BauschĂ€den aufwies, nach Gielsdorf.

Eine Kanzel, wohl aus der ersten HĂ€lfte des 17. Jh. steht auf einem SĂ€ulenfuß. Die ursprĂŒnglich zugehörigen Figuren von Jesus Christus und den Evangelisten werden seit 1945 vermisst.

Taufe

Die pokalförmige Taufe aus RĂŒdersdorfer Kalkstein, gefertigt 1551, ist 82 cm hoch, die Kuppa hat einen Durchmesser von 54 cm. Eine Messingtaufschale zeigt MariĂ€ VerkĂŒndigung und eine Inschrift „non glorior nisi in cruce domini“.

Gedrehte SĂ€ulen tragen eine hufeisenförmige Empore aus dem Jahr 1610, deren BrĂŒstungsfelder sind mit Pilastern gegliedert und mit Arkaden verziert. Aus demselben Jahr stammt das PatronatsgestĂŒhl im Chor.

Ein Grabstein 1880 bei Ausgrabungen im ehemaligen Dominikanerkloster Cölln in Berlin gefunden, erinnert an Friedrich von Pfuel (1460 – 1527). Er zeigt eine Figur des Verstorbenen mit Helm und Wappen.

Grabstein

Unter den Schadensursachen, die im Laufe der Jahrhunderte an KirchengebĂ€uden und DachgestĂŒhl zu beobachten sind, nimmt Feuchtigkeit wohl den ersten Platz ein. So auch in Gielsdorf. 1967 begonnene Sanierungsarbeiten, behindert durch MaterialengpĂ€sse und Geldmangel, und spĂ€tere Fehler in Planung und AusfĂŒhrung Anfang der 1990-er Jahre, waren nur Flickwerk bzw. erforderten einen RĂŒckbau.

Letztendlich mussten drei neue DachstĂŒhle aufgebaut werden, hinzu kamen Dacheindeckung und -entwĂ€sserung, Elektrik und Renovierung im Inneren. Die Sanierungskosten betrugen schließlich 700.000 Euro. Um die erforderlichen Eigenmittel aufzubringen, grĂŒndete sich ein Förderverein. Mit dem so gesammelten Geld und Fördermitteln der EU und anderer Großspender, die die Hauptlast trugen, konnten die Kosten schließlich aufgebracht werden.

Neben der Kirche entstand wĂ€hrend einer langen Sanierungsphase 2008 ein moderner Zweckbau mit Saal, KĂŒche und WC. Ein Teil des ursprĂŒnglichen Gielsdorfer Altars, eine geschnitzte Abendmahlsdarstellung, fand in diesem als Winterkirche genutzten Haus ihren Platz.

Die Wiedereinweihung der schönen alten Kirche, die neben Gottesdiensten als Kunstkirche in den Sommermonaten zu wechselnden Ausstellungen und Lesungen einlĂ€dt, wurde 2014 mit großer Freude gefeiert.

Die Kirche gehört zur Kirchengemeinde Gielsdorf – Hirschfelde – Wilkendorf. www.kirchen-gielsdorf.de Interessenten an einer Kirchenbesichtigung melden sich bitte bei Herrn Staps, Tel.015170302009 (Uwe Donath)